Parkgebühren in Rottweil? Der Narrenmeister schwätzt einfach schneller …

Dreikönig in Rottweil: die Rede des Narrenmeisters & eine große Bildergalerie

Autor / Quelle: NRWZ-Redaktion
Lesezeit 14 Min.
Cristoph Bechtold bei seiner Rede am Dreikönigstag '26. Ihm zur Seite stehen der zweite Narrenmeister Gorg "Schorsch" Hauser (links) und der Zunftschreiber Prof. Frank Huber. Foto: Ralf Graner

Kaum etwas hat in Rottweil die Menschen so auf die Palme gebracht wie die Verlängerung der Bewirtschaftungszeiten für öffentliches Parken. Oder: dass es jetzt auch sonntags Geld kostet, seine Blechkiste in der Stadt abzustellen. Natürlich nimmt eine Narrenzunft, immer am Puls der Zeit und am Blutdruck der Bürgersleut‘, solch eine Vorlage auf. Auch Rottweils Narrenmeister Christoph Bechtold tat dies. Gleich zu Beginn seiner Dreikönigsrede, die im Folgenden von der NRWZ im Wortlaut wiedergegeben wird.

Drei-König 2026

Rede von Narrenmeister Christoph Bechtold, Narrenzunft Rottweil

Liebe Bürgersleut von Rottweil,
es ist endlich wieder soweit, wir haben eine neue Fasnetszeit.

Zuallererst freuen wir uns, dass wieder so Viele heute Morgen den Weg hierher gefunden haben. Ich werde auch etwas schneller schwätzen als sonst, damit Ihr mit €1 Parkgebühr auskommt. Jeder von uns weiß, was so eine Fasnet kostet, da kannst nicht gleich am ersten Tag fürs Parken einen Haufen Geld ausgeben.

Und kaum hat die neue Fasnetszeit angefangen, gibt’s auch schon bei der Zunft die ersten Änderungen, die wir Euch heute gleich verkünden möchtet. Da die Zunft eine ständig ausgemergelte Zunftkasse hat, muss dringend gespart werden. Und da auch wir mit der Zeit gehen, setzen auf wir jetzt voll auf Digitalisierung und KI.
Wer von Euch hat noch sein Narrenkarte von 1970 oder von den letzten 5 Jahren im Geldbeutel? Auch wenn Ihr es nicht zugebt, vermutlich die meisten. Da kann ich Euch nur raten, pfleget sie gut, rahmet sie Euch hinter Glas und gucket sie euch täglich ein Mal an. Denn damit ist jetzt Schluss. Zu teuer und auch nicht nachhaltig genug.
Also muss bei der Zunft an der Stelle dringend etwas machen. Deshalb haben wir uns mal umgeschaut, was es denn da schon so digital und KI-gesteuert gibt.

In China z. B. kannst dem Bettler auf der Straße nur noch per QR-Code das Geld schenken. Da gilt schon lange nicht mehr nur Bares ist Wahres.

Und in Italien kommt seit Beginn dieses Jahres kein Klingelbeutel mehr in der Kirchenbank vorbei, sondern der Kartenleser. Dadurch kannst gleich größere Beträge spenden und es ist leiser in der Kirch, da das Bargeld nicht mehr so kleppert und den Pfarrer beim Beten stört.

Aber warum in die Ferne schweifen, wenn die Abzocke, das Gute ist so nah. Der beste Lehrmeister ist ja unsere eigene Stadt. Nicht nur, dass man beim Laden von seinen E-Autos zusätzlich zum Strom auch noch Parkgebühren bezahlen muss. Es ist auch noch kameraüberwacht und KI-gesteuert. Damit kriegst bei Zuwiderhandlung den Strafzettel direkt frei Haus heim geschickt. Da bekommt das Wort Nachhaltigkeit eine völlig neue Bedeutung. Und das ganze Parken wird heute nur noch per Parkster-App abgewickelt und direkt abgebucht. Damit musst keine Parkautomaten mehr pflegen und leeren, sondern hast das Geld sofort auf dem Konto.

