Rottweil. Der Bundestagsabgeordnete und Verkehrsexperte der Grünen, Matthias Gastel, hat am Sonntag in Rottweil über die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in Baden-Württemberg gesprochen. Im Mittelpunkt standen Stuttgart 21, die Zukunft der Gäubahn und Mobilitätsangebote im ländlichen Raum.
Zu Stuttgart 21 äußerte sich Gastel kritisch: Das Projekt leide unter den unterschiedlichen Interessen der beteiligten Partner – darunter Stadt Stuttgart, Region, Flughafen und Bahn. Die Flughafengesellschaft habe ihren Beitrag früh zu einem niedrigeren Kostenniveau geleistet, die stark gestiegenen Baukosten trügen nun die übrigen Beteiligten. Den geplanten Pfaffensteigtunnel bezeichnete Gastel als nicht mehr abwendbar. Stattdessen plädierte er für den zweigleisigen Ausbau der Gäubahn südlich von Horb.
Als funktionierende Beispiele regionaler Bahnentwicklung nannte Gastel den Ringzug sowie die Schönbuchbahn, die 1966 stillgelegt worden war und nach ihrer Reaktivierung heute teilweise im 15-Minuten-Takt befahren wird. Positiv bewertete er zudem die landesweit eingeführten Regiobusse, die Landkreisgrenzen überwinden und auf manchen Linien auch Fahrradmitnahme ermöglichen.
Als weitere Beispiele für Angebote im ländlichen Raum nannte Gastel Anrufbusse, Mitfahr-Apps, Bürgerbusse und Carsharing-Modelle. Hinzu kämen mobile Bankfilialen und Arztpraxen auf Rädern, die zu den Menschen kämen, wo klassische Infrastruktur fehle. „Da ist in den vergangenen Jahren vieles in Bewegung gekommen“, so der Abgeordnete, „aber es gibt auch noch eine Menge zu tun.“
Gastel verwies zudem auf das Deutschland-Ticket, das inzwischen von rund 14 Millionen Menschen genutzt werde. Es sei „einer der größten Fortschritte der vergangenen Jahre“, weil es vor allem den Menschen im ländlichen Raum Planungssicherheit und einfache Tarife biete.
Zur laufenden Bahnstrukturreform sagte Gastel, die Zusammenlegung ehemals getrennter Unternehmenseinheiten und die Bündelung von Sanierungsmaßnahmen seien Schritte in die richtige Richtung. Kritisch merkte er an, dass Bahnhalte, die kommunale Bauhöfe für rund 5.000 Euro errichteten, bei der Bahn ein Vielfaches kosteten.
Kritisch sah Gastel, dass bei der Bahn lange Zeit vor allem auf die Dividende geschaut worden sei. Inzwischen denke das Unternehmen wieder stärker an das Gemeinwohl, dennoch gebe es Nachholbedarf. So habe er bei einer Veranstaltung zu Künstlicher Intelligenz bei der Bahn nach dem konkreten Nutzen für die Fahrgäste gefragt – eine überzeugende Antwort habe es darauf nicht gegeben.
Als weiteres positives Beispiel nannte Gastel das Unternehmen Vaude in Tettnang, wo ein Parkplatz mit einer Kita überbaut wurde und bevorzugte Stellplätze nur Fahrgemeinschaften erhalten.
Artur Eichin, Landtagskandidat der Rottweiler Grünen, betonte in der anschließenden Diskussion die Bedeutung von Mobilität und Infrastruktur für den ländlichen Raum.
Eichin machte deutlich, dass für ihn der ländliche Raum, die Mobilität und eine verlässliche Daseinsvorsorge zentrale Themen sind. Zukunftsfähige Arbeitsplätze, Wirtschaftskraft, Lebensqualität und Klimaschutz gehörten untrennbar zusammen, betonte er – und dafür brauche es eine leistungsfähige Bahn.


