„Wasser in Gebäude“ – das passiert in diesen Tagen oft. Manch ein schwaches Wasserrohr bekommt bei Tauwetter aus unterschiedlichen Gründen den Rest. Wasser fließt dann ungehindert in Häuser und auf die Straße. Oft werden das Fälle für die Feuerwehr. So erst wieder am Mittwochmorgen in Rottweil.
Im Landkreis Rottweil sind mehrere Feuerwehrabteilungen in den vergangenen Tagen mit dem Stichwort „Wasser in Gebäude“ alarmiert worden. Fluorn-Winzeln, Sulz-Hopfau, Zimmern ob Rottweil, beispielsweise. Am Mittwochmorgen, fast noch zu nachtschlafender Zeit, traf es die Kernstadtwehr der Feuerwehr Rottweil: Aus dem Toilettenhäuschen am Fuße des Wasserturms, das wir vom alljährlichen Ferienzauber kennen, trat Wasser in nicht geringer Menge aus. Und zwar „unter allen Türen“ des kleinen Gebäudes, worauf der Einsatzleiter, Stadtbrandmeister Frank Müller, verwies. Schwallweise floss es ins Freie, nachdem Einsatzkräfte die Türen geöffnet hatten. Bemerkt worden war das offenbar von einem frühen Passanten gegen 6.30 Uhr, im Rottweiler Wasserturm gleich gegenüber dem Toilettenhäuschen ist ein Softwareunternehmen beheimatet.
Einer der Feuerwehrmänner, selbst beim örtlichen Energieversorger ENRW beschäftigt, kletterte in einen Versorgungsschacht vor dem Häuschen und fand dort den entscheidenden Regler. Er konnte das Wasser abstellen. Für die Feuerwehr kam der Einsatz damit zu einem baldigen Ende, ein Mitarbeiter der ENRW war ebenfalls vor Ort. Da es sich beim Toilettenhäuschen um ein öffentliches Gebäude handelt, wird sein Unternehmen zuständig sein für die Schadensbeseitigung. Dioe Polizei entsandte eine Streife.
Wasserrohrbruch ist keine Seltenheit
Ein Wasserrohrbruch wie dieser ist in den Wintermonaten und besonders in Phasen mit Tauwetter keine Seltenheit. Fachleute erklären das mit den starken Temperaturwechseln: Gefriert der Boden über mehrere Tage, dehnt sich das Wasser im Erdreich aus und hebt den Untergrund minimal an. Taut der Boden anschließend wieder auf, sackt er teilweise ungleichmäßig ab. Diese Bewegungen wirken auf unterirdische Leitungen – vor allem auf ältere Rohre und Verbindungsstellen – wie ein ständiger Zug und Druck.
Hinzu kommt: Durch das Tauwetter dringt Schmelzwasser in den Boden ein. In kurzer Zeit wird der Untergrund stellenweise stark aufgeweicht, wodurch sich das Erdreich leichter verschieben kann. Für Wasserleitungen bedeutet das zusätzliche Belastung – im ungünstigsten Fall reicht bereits eine kleine Materialschwäche oder Korrosionsstelle aus, um das Rohr bersten zu lassen.
Alte Leitungen sind im Winter besonders spröde. Viele Materialien (auch manche Kunststoffe) werden bei Kälte steifer und weniger „nachgiebig“. Metallrohre mit Korrosion oder Materialermüdung sind ebenfalls anfälliger. All das begünstigt einen Wasserrohrbruch. Ein bereits geschwächtes Rohr kann dann bei Tauwetter „den Rest bekommen“.
Für Anwohnerinnen und Anwohner ist ein Wasserrohrbruch nicht immer sofort erkennbar. Hinweise können plötzlich sinkender Wasserdruck, ungewöhnlich feuchte Stellen im Garten oder auf Gehwegen sowie sichtbare Wasseransammlungen sein. Auch wenn das Wasser zunächst „nur“ oberflächlich austritt, kann es im Untergrund zu Ausspülungen kommen, was wiederum Schäden an Straßen und Pflasterflächen nach sich ziehen kann.
Die Feuerwehr wird bei solchen Einsätzen häufig gerufen, wenn Wasser in Keller oder tieferliegende Bereiche drückt, Verkehrsflächen überschwemmt oder eine Gefahr durch Unterspülung droht. In vielen Fällen arbeiten Feuerwehr, Bauhof und Wasserwerk dabei eng zusammen: Während Einsatzkräfte akut sichern und abpumpen, kümmern sich Versorger um das Absperren der Leitung und die Reparatur.
Vorbeugung: Was Bürgerinnen und Bürger tun können
Ganz verhindern lassen sich Wasserrohrbrüche – besonders in älteren Leitungsnetzen – nicht. Dennoch gibt es einige Maßnahmen, mit denen Eigentümerinnen und Eigentümer Schäden begrenzen oder frühzeitig erkennen können. Fachleute raten zunächst dazu, die Hausinstallation regelmäßig prüfen zu lassen. Gerade in älteren Gebäuden können Korrosion, poröse Dichtungen oder beschädigte Verbindungsstücke das Risiko erhöhen, dass bei Frost und Tauwetter Schwachstellen nachgeben.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Schutz von Leitungen vor Frost. Wasserleitungen, die in ungeheizten Räumen wie Kellerabgängen, Garagen oder Gartenhäusern verlaufen, sollten gut isoliert sein. Außenwasserhähne sollten vor dem Winter abgestellt und entleert werden. Auch selten genutzte Leitungen – etwa in Ferienwohnungen, Nebengebäuden oder unbewohnten Etagen – gelten als besonders gefährdet.
Wer einem größeren Schaden vorbeugen will, sollte außerdem wissen, wo sich der Hauptwasserhahn befindet und ob er im Notfall schnell geschlossen werden kann. Im Ernstfall zählt oft jede Minute, um Wasserschäden in Keller- oder Wohnbereichen zu begrenzen. Als einfache Kontrollmaßnahme gilt: Den Wasserzähler prüfen. Dreht er sich, obwohl im Haus kein Wasser entnommen wird, kann das auf ein unbemerktes Leck hindeuten.
Versorger setzen zusätzlich auf regelmäßige Wartung und schrittweise Erneuerung alter Leitungen. Dennoch gilt: Je früher Auffälligkeiten gemeldet werden – etwa plötzlich auftretende feuchte Stellen, Wasseraustritte auf Straßen oder ungewöhnliche Bodenabsenkungen –, desto schneller kann reagiert und ein größerer Rohrbruch unter Umständen verhindert werden.