Und genau so machen wir das bei der Zunft jetzt auch. Ab sofort gibt es die Narrster-App, die von der KI unterstützt wird. Aber keine normale Künstliche Intelligenz, wie ChatGPT. Sondern, einer zunft-eigenen, höchst entwickelte KI-Lösung, namens SPEZI. Der Name ist bei uns ja sowieso Programm, zumindest morgen früh. SPEZI steht für Super Potente Einzigartige Zunft Intelligenz. Und SPEZI basiert auf dem unfassbaren Verstand und nahezu endlosen Wissen aller Ausschussmitglieder der letzten 123 Jahre. Auf der finanziellen Seite haben das Ganze mit der Geldgier und dem Geiz aller jemals amtierenden Zunftsäckelmeister gepaart und dann nochmals mit den Sparideen der Stadt exponentiell hochpotenziert. Da kommt nicht einmal mehr der Hochbegabten-Stamm aus dem Apfel mit.

Und wie läuft des jetzt für Euch ab? Völlig einfach.
Die Narrster-App auf sein Handy laden
dann mit Namen und Geburtsdatum anmelden
Danach Einloggen – kostet jedes Mal €5
Jetzt kannst Du Dir als Mitglied über die Narrster-App Deine Narrenkarten digital herunterladen. Kosten sind wie gehabt €10 pro Tag.

Dann noch nur noch kurz die Narrenkarte auf deine neue digitale Plakette hochladen. Die neue digitale Plakette überlassen wir Euch natürlich fast kostenlos für €10 – pro Jahr. Und dann kannst auch schon zum Narren gehen.
Wenn Du dann durch´s Schwarze Tor läufst, wird digital die genaue Zeit genommen. Damit wir den Narrensprung ein wenig straffer hinbekommen, hat jeder von Euch zukünftig 15 Minuten Zeit, bis er vom Schwarzen Tor zum Spital gelaufen sein muss. Jede angefangene Minute MEHR, kostet dann €5 extra. Wenn ein Narr aber mehr als 5 Mal an der Straße aufsagt, kriegt er ab dem 6. Mal dann eine Minute gutgeschrieben. Allerdings nur bis zum 7. Mal, ab dem achten Mal kostet es dann wieder voll, da er einfach viel zu viel Zeit braucht. Das Ganze gilt natürlich Stadt-nei genauso. Und den jungen Turbo-Narren und den Mini-Adonisle wie dem Joe Biggel, die meinen, sie müssen 3-5 Mal stadtnab, sei auch gleich gesagt, mit jedem weiteren Durchqueren des Schwarzen Tors, verdoppeln sich die Kosten.

Auch werden wir mittels Kameras und SPEZI zukünftig in der ganzen Innenstadt überwachen, ob das mit dem Narren auch richtig funktioniert. Dazu haben auch einen entsprechenden Bußgeldkatalog zusammengestellt:

Rauchen vor dem Lokal mit der Larve oben, kostet €25
Gleich ganz ohne Kübel, kostet €50
Ohne Larv vorm Gesicht in der Nebenstraße kostet €25
Im Hauptbereich der Innenstadt €50
Der Korb als Einkaufskorb getragen macht €25
Als Federhannes einen Weihbischof imitieren stadtnab dappen macht €50
Falsch Jucken ebenfalls €50
Hoch-schwäbisch oder gar badisch schwätzen – €100

Das gilt ab sofort an jedem Tag von 8:00h bis 20:00h. Macht bis 20:00h zwar kein Sinn, aber wir haben uns der Stadt angeglichen. Dort macht es zwar auch keinen Sinn, aber was soll´s.

Damit Ihr Euch das besser vorstellen könnt, hier zwei kleine Beispiele zur Verdeutlichung. Stellte Euch vor, um 8:50h erscheint ein roter Federhannes im Schwarzen Tor. Drin steckt unser voll durchtrainierter Prof. Dr. Franky, ich gewinne jeden Pokal, Huber. Genau in dem Moment beginnt die Zeit an zu laufen. Wenn er dann nach den ersten drei Riesensprünge knapp unter der Traufbeleuchtung vorbei auf Höhe von Lack und Leder Spitznagel realisiert, dass er gerade an 30 hübsche jungen Mädle und auch seiner eigenen Frau vorbeigeflogen ist, und wieder zurückrennt, wird des natürlich mit den 15 Minuten knapp und ggf. ziemlich teuer. Er könnte des natürlich durch gezieltes 7-maliges Aufsagen wieder ein Stück weit gut machen. Da Ihn aber beim 4. Aufsagen, das er beim Vorbeiflug an Max Saile´s Wohnzimmer im dritten Stock vornimmt, eh so sehr der Durst plagt, dass er es fast nicht mehr aushält, kommt er mit nur 4-mal Aussagen gerade noch pünktlich um 9:04h am Spital an und zahlt keine Extra-Gebühr.

Anders sieht das dann beim Ich-kenn-und-schwätze-mit-jedem Harry Vogt aus. Der kommt erst nach 45 Minuten mit 15-maligem Aufsagen unten am Spital an, was €150 extra macht. Dann ist er auch noch so fertig, dass er die Larve drei Schritte zu früh und somit noch auf der Unteren Hauptstraße lupft, was nochmals €50 kostet. Macht dann mal eben €200 extra, aber gut, es tritt ja keinen ganz Armen.

Und übrigens, unsere Rössle zahlet grundsätzlich mal für all die Punkte von oben das Doppelte, da man mit denen ja auch den doppelten Ärger hat. Und natürlich auch immer gleich für alle 3 Mann.
Und wem das jetzt immer noch Alles zu kompliziert ist, keine Sorge, Ihr könnt uns hier vollstens vertrauen, wir haben unsere SPEZI voll im Griff.

Eins noch – alle Beträge werden direkt online von Eurem Konto abgebucht, so dass Ihr, wenn Ihr im Schwarzen Lamm angekommen seid, schon genau wisset, wie viele Schorle Ihr Euch noch leisten könnt. Und unser Zunftsäckelmeister in H1 weiß zeitgleich schon ganz genau, wohin der Jahresausflug der Zunft in dem Jahr gehen kann. Und ich sehe uns da schon 3 Wochen lang in der Karibik liegen und Rum trinken, ohne dass Ihr des bei Stefans Kassenbericht in der Generalversammlung überhaupt realisiert.

Also Ihr merket, die SPEZI und die Digitalisierung funktionieren bei uns hervorragend.

Merket uff ihr liebe Leit,
seit heut gibts a neue Fasnet’s Zeit,
ab jetzt goht’s Schlag uff Schlag,
in sechs Wocha isch der große Fasnets – Tag.

D’Abstauber startet in die fünfte Jahres‘zeit,
und sind für älle Narrenhäuser g’richtet und bereit!
Da‘ OB meint es gut mit uns, mit folgender Kunde,
machet’s am Dreikönig wie bei Parken, pro Haus a’Stunde!

Da OB sagt, Ih‘ helf da Zunft mit unserm Ordnungsamt
Die kennet sich mit Strafzettel aus, sell isch bekannt
Duat da Abstauber 5 Minuta‘ später aus em‘ Haus nausdappa,
no muas jeder von dem Trupp‘ dann 20 Euro be‘rappa.

Ih‘sag, des ka’sch‘ it macha, mir wellet unsere Kunda it vergraula,
wenn d‘Absatuber des macht, sind älle‘ Leut‘ nu am Maula.
Für da Dreikönig und d’Abstauber, lass Ih‘ des g’wiss‘ it gelta,
S‘reicht’ wenn d‘ Leut über d‘ Parkgebühra‘ dont‘ schelta‘.

Und d’Kunda; sott mer it vergraula‘, lieber OB,
an da Fasnet isch’s it kompliziert, sondern schee!
Nach alter Väter Sitte gont‘ die Manna‘ in a’Narra-Haus
Wenn’s Zeit und abgstaubt isch, irgendwann au‘ wieder naus.

