Die Zukunft des Ten­nen­bron­ner Orts­vor­ste­hers Lutz Stro­bel füllt inzwi­schen die Leser­brie­fecke im „Schwarz­wäl­der Boten“ – obwohl dort gar nicht berich­tet wur­de, son­dern in der NRWZ. Nach­dem Stro­bel im Mai einen äußerst kri­ti­schen Leser­brief zum The­ma Frei­bad­sa­nie­rung in einer Mail gelobt und nach sei­nen Wor­ten „etwas geän­dert“ hat­te, ern­te­te er dafür hef­ti­ge Kri­tik von Sei­ten der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den im Schram­ber­ger Gemein­de­rat. Stro­bel sei „deut­lich zu weit gegan­gen“, sein Ver­hal­ten sei „in keins­ter Wei­se“ zu akzep­tie­ren, sag­te bei­spiels­wei­se die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de von SPD-Bunt­specht Tan­ja Wit­kow­ski.

In der ver­gan­ge­nen Woche hat die NRWZ dar­über berich­tet, dass noch nicht klar sei, wie der Orts­vor­ste­her-Pos­ten in Ten­nen­bronn nach der Kom­mu­nal­wahl besetzt wer­den wird. Nach sei­ner Leser­briefaf­fä­re im Mai war Amts­in­ha­ber Stro­bel in die Kri­tik gera­ten, weil  sein Ver­hal­ten als illoy­al gegen­über der Ver­wal­tungs­spit­ze und den kom­mu­nal­po­li­ti­schen Gre­mi­en bewer­tet wur­de.

Ungewöhnlich: Zwei Leserbriefe im „Schwabo” zu Artikel in der NRWZ

Nach die­sem Arti­kel erschien im Schwarz­wäl­der Boten und auch bei uns ein Leser­brief, in dem eine Ten­nen­bron­ne­rin sich für eine zwei­te Chan­ce für Stro­bel aus­spricht. Am Mitt­woch ver­öf­fent­licht der „Schwarz­wäl­der Bote“ einen Leser­brief des „Aktive-Bürger“-Stadtrats Jür­gen Reu­ter, in dem die­ser schwe­re Vor­wür­fe gegen den Ober­bür­ger­meis­ter, einen stell­ver­tre­ten­den Ober­bür­ger­meis­ter und Gemein­de­rä­te erhebt.

Da die „Schwarzwälder-Bote“-Leser den kri­ti­sier­ten Arti­kel nicht ken­nen und auch nicht erwähnt wird, wo der Arti­kel erschie­nen ist, kön­nen sie den Wahr­heits­ge­halt des Leser­briefs nicht über­prü­fen. Reu­ter schick­te die­sen Brief nicht an die NRWZ, in der der von ihm kri­ti­sier­te Arti­kel erschie­nen war. Wir zitie­ren daher aus dem „Schwarz­wäl­der Boten:

Unser amtie­ren­der Ober­bür­ger­meis­ter als Jurist und Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­ter, ein ehren­amt­li­cher Ober­bür­ger­meis­ter­stell­ver­tre­ter und Gemein­de­rä­te dis­ku­tie­ren Details und Aus­wir­kun­gen eines schwe­ben­den Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens gegen einen Orts­vor­ste­her in der Öffent­lich­keit, obwohl die Gemein­de­ord­nung für die­se Fäl­le die nicht­öf­fent­li­che Bear­bei­tung vor­schreibt.“

Reu­ter bezieht sich dann auf die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, die Grund­rech­te­char­ta der EU und einen inter­na­tio­na­len Pakt der Ver­ein­ten Natio­nen,  wonach Herr Stro­bel bis zum rechts­förm­li­chen Beweis sei­ner Schuld als unschul­dig gel­te. Laut Pres­se­ko­dex müss­te die Bericht­erstat­tung zu Ermitt­lungs­ver­fah­ren frei von Vor­ur­tei­len erfol­gen. Und wei­ter:

Nicht die Bevöl­ke­rung und schon gar nicht ein belie­bi­ger Zei­tungs­re­dak­teur, son­dern das Rechts­staats­prin­zip unse­res Grund­ge­set­zes tren­nen Recht und Unrecht. Ich rate drin­gend zur Mäßi­gung, zu mehr sou­ve­rä­ner Gelas­sen­heit und zur Kon­zen­tra­ti­on auf wesent­li­che Wei­chen­stel­lun­gen vom ehe­ma­li­gen Kran­ken­haus bis zur Ost­tan­gen­te“, endet der Leser­brief.

Die NRWZ nimmt dazu wie folgt Stel­lung:

Anders als von Reu­ter behaup­tet, dis­ku­tie­ren in dem Arti­kel kein Ober­bür­ger­meis­ter, ehren­amt­li­cher OB-Stell­ver­tre­ter oder Gemein­de­rä­te „Details und Aus­wir­kun­gen eines schwe­ben­den Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens“. Es wird ledig­lich an OB Her­zogs Aus­sa­ge vom Mai erin­nert, dass  Stro­bels Ver­hal­ten im Zusam­men­hang mit dem Leser­brief „ein­ma­lig“ und „mehr als pro­ble­ma­tisch“ war. Wei­ter heißt es: „Bei Ver­stö­ßen die­ser Art ist die Ein­lei­tung eines Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens mög­lich.“ Die NRWZ schreibt nicht, dass tat­säch­lich ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren läuft. Reu­ter aller­dings berich­tet  von „einem schwe­ben­den Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren“.

Der Arti­kel in der NRWZ beschreibt wei­ter das Ver­fah­ren, wie ein Orts­vor­ste­her bestimmt wird, näm­lich dass ein Orts­vor­ste­her für die Dau­er der Amts­zeit eines Ort­schafts­rats gewählt wird, dass er vom Ort­schafts­rat vor­ge­schla­gen und vom Gemein­de­rat gewählt wird.

Die NRWZ erin­nert schließ­lich dar­an, dass sich nach Bekannt­wer­den der E-Mail-Affä­re die Frak­ti­ons­spre­cher sehr kri­tisch zu Stro­bels Ver­hal­ten geäu­ßert haben und es des­halb „wenig wahr­schein­lich“ sei, dass der Ort­schafts­rat Stro­bel vor­schla­gen und der Gemein­de­rat ihn wie­der­wäh­len wird. Das ist eine poli­ti­sche, kei­ne juris­ti­sche Ent­schei­dung, und die­se tref­fen die Gre­mi­en unab­hän­gig davon, ob es ein schwe­ben­des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren geben soll­te, wie Reu­ter in sei­nem Leser­brief behaup­tet.

Mar­tin Him­mel­he­ber, Redak­teur