Der Morgen nach dem Unwetter: Die Aufräumarbeiten dauern an

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Region Rottweil. Das Polizeipräsidium Konstanz hat am Mittwochmorgen, dem Morgen nach dem Unwetter, einen ersten Lagebericht herausgegeben. Hunderte Notrufe gingen ein, in der Spitze habe es bis zu 180 zeitgleiche Einsätze im Gebiet des Präsidiums gegeben. Dieses ist zuständig für die Landkreise Rottweil, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar und Konstanz.

Update, Mittwoch, 17.45 Uhr: Das Forstamt hat eine Warnung herausgegeben:

In der Nacht auf Mittwoch 12.07.2023 sind teils schwere Gewitter über Baden-Württemberg hinweggezogen. In den Wäldern rund um Sulz am Neckar wurden viele Bäume entwurzelt und abgerissen, v.a. die Waldbereiche um Dürrenmettstetten und Glatt sind besonders betroffen. Teilweise wurden Bäume nur angeschoben und stehen nun sehr unsicher schräg im Wald. Diese können unvermittelt und ohne erkennbare Vorwarnung zu Boden fallen. Außerdem hängen in vielen Bäumen noch lose, vom Sturm abgerissene Äste. Auch diese können bei weiteren Windbewegungen unkontrolliert zu Boden fallen.

Das Forstamt warnt ausdrücklich vor diesen Waldgefahren nach Gewitterstürmen

Das Forstamt bittet die Waldbesucher daher, den Wald rund um Sulz am Neckar vorerst zu meiden. Sperrungen von Waldstraßen müssen unbedingt beachtet werden

Die Forstpartie hat bereits mit den Aufräumarbeiten begonnen. Da die betroffenen Waldflächen sehr groß sind und die Aufräumarbeiten mit großer Vorsicht durchgeführt werden müssen, werden die Arbeiten voraussichtlich zwei Wochen andauern. Wir bitten die Waldbesucher hierfür um Verständnis.

Update Mittwoch, 12.40 Uhr: Lob und Dank sus dem Landratsamt. So fasst die Behörde die Nacht zusammen:

Gewitter, Starkregen und heftige Windböen sorgten auch im Landkreis Rottweil für eine unruhige Nacht – mehr als 100 Mal mussten die freiwilligen Feuerwehren im Kreis ausrücken. Die gute Nachricht: Es gab keine Verletzten, ich wollte und auch der Rettungsdienst musste nicht unwetterbedingt ausrücken.

Das Unwetter hatte den Landkreis Rottweil ab 21.30 Uhr erreicht. Schon eine Viertelstunde später trafen die ersten Anrufe in der Leitstelle ein, die Feuerwehren der Gemeinde Fluorn-Winzeln und der Stadt Sulz rückten als erste Einsatzkräfte aus. Die Integrierte Leitstelle, normalerweise nachts mit zwei hauptamtlichen Mitarbeitenden besetzt, wurde umgehend auf elf Personen aufgestockt, um die eintreffenden Notrufe entgegenzunehmen und die Einsätze zu koordinieren. Sowohl Ehrenamtliche als auch weitere dienstfreie hauptamtliche Kräfte verstärkten das Team – so konnten alle zur Verfügung stehenden Plätze besetzt werden. Die Koordination der Einsätze übernahm Andreas Noth, Leiter der Integrierten Leitstelle für den Bereich Brand- und Katastrophenschutz.

„Ich möchte allen Einsatzkräften, die in dieser stürmischen Nacht unterwegs waren und Hilfe geleistet haben, meine Anerkennung aussprechen“ so Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel. Er sei erleichtert, so der Landrat, dass niemand verletzt worden sei und sich die Auswirkungen des Sturms auf Sachschäden begrenzten. „Mein besonderer Dank gilt neben den Feuerwehrleuten auch allen, die an diesem Abend in der Leitstelle unterstützt haben“ ergänzt Dr. Michel.

In der Zeit von 21.50 Uhr bis etwa. 1.30 Uhr waren insgesamt elf Feuerwehren im Einsatz. Besonders betroffen waren die Regionen Sulz a.N. sowie Rottweil mit seinen umliegenden Gemeinden. Ab 23.30 Uhr schwächte sich die Lage wieder ab. Während dieser Zeit disponierte die Integrierte Leitstelle Rottweil etwa 100 unwetterbedingte Einsätze; hinzu kamen knapp 30 Einsatzstellen,die direkt ohne Alarmierung von die Feuerwehren abgearbeitet wurden.

 

 

Update Mittwoch, 11.35 Uhr: Einer der schönsten Bäume Göllsdorfs wurde ein Opfer des Sturms. Mit großem Bedauern hat der Ortsvorsteher des Rottweiler Teilorts Göllsdorf, Wolfgang Dreher, das zur Kenntnis genommen, nun begleitet er mit einigen Bürgerinnen und Bürgern vor Ort die Aufräumarbeiten. „Beim  gestrigen Gewittersturm wurde eine Linde auf dem Dorfplatz beim Rathaus umgelegt“, berichtet er der NRWZ. Der Baum begrub einen Kleinwagen unter sich. „Sämtliche Stromständer der umliegenden Gebäude wurden durch umfallende Linde umgerissen und müssen
derzeit wieder neu gesetzt werden“, so Dreher weiter, der sich an schöne Feste im Schatten des großen Baumes erinnert. Samt Wurzelwerk riss eine Sturmböe ihn um. Jetzt wird er zerkleinert und so für den Abtransport bereit gemacht.

