Mittwoch, 17. April 2024

Long Covid nach Impfung? Dramatischer Erfahrungsbericht einer 28-Jährigen

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Tamara Retzlaff leidet unter Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsproblemen. Unter anderem. Seit Monaten, jeden einzelnen Tag. Seit einer Coronaimpfung. Einen zeitlichen Zusammenhang sieht die junge Frau, ob es einen ursächlichen gibt, ist unklar. Offizielle Zahlen zeigen: Schwere Erkrankungen wie bei der 28-Jährigen treten selten auf. Doch sie kommen vor.

Die junge Frau war in Rottweil als Innenstadtmanagerin engagiert, ihr Arbeitgeber beschreibt sie als „top“, sie war privat auf der ganzen Welt unterwegs – und hat inzwischen ihren aktiven Alltag und ihre Arbeit verloren. Nach einer Coronaimpfung Ende August 2021. Zeitlich stehen ihre Long Covid-Symptome mit der Impfung in Zusammenhang, ob sie es auch kausal tun, ist freilich unklar. Die 28-Jährige jedenfalls hegt den Verdacht auf einen „Impfschaden“. Ihre Geschichte hat sie für die NRWZ aufgeschrieben.

Rückblick. Eine schlanke junge Frau, strahlend, wahlweise umgeben von Wasser, Blumen, Gras oder steilen Felsen. Diese Bilder zeigen die lebenslustige Tamara Retzlaff. Sie gab es bis einschließlich August 2021. Zuletzt auf ihrer Lieblingsinsel Kreta. Auf Instagram kann man den Spaß, den sie hatte, nacherleben. Dort teilt sie augenzwinkernd Weisheiten wie „Stay close to people who feel like sunlight.“ So scharte sie mehr als 34.000 Follower um sich.

Dann, nach jenem August, tritt dort eine Pause ein. Und vor vier Wochen folgt eine Videobotschaft: „Leider bin ich erkrankt und derzeit nicht in der Lage, diesem Kanal gerecht zu werden.“ Sie müsse sich um Herz und Lunge kümmern und habe die Betreuung des Instagramkanals in die Hände einer Agentur gelegt, schreibt die 28-jährige aus Balingen.

Zum Hintergrund sagt Tamara Retzlaff auf ihrer Instagram-Seite nichts. Nur: „Leider hat es mich ziemlich erwischt, ich bin jetzt sehr lange ernsthaft erkrankt, was mein Herz und meine Lunge betrifft.“ Keine Hinweise darauf, was ihrer Ansicht nach zu ihrer Erkrankung geführt hat. Retzlaff geht damit nicht hausieren. Auch nicht auf ihrer Facebook-Seite. Die ist komplett geleert.

Die Erkrankung der 28-Jährigen steht in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer Coronaimpfung. Es sind typische, schwere Long Covid-Symptome, eine vorangegangene Covid-19-Infektion konnte allerdings nach Retzlaffs Worten nicht nachgewiesen werden.

Die NRWZ bittet die junge Frau, ihre Leidensgeschichte zu schildern. Dies hat sie nun getan, mit einigen Tagen Versatz, die Arbeit daran fiel ihr schwer. Schon im Februar hatten wir sie kontaktiert, als wir erfuhren, dass sie längerfristig erkrankt sei.

Wir bringen Tamara Retzlaffs Darstellung unverändert, im O-Ton. Offizielle Zahlen zur Einordnung haben wir darunter angefügt.

„Diese Situationen machen Angst“: Der Erfahrungsbericht

Tamara Retzlaff bei ihrem bislang letzten Urlaub auf Kreta. Quelle: Instagram

August 2021:
Ich bin jung, fahre den Arbeitsweg Balingen Rottweil bei gutem Wetter mit dem Fahrrad. Bin umtriebig, arbeite im City-Management, selbstständig im Online-Marketing, saniere privat eine Wohnung und stecke im Kaufprozess einer Auslandsimmobilie. Habe seinerzeit an der University of West London auf Englisch studiert und spreche einige Wörter griechisch. In meiner Freizeit fahre ich Fahrrad, reise gerne, liebe es am Atlantik zu surfen und fahre jedes Jahr in Österreich Ski.

Ende August 2021:
Da ich viel reise und mit Menschen im Kontakt bin, lasse ich mich mit BioNTech impfen. Ich bin überzeugt vom Nutzen von Impfungen. Habe beispielsweise die FSME-Impfung, da ich mit meinem Hund viel draußen (bin) war, oder gängige Reiseschutzimpfungen, wegen Thailand Aufenthalten.