Aber dazu‘ hätt Ih‘ au no gute Idee, sell wär doch was,
do hettet‘ meine Manna‘ au mol richtig Spass!
D’Stadtverwaltung und da Gemeinderat werden serviceorientiert.
Ih‘ weiß, s‘wär‘ a große Überraschung, sell‘ sag Ih‘ – uh‘geniert

Ein Chauffeur-Service für unsere Abstauber mit Limousine
Jeder Fahrer bitte zuvorkommend und mit freundlicher Miene
Der OB fährt sanft und elegant, egal ob er will oder kann
Die Gruppe Leichtle, Welsch, Hansmann.

Frau Gähn fährt unscheinbar, zurückhaltend dafür ist sie bekannt,
unser Abstauber Duo Jochen Hugger und Steve Frank

Bernd Pfaff, nimmt alles auf sich, der wird schon nicht klagen,
er lädt die Gruppe um Schorsch Hauser in seinen Wagen.

Simone Strasser von der Touristinfo, fährt charmant,
die Herren Wölbl, Wenzler und Huber, dafür ist sie bekannt

Der Neue im Ordnungsamt, Pascal Schneider sorgt für Pünktlichkeit
Also die Herren Wiest, Spitznagel, Pfriender, seit dafür bereit

Pech hond‘ die Herren Weckenmann Schumi und Öööh‘, nu so grad‘
die fahret mit em‘Benni Sigrist vu‘ de Grüne, mit em Laschta’Rad!

Ökologisch au mit Rad, Frau Geckele Maier, so kommt man weiter,
uff‘ em Gepäckträger da‘ Schellhorn und im Ei’kaufskörble dia‘ zwei Kleiter

Frommer, Weiss und Wollstädt, werden gefahren von Reiner Hils
Aber mit em’Schubkarra, des isch sicherer, noch dena‘ ganza‘ Pils

Göhler und Marschall werden übernommen von Banholzer von der CDU,
der isch au no bei da Bergwacht, dann hann‘ Ih mei‘ Ruh!

Beim Duo Busch und Butz do braucht’s Erfahrung, keine Klagen,
do’für nemmt mir da Hermann Breucha mit seinem Lieferwagen.

Hezinger und Müller, die fahret mit Elke Reichenbach,
Frauen Power für die beiden, so bleiben dia konzentriert und wach

Da Markus Heinze braucht koin Fahrer, für den isch nicht’s zu schwer,
ok, der hot 2 x Saile, dafür isch der aber jo bei da Feuerwehr.

Ih‘ selber ka‘ mei Strecke laufa, sell isch it schlimm,
und wenn’s nimme goht, hilft mir mein Freund Claus Grimm.

So des war´s von mir, drum uff‘ liebe Tagwach fanget a‘
Und spielet so viel Narremärsch, wie‘ mer nu spiela‘ ka
Unserer Freundin Petra für alles des, was jetzt kund
Älles Guate und werd schnell wieder gsund
Euch andera an schena Tag, machet’s guat und bleibet Xund,
sell wünscht Euch von Herzen da Narro Kugelrund!

Hu-Hu-Hu

Der Dreikönigstag

In der alten Reichs- und Narrenstadt Rottweil wird an Dreikönig traditionell die Fasnet eröffnet, unter großer Beteiligung der Bevölkerung. So auch an diesem 6. Januar 2026.​ Typisch ist das Aussenden der Abstauber in Frack und Zylinder, die die Narrenkleider vom Staube befreien sollen (siehe auch „Wenn der Staub mehr ist als Staub„). Das geschieht unter den Klängen der Tagwachkapelle und mit launigen Worten des Narrenmeisters in der Oberen Hauptstraße, vor dem Alten Rathaus, das die Narren bekanntlich bald zu übernehmen gedenken.

Bildergalerie

Unser Fotograf Ralf Graner vom Studio Ralf Graner Photodesign war dabei. Wir bringen hier seine Bilder.

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