Rennstrecke Rottweil – und was unternimmt die Stadt?

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Die Rottweiler Innenstadt verkomme zu einer Rennstrecke. So die Wahrnehmung mancher Anwohner. Es gibt offenbar zwei Probleme: schnelles Fahren auch über nur kurze Distanzen, und den Motor knallen und rotzen lassen. Einigen reicht’s.

Mit den steigenden Temperaturen hat auch ihre Zahl zugenommen – die der Autofreaks, die in der Innenstadt posen müssen, den Motor aufheulen lassen, das Auto über eine kurze Distanz beschleunigen. Wie etwa um zu zeigen, dass sie die 20er-Zone in RW Mitte annervt. Und auch die Zahl derer steigt, die manche der innerstädtischen Straßen jetzt als kleine Rennstrecke nutzen.

In der Facebookgruppe „Stadtgeflüster Rottweil” ist jetzt eine kleine Diskussion ausgebrochen (siehe Bild). Zunächst hatte eine Userin gefragt: „Die Tuttlingerstraße-Hochmaurenstraße ist spätabends für bestimmte Autofahrer zu einer persönlichen Rennstrecke geworden! Wer ärgert sich auch noch darüber? Also ich finde es äußerst nervig. Wo ist da die Polizei?” Die Antworten kommen rasch. Als weitere sogenannte Raserstrecken werden die Württemberger Straße in Göllsdorf und die Ortsdurchfahrt in Bühlingen genannt. Zudem die Römer- und die Lehrstraße.

Nun weiß das die Stadtverwaltung, wissen das die Mitarbeiter des Ordnungsamts. Sich freundlich an die zu wenden, rät etwa ein Nutzer auf Facebook. Der städtische Pressesprecher Tobias Hermann erklärt dazu: „Auch die städtische Straßenverkehrsbehörde, das Ordnungsamt und der Gemeinderat sehen den Bedarf, zusätzliche Kontrollen im Stadtgebiet durchzuführen. Wir werden dem Gemeinderat spätestens nach der Sommerpause zusätzliche geeignete Maßnahmen vorschlagen.” Das Thema soll also in den nächsten Wochen angegangen werden.

Bereits jetzt nehme die Verwaltung „im Rahmen unserer Kapazitäten”, so Hermann, Geschwindigkeitskontrollen vor. Das hat jüngst auch der vorgelegte Verkehrsbericht gezeigt. An 36 Messtagen – etwas weniger als in den vergangenen Jahren – sind demnach alle Geschwindigkeitsbereiche überwacht worden: 80, 70, 50, 30, 20 Stundenkilometer und die sogenannten Verkehrsberuhigten Bereiche, die (an sich) mit nur sieben km/h befahren werden dürfen. Allein in den 30-er-Bereichen seien knapp 13.000 Fahrzeuge gemessen worden. 1600 davon waren zu schnell, eine Beanstandungsquote von gut zwölf Prozent. Die allerdings liege im unteren Bereich, erklärte Fachbereichsleiter Bernd Pfaff bei der Vorstellung des Verkehrsberichts.

Heutzutage würden Blitzerstellen bekanntlich schnell in den sozialen Medien und eigens eingerichteten Chatgruppen gemeldet. Pfaff spricht von „Warnungen in Echtzeit”. Wenn in manchen Messbereichen und an bestimmten Stellen dennoch die Beanstandungsquote über 15 Prozent liege, werde das Ordnungsamt sein Augenmerk auf ebendiese legen. Dort wird nämlich im Klartext eher gerast, halten sich weniger als 85 Prozent der Fahrer an die vorgegebene Geschwindigkeit. Zumal man wissen muss, dass ein Blitzer erst ab neun Stundenkilometern und mehr anschlägt. Die meisten Autofahrer, die zu schnell waren, waren dies nur um bis zu 15 Stundenkilometer. Also quasi im preiswerten Bereich.
Pfaff verwies im selben Bericht darauf, dass es im gesamten Stadtgebiet 2018 keinen sogenannten Unfallschwerpunkt gegeben habe.

Die Stadtverwaltung hat angekündigt, weitere stationäre Messanlagen zu beschaffen. Sie nimmt dafür 150.000 Euro in die Hand. Das ist doppelt so viel, wie sie 2018 insgesamt aus den Bußgeldern eingenommen hat. Wird geblitzt, stehe das Ordnungsamt aber auch wieder am Pranger, so Sprecher Hermann. „Dann (werden wir) ebenfalls gern auf Facebook erwähnt, allerdings oftmals unter anderen Vorzeichen wie #Abzocke #Wegelagerei und so weiter.”