Direkt nach der Impfung:
Keine Beschwerden, fühle mich fit

2 Tage nach der Impfung, abends:
Plötzlich Schwindel, Kopfschmerzen, Fieber 38,5 Grad, Müdigkeit, Gliederschmerzen. Ich freue mich, dass die Impfung „wirkt“.

Seither:
Leide ununterbrochen an Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrations- & Gedächtnisproblemen und Wortfindungsstörungen, extremer Müdigkeit, Atemnot, Herzstechen, Muskel- und Gliederschmerzen, Zuckungen, Taubheitsgefühlen.

Alltagssituationen:
Gelinde gesagt, bin ich völlig aus dem Leben gerissen.

Mein Leben ist anstrengend geworden. Generell bin ich von jeder noch so kleinen alltäglichen Aufgabe wie erschlagen, und muss mich mehrere Stunden, manchmal Tage ausruhen. Duschen ist zu anstrengend. Ich bin auf Trockenshampoo umgestiegen und schaffe es jeden fünften Tag in die Badewanne, was aber ein gewaltiger Kraftakt ist. 

Alleine Einkaufen ist nicht möglich. Ich muss gefahren werden, da ich mich an den meisten Tagen nicht gut konzentrieren kann. Außerdem verlässt mich häufig im Supermarkt die Kraft. Ich habe Situationen, an denen ich es alleine nicht schaffe, die Einkäufe an der Kasse auf das Band zu legen. Es gab Momente, in denen ich mich im Baumarkt auf den Boden setzen musste, weil ich einen Schwächeanfall hatte. Ständig brauche ich jemanden an meiner Seite, der in diesen Momenten einspringt. 

Bei einem Tierarztbesuch trug ich meine vier Kilo leichte Katze ins Behandlungszimmer und hatte die bekannte Atemnot. Kurz darauf wurde ich ohnmächtig.

Mein Bewegungsradius ist eingeschränkt, weil ich von Bergen umgeben bin und die kleinste Steigung nicht schaffe. Inzwischen kenne ich die zwei Wege in der Nähe meiner Wohnung, die halbwegs flach verlaufen. Seit sechs Monaten bin ich nur noch maximal diese Wege gelaufen. Nach einem kurzen Spaziergang liege ich meistens mehrere Stunden flach. Mein Freund übernimmt die Spaziergänge mit unserem Hund zu beinahe 100 Prozent und oft überlege ich, ob wir dem Hund noch gerecht werden können, denn lange Wanderungen oder Ausflüge am Wochenende gibt es schon lange nicht mehr. Berge oder ernsthafte Spaziergänge (über 1.000 Meter) sind nicht mehr möglich. Nach einem Treppen-Test wurde mein Sauerstoffgehalt mit 78 Prozent gemessen. 

Am schlimmsten neben der Atemnot sind die plötzlichen Müdigkeitsanfälle. Ich laufe mit meinem Hund in den Wald, plötzlich überfällt mich die Müdigkeit so sehr, dass ich dort auf einer Bank eine Runde schlafen muss, um überhaupt den Weg nach Hause zu schaffen. Ausruhen funktioniert jedoch kaum. Selbst nach zehn Stunden Schlaf fühle ich mich gleich wie am Vorabend.

Ich kann es jedoch auch nicht lassen. Immer wieder versuche ich, etwas anzugreifen. Ich habe meine Situation noch nicht akzeptiert und der Kopf will so viel. Ich möchte nicht, dass andere mir beim Putzen helfen, oder für mich einkaufen. Ich möchte nicht, dass andere weiter eine Wohnung für mich sanieren. Und so versuche ich immer wieder, mich zu betätigen, gehe über meine körperlichen Grenzen und nehme auch mal einen Staubsauger in die Hand um nach fünf Minuten zu merken, dass das zu viel war. Jeder Moment, in dem ich denke, ich schaffe etwas, beispielsweise mehr als nur ein Fertiggericht kochen, rächt sich am nächsten Tag. Meist kann ich dann kaum aus dem Bett aufstehen. Teilweise bin ich so erschlagen, dass für mich gekocht werden muss, da ich mich nicht mehr bewegen kann.

Auch rächt sich jede Aktivität mit einem starken Herzstechen. Würden andere Personen bei Atemnot, Herzstechen und Schwindel von mehr als zehn Minuten vermutlich den Notarzt rufen, so ist dies bei mir Normalität geworden.

Früher war mein Tag viel zu kurz, nun ist er viel zu lang und ich weiß kaum wie ich ihn durchhalten soll. Wenn ich abends etwas machen möchte, etwa jemanden treffen, muss ich den ganzen Tag schlafen um abends fit genug zu sein. Es geht nur noch eine Sache am Tag.

