Ab Montag: nächtliche Ausgangssperre für Ungeimpfte im Schwarzwald-Baar-Kreis

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Drastische Maßnahme zur Eindämmung des Corona-Virus: Im Schwarzwald-Baar-Kreis gilt ab Montag, 22. November, 0 Uhr eine nächtliche Ausgangssperre für Ungeimpfte. Darüber informierte das dortige Landratsamt – und rief zugleich dazu auf, sich impfen zu lassen. Die Weisung dazu kam per E-Mail aus Stuttgart. Zwei weitere Landkreise im Land haben diese ebenfalls erhalten.

Das Sozialministerium Baden-Württemberg hat das Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises am Freitagnachmittag per E-Mail angewiesen, weitere regionale Schutzmaßnahmen per Allgemeinverfügung bis spätestens Montag zu regeln. Das Sozialministerium bezieht sich dabei auf die Hotspotstrategie, die in der aktuell geltenden Corona-Verordnung vorgesehen ist, wenn regional ein außergewöhnlich starkes Infektionsgeschehen zu verzeichnen ist. Der Tagesbericht des Landesgesundheitsamtes weist mit Stand vom Donnerstag für den Schwarzwald-Baar-Kreis einen außergewöhnlich starken Anstieg des Infektionsgeschehens innerhalb der letzten sieben Tage aus. „So liegt die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnern nach dem angegebenen Berichtsstand bei einem Wert von 659,6 und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt“, heißt es aus dem Sozialministerium. Dieser lag bei 414.

Der benachbarte Kreis Rottweil war auch deutlich darüber, lag bei 572,9. Noch aber ist keine entsprechende Weisung aus Stuttgart ergangen. Am Freitag lagen beide Landkreise gleichauf bei einer Inzidenz von rund 590. Über dem Wert, den das Sozialministerium als Auslöser für die Ausgangssperre sieht, lagen am Donnerstag bereits der Ostalbkreis und Biberach. Auch sie müssen eine Ausgangssperre einführen.

Für Ungeimpfte bedeutet das einen erneuten Lockdown: Cafés und Restaurants dürfen sie ab Montag, 0 Uhr, auch im Freien nicht mehr nutzen, Hotels nur im Rahmen einer Geschäftsreise besuchen. Zudem müssen sie sich von Einzelhandels- und Ladengeschäften sowie Märkten fernhalten, soweit diese nicht der Grundversorgung dienen. Ausgenommen von dieser Maßnahme sind etwa Geschäfte und Märkte, die der Grundversorgung dienen wie Lebensmittelmärkte, Apotheken, Tank- und Poststellen, Paketdienste und Banken. Auch Bau- und Raiffeisenmärkte, Blumengeschäfte, Gärtnereien, Baumschulen, Gartenmärkte, Futtermittel- und Tierbedarfshandel dürfen Ungeimpfte weiterhin aufsuchen.

Zudem, und das ist der vielleicht härteste Einschnitt: Auf dem Gebiet des Schwarzwald-Baar-Kreises ist nicht-immunisierten Personen das Verlassen der Wohnung oder der sonstigen Unterkunft zwischen 21 und 5 Uhr des Folgetages nur aus triftigen Gründen erlaubt. Zu diesen Gründen, man kennt sie aus dem Lockdown, die Versorgung von Tieren und die Abwendung einer konkreten Gefahr für Leib, Leben und Eigentum. Aber etwa auch der Besuch von Ehegatten, Lebenspartnern sowie Partnern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft in deren Wohnung oder sonstigen Unterkunft,

Landrat Sven Hinterseh appelliert eindringlich an die Bürgerinnen und Bürger des Schwarzwald-Baar-Kreises: „Ich bitte all diejenigen, die sich bisher noch nicht dazu durchringen konnten, sich impfen zu lassen, dies schnellstmöglich nachzuholen. Neben den Angeboten der mobilen Impfteams, die seit mehreren Wochen im Schwarzwald-Baar-Kreis in der Fläche öffentliche Impftermine anbieten sowie dem Impfangebot unserer Hausärzte, werden wir ab nächster Woche ein stationäres Impfangebot mit einem Impfstützpunkt im Schwarzwald-Baar-Center in VS-Villingen anbieten. Weiter gilt: Halten Sie Abstand und reduzieren Sie Kontakte auf das Notwendigste.“

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2 Kommentare

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Siegfried Spengler
2 Jahre her

Stellt sich die Frage, was diese neuen Maßnahmen bringen, wenn schon die bisherigen kaum bis gar nicht kontrolliert werden. Halt dass übliche Thema in D: Viele Vorschriften, wenig Kontrollen, wenig konsequente Anwendung.

