„Das Schwarze Tor wird zu einer Licht- und Klangskulptur“

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Diesen Freitag und Samstag wird das Schwarze Tor zeitweise zum dynamischen Kunstobjekt: Zum 50. Jubiläum des Forum Kunst setzt der Karlsruher Medienkünstler Jonas Denzel mit Hilfe eines „Projektion Mapping“ das Rottweiler Wahrzeichen spektakulär in Szene. Was genau er vorhat, verrät Denzel im Gespräch mit der NRWZ.

NRWZ: Jonas Denzel, Sie machen das Schwarze Tor zur Leinwand. Auf Entwürfen sieht man auf das Gemäuer projizierte Hände, die nach dem Tor zu greifen scheinen – was haben Sie denn mit dem Rottweiler Wahrzeichen vor?


Jonas Denzel: Der Vergleich mit einer Leinwand trifft es nur halb. Das Schwarze Tor wird über zehn Minuten lang zu einer dynamischen Licht- und Klangskulptur, bei der die visuelle und die akustische Ebene ineinandergreifen und zu einem großen Ganzen verschmelzen. Dabei gibt es auch interaktive Elemente, bei denen die Zuschauer*innen auf die Projektion einwirken.


NRWZ: Wie kann man sich das vorstellen?

Jonas Denzel: Auf der visuellen Ebene ist es so, dass ich architektonische Elemente des Schwarzen Tors herausgreife, bearbeite und nach und nach rhythmisch wieder zusammensetze. Durch Gesten auf der Fassade werden Zuschauer*innen eingeladen, rhythmisch klatschend auf die Projektion zu antworten.


NRWZ: Das Gebäude ist bald 800 Jahre alt – spielt diese historische Tiefendimension bei Ihrer Aktion eine Rolle, zum Beispiel indem die Funktion als Befestigung oder Gefängnis aufgegriffen wird?


Jonas Denzel: So konkret passiert das nicht. Aber dass es ein sehr altes Gebäude mit einer vielschichtigen Architektur ist, die vom Heutigen stark abweicht, macht es besonders reizvoll und spannend, damit künstlerisch umzugehen. Hinzu kommt die akustische Dimension, bei der wir das Schwarze Tor als Klangkörper inszeniert haben…

NRWZ: Damit werden Sie die Rottweiler überraschen, denn als Klangkörper haben wohl die wenigsten das Schwarze Tor bisher wahrgenommen – wie geht das zu?


Jonas Denzel: (lacht) Ich war mit dem Sounddesigner Sören Schaudel am Schwarzen Tor und wir haben Aufnahmen davon gemacht, wie es klingt, wenn man auf die Steine klopft oder die Fenster bewegt. Dieses Klangmaterial ist die Basis der musikalischen Komposition. Damit geht die Installation nicht nur auf die visuelle architektonische, sondern auch auf die akustische Ebene des Schwarzen Tors ein.

Mittelalter trifft auf 21. Jahrhundert: Denzel macht die staufischen Buckelquader zu einem Vielfarb-Puzzle (Entwurf). Foto: pm


NRWZ: Wie funktioniert so ein Projection Mapping eigentlich technisch – muss man sich da einen riesen Beamer vorstellen, wie man ihn in klein auch aus Klassenzimmern und Konferenzräumen kennt?


Jonas Denzel: Im Grunde schon, nur dass mehrere leistungsstarke Projektoren gleichzeitig eingebunden sind, die durch einen Medienserver gesteuert werden. Am Computer arbeite ich mit einem Scan der Fassade und kann so detailliert auf die einzelnen architektonischen Elemente der Fassade eingehen. Vor Ort wird dann das Video silhouettengenau auf die Architektur des Schwarzen Tors angepasst, „gemapppt“.


NRWZ: Das Licht erlischt irgendwann, die Aktion endet. Welche dauerhaften Spuren wollen Sie denn hinterlassen, welche Botschaft haben Sie?

Jonas Denzel: Ich möchte eine neue sinnliche, künstlerische Erfahrung dieses Wahrzeichens ermöglichen – etwas, das überrascht, erstaunt und im Gedächtnis bleibt. Vielleicht werden die Leute diesen Teil Rottweils dann dauerhaft mit etwas anderen Augen anschauen und noch mehr wertschätzen als bisher schon.

Die Fragen stellte unser Redakteur Andreas Linsenmann.

Info: Jonas Denzels Lichtprojektion wird am Freitag um 20.30 Uhr sowie am Samstag um 20.30 und um 22.00 Uhr gezeigt. Daneben gibt es beim Jubiläumsfest des Forum Kunst weitere Programmpunkte – unter anderem Live-Musik.

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