Generell ist es auch für mein Umfeld schwer, zu realisieren, dass ich zwar jung aber dennoch nicht fit bin und mich nicht wie früher mit ihnen treffen kann.

Es ist frustrierend. Wenn ich Bilder von mir oder anderen sehe, beim Joggen, auf dem Surfbrett oder ähnliches, denke ich mir „das mache ich auch bald“, um dann zu realisieren, dass das Utopie ist. Ich buche mir ein Airbnb in der Nähe eines Klettersteigs, um es dann wieder zu stornieren, weil sich meine Situation leider immer noch nicht verbessert hat. Aktuell erzähle ich jedem, dass ich dieses Jahr „auf jeden Fall, komme, was wolle“ die Samaria Schlucht durchwandern werde. Doch die Wahrheit ist, im Moment schaffe ich es nicht einmal einen Kilometer weit.

Oft überlege ich, Dinge jetzt einfach anzufangen und im selben Moment erschlägt mich die Müdigkeit.

Noch immer bin ich ehrgeizig. Laufend denke ich, ich habe doch jetzt so viel Zeit zu Hause, ich muss doch etwas machen. Dann bestelle ich mir Griechisch-Bücher weil ich die gesamte Sprache verlernt habe, möchte wieder damit anfangen, sitze vor meinen Büchern und habe vergessen, was ich gerade machen wollte. Und wenn ich es wieder weiß, starre ich die Zeilen an, ohne mich darauf konzentrieren zu können.

Mein Gehirn setzt phasenweise aus. Früher war ich im Management, heute passieren mir täglich Fehler wie die folgenden: Ich habe 2800 statt 28 Euro an jemanden überwiesen. Ich lege die Hundeleine in die Kommode und ordne sie penibel zwischen meinen Socken ein, statt sie an ihren Platz zu legen. Ich warte drei Minuten vor der Mikrowelle, um dann festzustellen, dass ich gar keinen Teller hineingestellt, geschweige denn etwas zu Essen vorbereitet habe. Diese Situationen machen Angst!

Für das Schreiben einer E-Mail benötige ich manchmal mehr als eine Woche, Bücher lesen ist nicht mehr möglich. Videos oder Podcasts höre ich alle in der Wiedergabegeschwindigkeit 0,5, um das Gesagte auch verarbeiten zu können. Diesen Text habe ich diktiert.

Konsequenzen:
Habe die Kündigung erhalten.
Habe mein Gewerbe abmelden und bei einer GbR meine Beteiligung aufgeben müssen.
Mein Instagram Kanal wird (hoffentlich vorübergehend) von einer Marketingagentur betreut, weil ich selbst nicht mehr imstande bin.
Griechisch und auch Englisch sind wie ausgelöscht, ich kann selbst einfache Matheaufgaben nur schwer lösen.
Mein neues Auto steht seit sechs Monaten ungenutzt herum, da ich nicht fahrtüchtig bin. Ich hatte vor, es abzumelden, aber dazu fehlte bisher die Kraft.

Allgemeine Situation:
Nach sechs Monaten fällt es mir immer noch am schwersten, mich der Situation anzupassen. Ich war immer eine sehr agile Person, sehr umtriebig und kann eigentlich nie still sitzen. Mein Leben steht seit sechs Monaten still und wann immer ich etwas versuche anzufangen, werde ich wieder auf Reset gesetzt und erlebe einen Crash.

Dennoch: Ich habe Geduld und bin mental positiv. Ich weiß, dass wenn sich meine innere Einstellung zu den Dingen ändert, es erst recht bergab geht. Also glaube ich fest daran, dass es mir irgendwann besser geht.

Am meisten stört mich, dass ich keinen Ansprechpartner habe. Ich habe mich an alle möglichen politischen Stellen gewandt – ohne eine Antwort. Inzwischen bin ich in einer Selbsthilfegruppe für Personen mit Impfnebenwirkungen, die einzige Anlaufstelle bisher.

Hätte ich vor der Impfung gewusst, dass es in seltenen Fällen diese Nebenwirkungen gibt, hätte ich mich vermutlich trotzdem impfen lassen. Hätte ich jedoch gewusst, dass man so allein gelassen wird, hilflos ist und lediglich in die Gesichter ratloser Ärzte blickt, hätte ich mich niemals gegen irgendetwas impfen lassen.