Gestern Abend kam in der SWR Landesschau ein Bericht über die Zustände in Stuttgart, Schwerpunkt Gastronomie: Die Gäste werden nicht kontrolliert, auf Nachfrage sagte die Mitarbeiterin einer Bar, dass 3G gelte usw.

Richtige und konsequente Kontrolle wäre, sich das Impfzertifikat oder Impfbuch mit Personalausweis zeigen zu lassen und die Daten abzugleichen. Macht Arbeit, macht also niemand.

Habe das in der Schweiz am Mittwoch ganz anders erlebt. Als Experiment zuerst das Impfbuch vorgelegt: Dürfen wir nicht mehr. Nur digital. Also das digitale Zertifikat (Swiss Covid App) vorgezeigt, wurde dann mit meinem Ausweis abgeglichen.

Für Impfskeptiker und -gegner noch ein Bericht aus Böblingen. Das dortige Krankenhaus ist natürlich wesentlich größer als hier, so können mehr Auskünfte erteilt werden, ohne befürchten zu müssen, die Vertraulichkeit zu verletzen:

Klinikverbund-Geschäftsführer Martin Loyd zur Lage:

„Alle 14 Corona-Intensivbetten sind voll
„Seit Freitag sind alle 14 Corona-Intensivbetten belegt“, sagt der Klinikverbund-Geschäftsführer Martin Loydl. Elf Patienten müssten beatmet werden. Wenig überraschend: Von den derzeit 14 Intensivpatienten seien zehn nicht gegen das Virus geimpft, sagt Loydl.

Für alle, die an der Beatmungsmaschine hängen, hat der Klinik-Chef allerdings nur eine sehr durchwachsene Prognose: „Die Sterblichkeit bei den Beatmungspatienten liegt circa bei 50 Prozent.“ Und wer es überlebt, habe mit großer Wahrscheinlichkeit danach mit den Langzeitfolgen der Krankheit zu kämpfen.

Klinik-Chef ruft zur Impfung auf
Über die mangelnde Impfbereitschaft bei manchen in der Bevölkerung kann der Klinik-Chef nur den Kopf schütteln. „Die Ungeimpften sterben wegen Corona, die Geimpften nur mit Corona“, bringt er die Dramatik auf eine einfache Formel. Sprich: Die Todesursache bei Corona-Geimpften sei häufig eine andere, da die Patienten hohen Alters seien oder andere Vorerkrankungen haben.

Er richtete daher noch einmal einen klaren Appell an alle Skeptiker: „Mit einer Impfung schützen sie nicht nur sich selbst, sondern die ganze Gesellschaft und vor allem die Krankenhäuser. Auf die hat auch jeder Anspruch, der nicht an Corona erkrankt ist.“

https://www.leonberger-kreiszeitung.de/inhalt.kreis-boeblingen-lage-in-den-kliniken-ist-dramatisch.0cbb35b3-01cd-4f1b-b195-cfa7688b9e35.html

Geimpft und solidarisch
2 Jahre her
Antwort auf  Siegfried Spengler

Ja, ich kann mich nur Ihrer Meinung anschließen. Was helfen 1000 Verordnungen, wenn kein A…. auf die Einhaltung derselben achtet? Das fängt mit der Maske unter dem Riechkolben an, geht mit den Wirten weiter, die sich oft einen Dreck um die Kontrolle der Tests und Impfzertifikate scheren und endet mit Leuten, die sich ihre Zertifikate fälschen. Den überbordenden Bürokratismus und die fehlende Kontrolle mache ich den staatlichen Stellen zum Vorwurf, aber dass überhaupt die ganzen Maßnahmen notwendig sind, kreide ich der Minderheit der Impfgegner an, die anscheinend unbelehrbar ist. Ich wage den Blick in die Kristallkugel und behaupte mal, dass die Nichtgeimpften mit ihrem Verhalten dafür sorgen werden, dass wir mehr oder minder bald nicht um eine Impfpflicht drumherum kommen. Wenn wir dann österreichische Verhältnisse haben, wird man Diktatur schreien.
Was mich auch wundert, ist, dass Wirte, Einzelhändler, Veranstalter usw. immer nur auf die Regierung schimpfen und nicht auf die Menschen, die uns den ganzen Mist durch ihre Starrsinnigkeit eingebrockt haben.

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