 

Update Mittwoch, 9.10 Uhr: „Man kann von Glück sagen, dass niemand verletzt worden ist.“ Das sagte der stellvertretende Rottweiler Stadtbrandmeister Joachim Wollstädt am Morgen nach dem Unwetter. Er ist Einsatzleiter vom Dienst auch an diesem Mittwoch. Seine Einsatzkräfte fahren weiterhin die Stellen ab, an denen die Feuerwehr noch eingreifen muss. Etwa an der Ruhe-Christi-Kirche, wo ein Weg gesperrt werden muss, weil ein Baum umzustürzen droht. Die provisorische Absperrung haben zu viele Menschen ignoriert, die die Lage offensichtlich falsch einschätzen.

Auch in Rottweiler Teilorten sind weiterhin Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz.

 

Update Mittwoch, 8.35 Uhr: Die Feuerwehr Rottweil ist wieder im Einsatz. Der Stellvertreter des Stadtbrandmeisters, Joachim Wollstädt, hat gerade mal drei Stunden geschlafen, jetzt kommen weitere Alarmierungen. Etwa zu einem Haus mit Gewerbebetrieb. Dort lag ein umgestürzter Baum teils auf dem Dach, der nun gefällt worden ist. Er blockierte zudem eine Durchfahrt.

 

Der Bericht des Polizeipräsidiums: Beginnend am 11. Juli 2023, ab 21.30 Uhr, ist am Dienstagabend vom Schwarzwald her eine Gewitterfront nach Osten über den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz hinweggezogen. „In der Zeit von 21.30 Uhr bis Mitternacht gingen im Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Konstanz mehr als 370 Notrufe, meist unwetterbedingt, ein. In Spitzenzeiten waren bis zu 180 aktuelle Einsätze geöffnet“, heißt es am Tag danach im Polizeibericht.

Durch eine Vielzahl an umgestürzten Bäumen und heruntergefallenen Ästen sei es zu Verkehrsbeeinträchtigungen und Straßensperrungen gekommen. Die B 33 in Konstanz musste für mehrere Stunden bis in den frühen Morgen aufgrund von Aufräum- und Reinigungsarbeiten voll gesperrt werden. Die am Tunnel Waldsiedlung neu errichtete Lärmschutzwand musste wegen Unwetterschäden von der Straßenmeisterei gesichert werden.

An mindestens vier Autos entstanden laut Polizei durch umgestürzte Bäume oder heruntergefallene Äste teilweise erhebliche Beschädigungen.

Bei fünf witterungsbedingten Verkehrsunfällen erlitten zwei Personen Verletzungen.

Im Bereich Oberndorf und Sulz fielen Dachziegel von Häusern auf die Fahrbahn.

In Villingen-Schwenningen beschädigte ein sich lösendes Dach ein Auto. In Furtwangen im Schwarzwald bestand kurzzeitig die Sorge um eine etwa 70-köpfige Schülergruppe, welche am mitten im Wald befindlichen Wanderheim „Stöcklewaldturm“ ihr Zeltlager aufgeschlagen hatte und zunächst nicht mehr erreichbar war. Im Laufe des Abends konnte zu der Gruppe wieder Kontakt hergestellt werden. Alle waren wohlauf, lediglich ein Zelt fiel dem Sturm zum Opfer.

In Tuttlingen räumte der Veranstalter des „Honbergsommer“ auf dem Tuttlinger Hausberg nach Aufzug des Gewitters das Gelände. Betroffen hiervon waren etwa 300 Besucher. Hierzu ist nach Informationen der NRWZ auch die örtliche DRK-Bereitschaft hinzu alarmiert worden. Die Evakuierung sei geordnet vonstatten gegangen, hieß es seitens des Veranstalters.

In Moos/Iznang stürzte eine 81-Jährige durch den Dachboden, als sie vom Sturm gelöste Ziegel wieder befestigen wollte. Sie musste vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht werden.

Das folgenschwerste Ereignis war laut Polizei auf dem Campingplatz in Allensbach zu verzeichnen. Eine etwa 70 cm starke Eiche fiel während des Unwetters auf einen Wohnwagen, in dem sich eine dreiköpfige Familie befand. Alle drei Insassen erlitten Verletzungen und mussten zur weiteren Versorgung in ein Krankenhaus. Eine 30-Jährige, die sich zum Zeitpunkt des Unwetters auch auf dem Campingplatz befand, zog sich ebenfalls Verletzungen zu und musste zur Behandlung in eine Klinik.

Der Bahnverkehr zwischen Konstanz und Radolfzell musste aufgrund einer beschädigten Oberleitung eingestellt werden. Die Dauer des Zugausfalls ist nicht bekannt.

Bei der Integrierten Leitstelle des Landkreises Konstanz wurden 170 witterungsbedingte Einsätze registriert. Einsatzschwerpunkte waren in Konstanz, Allensbach, Singen und Stockach. Die Leitstelle des Schwarzwald-Baar-Kreises verzeichnete über den ganzen Kreis verteilt 90 Einsätze, die Leitstelle in Tuttlingen 60 Einsätze, ohne lokalen Schwerpunkt.

80 Einsätze registrierte die Integrierte Leitstelle in Rottweil. Einsatzschwerpunkte waren hier die Städte Sulz, Dornhan und Rottweil sowie die Gemeinde Deißlingen.

Nach Mitternacht war die Unwetterfront über den Zuständigkeitsbereich des Präsidiums Konstanz hinweg gezogen und die Lage beruhigte sich.

Die Aufräumarbeiten dauern derzeit noch an und dürften sich über den ganzen Tag erstrecken. „Angaben zu Schadenshöhen sind derzeit nicht möglich“, so der Polizeibericht vorläufig abschließend.

Über die Sturmnacht haben wir aus Rottweiler Sicht hier berichtet:

Kreis Rottweil: Erst starke Hitze, dann schwere Gewitter

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NRWZ-Redaktion
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