Mein Hausarzt unterstützt mich so gut er kann und ich bin ihm sehr dankbar, das möchte ich ausdrücklich erwähnen. Auch für ihn ist es schwer, mir nicht helfen zu können. Jedoch kann er mich zwar an die jeweiligen Fachärzte wie Kardiologen, Pneumologen, Neurologen überweisen, eine Anlaufstelle für meine gesamte Symptomatik gibt es jedoch nicht. Bereits mehrfach habe ich gehört: Sie haben zwar klassische Long Covid-Symptome, aber ohne positives PCR–Ergebnis können Sie nicht in der Long Covid-Ambulanz / auf Reha / … angenommen werden.

Und so fatal das klingt – oft schon habe ich mir gewünscht, ich hätte mich nicht für die Impfung, sondern für die Coronainfektion entschieden. So hätten die Chancen, Hilfe zu erhalten, für mich immerhin minimal besser gestanden. Wobei ich klarstellen möchte, dass ich damit nicht ausdrücken will, dass eine Covid-Infektion weniger schlimm ist. Es geht mir um die Folgebehandlung bei Long Covid-Symptomatik. Selbstverständlich bin ich dankbar, dass ich keinen schweren Verlauf hatte, die Angst schwingt jedoch laufend mit, dass ich mich zusätzlich zu meiner aktuellen Situation nun auch noch mit Covid infiziere.

Auch noch wichtig ist mir zu erwähnen, dass meine Symptome im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen. Meine Verdachtsdiagnose lautet jedenfalls „Impfschaden“, eine vorangegangene Covid-Infektion konnte nicht nachgewiesen werden. Ob meine Symptome kausal mit der Impfung im Zusammenhang stehen, muss noch geprüft werden.

Long Covid nach Impfung?

"Die Corona-Impfungen haben dazu beigetragen, die ganz schweren Verläufe deutlich zu reduzieren", erklärt Christian Mardin, Leitender Oberarzt an der Universitätsaugenklinik Erlangen in einem Interview mit der Hessenschau. "Aber ganz selten kann sich die Impfung auch gegen den eigenen Körper richten, wie bei anderen Impfungen auch." Bei wenigen Einzelfällen könne dadurch offenbar Long Covid ausgelöst werden, zitiert das Magazin den Arzt.
Post-Vakzin-Syndrom - Anhaltende Nebenwirkungen der Corona Impfungen: Unter diesem Titel sammelt ein Forum online Hinweise auf anhaltende Nebenwirkungen der Covid-Impfungen. Dort heißt es: "Schwindel, Benommenheit, Missempfindungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit sowie weitere Nebenwirkungen werden in offiziellen Auskünften als kurzfristige und harmlose Nebenwirkungen der COVID-19 Impfstoffe (Biontech, AstraZeneca, Moderna, Johnson&Johnson) genannt. Viele Menschen leiden jedoch auch noch nach vielen Wochen oder gar Monaten an diesen Symptomen.  Diese Website bietet den Betroffenen eine Plattform zum Austausch und eine Möglichkeit, sich zu vernetzen."

Impfkomplikationen und Nebenwirkungen – die Zahlen

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) berichtet über die aus Deutschland gemeldeten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen  Zusammenhang mit der Impfung etwa mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty von BioNTech zum Schutz vor COVID-19 von Beginn der Impfkampagne am
27.12.2020 bis zum 31.12.2021. 

Bis zum 30.12.2021 wurden laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 148.760.720 Impfungen durchgeführt, davon 110.533.639 Impfungen mit Comirnaty (BioNTech). 

Insgesamt wurden 244.576 Verdachtsfälle einer Nebenwirkung nach Comirnaty, Spikevax, Vaxzevria und COVID-19 Vaccine Janssen gemeldet. Die Melderate betrug für alle Impfstoffe zusammen 1,64 Meldungen pro 1.000 Impfdosen, für schwerwiegende Reaktionen 0,20 Meldungen pro 1.000 Impfdosen. Impfungen mit wirksamen und verträglichen COVID-19-Impfstoffen seien daher eine effektive Maßnahme, die Coronapandemie einzudämmen und sich selbst vor COVID-19 zu schützen, so das PEI. 

Als schwerwiegendes, sehr seltenes Risiko von Comirnaty und Spikevax nennt das PEI Myokarditis und Perikarditis mit weniger als 1 Fall pro 10.000 Personen. Die Mehrheit der Patienten mit einer Myo-/Perikarditis nach Impfung mit mRNA-Impfstoffen spreche gut auf Behandlung und Ruhe an und erhole sich rasch, auch wenn im Einzelfall schwerwiegendere und auch tödliche Verläufe beobachtet wurden. 

