Im Juli war er zuletzt in Rottweil zu erleben: Johannes Goritzki. Archiv-Fotos: al

Die Rott­wei­ler Klas­sik-Sze­ne hat Grund zur Trau­er: Im Alter von 76 Jah­ren ist Ende Dezem­ber Johan­nes Goritz­ki ver­stor­ben. Der bril­lan­te, inter­na­tio­nal renom­mier­te Cel­list und Diri­gent war viel­fach beim Klas­sik­fes­ti­val „Som­mer­spros­sen“ zu erle­ben – zuletzt im Juli 2018.

Johan­nes Goritz­ki hat die Klas­sik-Rei­he 1967 zusam­men mit sei­nem Bru­der Ingo als „Rott­wei­ler Kam­mer­kon­zer­te“ ins Leben geru­fen. Bei­de gehör­ten damals zu einem Kreis auf­stre­ben­der Musi­ker um den Gei­ger Sán­dor Végh, die ihre Ver­bin­dung trotz begin­nen­der Kar­rie­ren nicht abbre­chen las­sen woll­ten und sich daher zum gemein­sa­men Musi­zie­ren tra­fen. In Obern­dorf auf­ge­wach­sen, hat­ten die Goritz­ki-Brü­der in Rott­weil das Gym­na­si­um besucht und Jugend­freund­schaf­ten geschlos­sen, beson­ders mit der Fami­lie des Künst­lers Sieg­fried Haas. In des­sen Ate­lier in der Klip­pen­eck­stra­ße fan­den zunächst Kon­zer­te in pri­va­tem Rah­men statt.

Aus die­sen Anfän­gen ent­stan­den die in den 1990er Jah­ren in „Som­mer­spros­sen“ umbe­nann­ten „Rott­wei­ler Musik­ta­ge“, die rasch über­re­gio­na­le Strahl­kraft ent­fal­te­ten und zu einem Aus­hän­ge­schild für die Stadt wur­den. Zwei Deka­den lang lei­te­ten die Brü­der das Fes­ti­val gemein­sam, ehe Ingo Goritz­ki 1987 die allei­ni­ge künst­le­ri­sche Stab­füh­rung über­nahm.

Die Kar­rie­re von Johan­nes Goritz­ki hat­te bereits Mit­te der 1960er Jah­re beträcht­li­chen Schwung auf­ge­nom­men. Der Solo­cel­list im Kam­mer­or­ches­ter Sán­dor Végh war Schü­ler so berühm­ter Leh­rer wie André Navar­ra, Atis Teich­ma­nis und Gas­par Cas­sa­dó. Er errang etli­che Prei­se und wur­de bereits in jun­gen Jah­ren zu wich­ti­gen inter­na­tio­na­len Fes­ti­vals, etwa in Marl­bo­ro und Gstaad, ein­ge­la­den.

Zu Beginn der 1970er Jah­re grün­de­te er die zunächst als Deut­sche Kam­mer­aka­de­mie Rott­weil fir­mie­ren­de Deut­sche Kam­mer­aka­de­mie Neuss, mit der er in der gan­zen Welt Gast­spie­le gab – und auch das Rott­wei­ler Klas­sik­fes­ti­val immer wie­der glanz­voll berei­cher­te. 1976 über­nahm er über­dies eine Pro­fes­sur am spä­ter zur Hoch­schu­le umge­wan­del­ten Düs­sel­dor­fer Robert-Schu­mann-Kon­ser­va­to­ri­um, die er 36 Jah­re lang inne­hat­te.

Die „Rhei­ni­sche Post“ rühmt Johan­nes Goritz­ki, der über 40 CDs ver­öf­fent­lich­te, in ihrem Nach­ruf als „Grand­sei­gneur des Cel­los“. Dem Rott­wei­ler Publi­kum war der Künst­ler, der zuletzt in Luga­no leb­te, seit Lan­gem fest ans Herz gewach­sen. Sei­ne mit Tem­pe­ra­ment gepaar­te erle­se­ne Klang­kul­tur, in der neben enor­mer Nobles­se auch ein spitz­bü­bi­scher Charme auf­blit­zen konn­te, mach­ten Kon­zert­aben­de mit ihm, in denen er mehr­mals etwa Bachs Sui­ten für Vio­lon­cel­lo solo inter­pre­tier­te, zu tief bewe­gen­den Musik­erleb­nis­sen.