Sie ist fast fertig und wartet demnächst auf Besucher, viele Besucher. Heute Mittag konnten Pressevertreter zum ersten Mal über die Rottweiler Fußgänger-Hängebrücke „Neckarline“ gehen. Geführt von Projektleiter Roland Haag.
Rottweil – Großes Interesse bei der Presse fand die Veranstaltung. So waren neben den lokalen Medien auch die Stuttgarter Zeitung und der SWR vertreten.
Haag stellte die Geschichte der Brücke vor. Deren zeitlich längster Teil war die Planung. Ursprünglich sollte die Brücke vom Bockshof bis zum Testturm gehen und 900 Meter lang sein. Beim Bürgerentscheid 2017 war das noch Stand der Dinge. Haag erinnerte daran, dass die Abstimmung über das Projekt mit einer Mehrheit von 70 Prozent Ja-Stimmen endete. Und ebenso groß war der Anteil der Ja-Stimmen beim Bürgerentscheid.
Im Lauf der Planung musste dann der Andockpunkt am Bockshof verlegt werden. Nach oben, Richtung Dominikanermuseum. Das ganze Ensemble um Lorenzkapelle und Pulverturm stehe unter Denkmalschutz, weswegen dort die Brücke nicht angebunden werden durfte. „Wichtig ist, was unter der Erde ist“, sagte Haag: Zum einen musste der Boden dort denkmaltechnisch untersucht werden. „Das hat uns 100.000 bis 150.000 Euro gekostet“, sagte er. Nachdem die Gebeine längst Verstorbener in den heutigen Friedhof verlegt worden waren, konnten die Arbeiten im Bockshof beginnen. Nun befindet sich unter der Erde und unter den Kassenhäuschen der 28 Meter tiefe Keller mit den einbetonierten Widerlagern für die Brücke. Starke zwölf Anker halten die dicken Stahlseile fest, „vier vollverschlossene Spiralseile mit einem Durchmesser von 80 Millimetern“, wie einem Infoblatt der Neckarline zu entnehmen ist.
300 Meter kürzer
Die Planer mussten außerdem den Ankerpunkt auf dem Berner Feld verlegen. Das legte dann zum einen Konflikte bei, die sich mit Anliegern unter der ursprünglichen Brücken-Trasse ergeben hatten. Zum anderen brauchte die Brücke nun keine Pfeiler mehr zum Stützen. Nun ist die Brücke etwas kürzer als zunächst geplant, 606 Meter lang. Aber noch immer die längste Hängebrücke Baden-Württembergs. Derzeit jedenfalls. Aber welcher Rekord ist schon für die Ewigkeit.
Der Zeitpunkt der Einweihung schien eine Zeitlang in Gefahr: „Wir waren zwei Wochen hinterdrein“, bekannte Haag. Doch die Baufirma arbeitete gut und zügig, so dass nun die Brücke fertig ist. Lediglich ein paar Blechkästen liegen noch auf der Brücke: Die Glasfaser-Leitungen für das W-Lan sind noch nicht eingetroffen. Aber das, da ist Haag sicher, wird sich bis zur Eröffnung Ende April erledigt haben. „Die Brücke wurde gebaut, um Tourismus in die Innenstadt zu bringen“, betonte Haag.
Technische Daten
Die Brücke hat ein Gesamtgewicht von 444 Tonnen. Die maximale Tragkraft hat sie für 1486 Personen. Also wäre es durchaus möglich, dass sich 1000 Personen gleichzeitig auf der Brücke aufhalten. Aber sicher ist sicher, und ein Gedränge nicht schön: Wenn 400 Personen dort sind, werden nur noch so viele Menschen auf die Brücke gelassen, wie sie verlassen. Außer an den vier Ausweichstellen ist der Weg 1,25 Meter breit. Die Länge des Wegs beträgt 606 Meter – ohne die Kurven auf und ab wäre sie gerade mal einen Meter kürzer, berichtete Roland Haag der erstaunten Journalisten und- innen-Schar. Die Brücke ist 60 Meter über dem Boden, ebenso hoch ist der Pylon. Wenn der Wind zu stark bläst, ab Windstärke sechs, und auch bei Gewitter wird die Brücke für Besucher gesperrt.
Auf der Brücke ist Rauchverbot. Auch gibt es keine Mülleimer – „man nimmt den Müll wieder nach Hause mit“, fand Haag. Er hat auch keine Befürchtung, dass es dann unter der Brücke Abfall regnet: In Bad Wildbad habe es eine Müllsammelaktion gegeben, und dabei seien „keine zwei Plastiktüten voll“ eingesammelt worden.
In 20 Jahren bezahlt
Zwölf Millionen Euro hat das Bauwerk gekostet. Der Eintritt macht 13,50 Euro für Hin- und Rückweg. Gerechnet wird mit 100.000 bis 150.000 Besuchern im Jahr. „Die Brücke wird sich tragen … in 20 Jahren sollte sie bezahlt sein“, kündigte Haag an. Schließlich gebe es keinen Geschäftsführer, der Geld entnimmt. Zum Vergleich: Die Black Forest Line in Todtmoos Todtnau besuchen über 150.000 Menschen im Jahr. Und bei der „Wildline“ in Bad Wildbad kam auf knapp 100.000, gerechnet hatte man mit 80.000 Besuchern.
Info
Am Wochenende 24. bis 26. April ist die offizielle Einweihung. Über das Programm haben wir hier berichtet. Weitere Infos gibt es auch unter www.tourismus-rottweil.de/jahr-der-bruecken.




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