Anaphylaktische Reaktionen seien sehr selten beobachtete Nebenwirkungen aller vier zugelassenen COVID19-Impfstoffe. Dabei ist die Melderate laut PEI einer Anaphylaxie bei Frauen insbesondere nach der ersten Impfung mit etwa 1 Fall pro 100.000 Impfungen insgesamt höher als bei Männern. Betroffene Patienten seien nach allergologischer Testung zumeist risikoarm erneut geimpft worden. 
Melderate von Verdachtsfällen von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen pro 1.000 Impfungen nach Impfung mit den jeweiligen COVID-19-Impfstoffen. Quelle: PEI
Ausgang der gemeldeten Reaktionen in Prozent für die vier bisher in Deutschland eingesetzten COVID-19-Impfstoffe, Darstellung auf Fallebene. Quelle: PEI

„Impfschäden“ aus Sicht des Robert Koch-Instituts

Zum Stichwort "Impfschäden" schreibt das Robert Koch-Institut (RKI): "Unter einem Impfschaden versteht man 'die gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch die Schutzimpfung; ein Impfschaden liegt auch vor, wenn mit vermehrungsfähigen Erregern geimpft wurde und eine andere als die geimpfte Person geschädigt wurde' (§ 2 IfSG). Für Impfschäden gelten die Regelungen des sozialen Entschädigungsrechts (Bundesversorgungsgesetz). Wer durch eine öffentlich empfohlene Schutzimpfung einen Impfschaden erlitten hat, erhält auf Antrag Versorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz. Dies ist in § 60 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) ausdrücklich geregelt. Die Beurteilung, ob eine im zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung eingetretene gesundheitliche Schädigung durch die Impfung verursacht wurde, ist Aufgabe des Versorgungsamtes im jeweiligen Bundesland. Gegen eine ablehnende Entscheidung des Versorgungsamtes ist der Rechtsweg zu den Sozialgerichten möglich."

Das Gesundheitsamt könne Hilfestellung bei der Einleitung der notwendigen Untersuchungen, die zur Klärung des Falles führen, leisten und Hilfe bei der Einleitung des Entschädigungsverfahrens anbieten, so das RKI. Das Robert Koch-Institut sei eine Bundesbehörde und habe hier keine Zuständigkeit oder Befugnis.

Die Sicht der Kreisärzteschaft Rottweil

In einem offenen Brief hat Dr. Jochen Scherler als Vorsitzender und im Namen der Ärzteschaft des Landkreises Rottweil auf Sorgen und Ängste reagiert, die die Menschen weiterhin im Zusammenhang mit der Coronaimpfung umtreiben. Ferner beschäftigt er sich mit Falschmeldungen, die seit Monaten durchs Netz geistern. Er schreibt:

Wir Hausärzte, Fachärzte und Ärzte aus den Krankenhäusern des Kreises unterstützen seit nun über einem Jahr die Impfungen gegen das Coronavirus. Warum? Seit vielen Jahrzehnten gehören Impfungen zu den bewährten vorbeugenden Maßnahmen – siehe Pocken, Polio, Hepatitis etc. Unser Immunsystem kann durch kleinste Dosen gegen das Coronavirus gefeit werden. Dagegen steht: Bei einem Infekt dringen millionenfach Viren in die Körperzellen ein und vermehren dort massenhaft ihr Erbgut. Wir haben gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkung und Sicherheit der neuen Impfstoffe.

Wie gefährlich ist die Impfung? Nach allein in Deutschland 150 Millionen verabreichten Impfdosen kennen wir die Wirkung und auch die Nebenwirkungen. Sinusvenenthrombose und Myokarditis wurden als seltene Nebenwirkungen schnell erkannt, es wurde gegengesteuert und beweist die medizinische Wachsamkeit.

Es wurde kein Mikrochip injiziert, niemand wurde unfruchtbar, die Geimpften erkrankten nicht massenhaft oder verstarben, das Erbgut wurde nicht verändert.

Wie gefährlich ist der Coronainfekt? Mehr als 120.000 Todesopfer und Hunderttausende an Long Covid Erkrankte sind Nebenwirkung der Covidinfektion genug.

Wie wirksam ist die Impfung? Leider bietet sie keinen vollständigen Schutz. Nach einer Grundimmunisierung mit zwei Impfungen und einer Boosterimpfung besteht aber sehr wohl ein ausreichender Schutz, nicht schwer zu erkranken, und auch um gegen weitere Mutanten gewappnet zu sein.

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Peter Arnegger (gg)https://www.nrwz.de
... ist seit gut 25 Jahren Journalist. Mehr über ihn hier.

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