Masken-müde Kaufland-Kunden?

Für NRWZ.de+ Abonnenten: 

Die Regeln sind klar: Eine Alltagsmaske oder eine vergleichbare Mund-Nasen-Bedeckung muss laut aktueller Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg unter anderem in Einkaufszentren und Läden getragen werden. Im Kaufland Rottweil werden die Kunden aber möglicherweise des Maskentragens müde. Eine Leserin berichtet das. Eine Unternehmenssprecherin und die Rottweiler Ordnungsverwaltung nehmen die Vorwürfe ernst.

Es ist Montagabend, halb zehn, und eine NRWZ-Leserin ist ziemlich außer sich. „Ich versuche mich jetzt seit zweieinhalb Stunden zu beruhigen und doch kehren meine Gedanken immer wieder zum Umgang mit dem Mund-Nasen-Schutz zurück.“ So beginnt eine E-Mail an redaktion@NRWZ.de. Der Grund dafür, dass die Frau so aufgewühlt ist: Sie war zum Großeinkauf bei Kaufland in Rottweil. „Seit längerer Zeit mal wieder“, wie sie schreibt.

Anschließend, wieder zu Hause: „Ich bin immer noch total schockiert! Ungelogen mehr als die Hälfte der Kunden hatte die Maske unter der Nase, teilweise unterm Kinn und in seltenen Fällen auch gar nicht an. Ganze Familien mit drei pubertierenden Kids rannten da zinkenfrei rum.“

„Scheißegal-Mentalität“

Die Leserin berichtet weiter:

Es war viel los und durch den fehlenden Schutz bin ich an diesen Menschen nicht eng vorbei, sondern habe mit Abstand gewartet. Weil ich dadurch den Gang blockiert habe, wurde ich natürlich prompt dumm angemacht, warum ich denn nicht zulaufe. Ich habe dann etwas lauter erklärt, dass ich nicht schutzlos an diesen Personen vorbeigehen werde, weil das für mich nicht sicher ist. Natürlich stieß ich mit meinem Abstandsverhalten auf Unverständnis. Da ich sehr viel mit verschiedenen Menschen zu tun habe, kann ich meine Kunden und mich hier nicht unnötig in Gefahr bringen. Im Falle einer Infektion werden die Käufer im Kaufland leider nicht informiert. Solch ein rücksichtsloses Verhalten und diese Scheißegal-Mentalität habe ich wirklich nur dort erlebt.

Wie gesagt, die Regeln sind eigentlich klar. Die aktuelle Corona-Verordnung für Baden-Württemberg schreibt unter anderem für Einkaufszentren und Läden vor: „Eine nicht-medizinische Alltagsmaske oder eine vergleichbare Mund-Nasen-Bedeckung muss getragen werden.“

Ordnungsamt: „Pflicht jedes einzelnen“

Das Rottweiler Ordnungsamt sieht es so: „Zunächst ist es Pflicht jedes einzelnen Kunden, sich an die Vorgaben der Coronaverordnung des Landes zu halten.“ Dies sei „nach wie vor notwendig, um die Pandemie wirksam bekämpfen zu können“. Dazu benötige es das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen Bürgers.

„Wenn uns Hinweise auf Verstöße erreichen, gehen wir dem nach und treten mit dem jeweiligen Unternehmen in Kontakt“, heißt es in der Stellungnahme des Ordnungsamts weiter. Ein Sprecher der Stadtverwaltung kündigte zudem gegenüber der NRWZ an, dass das Ordnungsamt sich mit der Unternehmensführung von Kaufland in Verbindung setzen wolle.

Die Stadt Rottweil behalte sich zudem vor, die Einhaltung der Corona-Verordnung mit Stichproben zu kontrollieren.

Kaufland will Filialen in Rottweil und Umgebung prüfen

Kaufland nimmt die Hinweise der NRWZ-Leserin, die wir anonymisiert an die Pressestelle des Unternehmens weiter geleitet haben, nach eigenem Bekunden ebenfalls ernst. Eine Sprecherin kündigt an, dass das Unternehmen in den Filialen in Rottweil und Umgebung die bereits angebrachten Hinweise zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes überprüfen wolle. Gegebenenfalls würden die Intervalle der Corona-Durchsagen erhöht. „Gleichzeitig bitten wir alle Kunden um gegenseitige Rücknahme und darum, beim Einkaufen unbedingt die notwendige Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen“, so die Kaufland-Sprecherin.

Kunden, die keinen Mundschutz tragen, würden die Kaufland-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter „freundlich auf die Verordnung“ hinweisen, heißt es aus der Pressestelle weiter. Sofern sie keinen in der jeweiligen Verordnung vorgesehen Ausnahmegrund vorbringen können, bitte man sie um Verständnis, dass das Tragen einer entsprechenden Mund-Nasen-Bedeckung verpflichtend für den Aufenthalt in Einzelhandelsgeschäften ist.

Doch es gibt ein Aber: „Darüber hinaus hat Kaufland – im Gegensatz zu Ordnungsbehörden oder der Polizei – jedoch keine Möglichkeiten, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung einzufordern.“ Gegebenenfalls mache das Unternehmen aber von seinem Hausrecht Gebrauch.

Kaufland stehe in allen Bundesländern mit den zuständigen Behörden in Kontakt. „Wir setzen alles daran, die regional unterschiedlichen behördlich auferlegten Verordnungen zeitnah und pragmatisch umzusetzen“, erklärt die Unternehmenssprecherin. Wenn Kunden verpflichtet seien, in Einzelhandelsbetrieben eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen – wie in Baden-Württemberg es derzeit der Fall ist -, „haben wir die Pflicht, unsere Kunden hierüber zu informieren. Dieser Pflicht kommen wir selbstverständlich durch Aushänge, Bodenaufkleber und Durchsagen nach.“

NRWZ schaut nach

Ein rascher Check der NRWZ fällt unterdessen positiv aus. Vielleicht ist Mittwochmorgen gegen acht Uhr, im Anschluss an die Runde mit dem Redaktionshund, nicht die richtige Zeit. Im Kaufland geht es gesittet und ruhig zu, alle tragen Maske und alle tragen sie, wie es sich gehört, über Mund und Nase. Nur ein einziger Kunde, älteren Semesters, betritt unmaskiert und raschen Schrittes das Kaufland-Gebäude, offensichtlich im Einklang mit sich und der Welt. Wir belassen es dabei, sind ja nicht das Ordnungsamt.

Peter Arnegger (gg)
Peter Arnegger (gg)https://www.nrwz.de
... ist seit gut 25 Jahren Journalist. Mehr über ihn hier.

5 Kommentare

5 Kommentare
Neueste
Älteste Meist bewertet
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen