Rennstrecke Rottweil – und was unternimmt die Stadt?

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Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Die Rott­wei­ler Innen­stadt ver­kom­me zu einer Renn­stre­cke. So die Wahr­neh­mung man­cher Anwoh­ner. Es gibt offen­bar zwei Pro­ble­me: schnel­les Fah­ren auch über nur kur­ze Distan­zen, und den Motor knal­len und rot­zen las­sen. Eini­gen reicht’s.

Mit den stei­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren hat auch ihre Zahl zuge­nom­men – die der Auto­freaks, die in der Innen­stadt posen müs­sen, den Motor auf­heu­len las­sen, das Auto über eine kur­ze Distanz beschleu­ni­gen. Wie etwa um zu zei­gen, dass sie die 20er-Zone in RW Mit­te annervt. Und auch die Zahl derer steigt, die man­che der inner­städ­ti­schen Stra­ßen jetzt als klei­ne Renn­stre­cke nut­zen.

In der Face­book­grup­pe „Stadt­ge­flüs­ter Rott­weil” ist jetzt eine klei­ne Dis­kus­si­on aus­ge­bro­chen (sie­he Bild). Zunächst hat­te eine Use­rin gefragt: „Die Tutt­lin­ger­stra­ße-Hoch­mau­ren­stra­ße ist spät­abends für bestimm­te Auto­fah­rer zu einer per­sön­li­chen Renn­stre­cke gewor­den! Wer ärgert sich auch noch dar­über? Also ich fin­de es äußerst ner­vig. Wo ist da die Poli­zei?” Die Ant­wor­ten kom­men rasch. Als wei­te­re soge­nann­te Raser­stre­cken wer­den die Würt­tem­ber­ger Stra­ße in Gölls­dorf und die Orts­durch­fahrt in Büh­lin­gen genannt. Zudem die Römer- und die Lehr­stra­ße.

Nun weiß das die Stadt­ver­wal­tung, wis­sen das die Mit­ar­bei­ter des Ord­nungs­amts. Sich freund­lich an die zu wen­den, rät etwa ein Nut­zer auf Face­book. Der städ­ti­sche Pres­se­spre­cher Tobi­as Her­mann erklärt dazu: „Auch die städ­ti­sche Stra­ßen­ver­kehrs­be­hör­de, das Ord­nungs­amt und der Gemein­de­rat sehen den Bedarf, zusätz­li­che Kon­trol­len im Stadt­ge­biet durch­zu­füh­ren. Wir wer­den dem Gemein­de­rat spä­tes­tens nach der Som­mer­pau­se zusätz­li­che geeig­ne­te Maß­nah­men vor­schla­gen.” Das The­ma soll also in den nächs­ten Wochen ange­gan­gen wer­den.

Bereits jetzt neh­me die Ver­wal­tung „im Rah­men unse­rer Kapa­zi­tä­ten”, so Her­mann, Geschwin­dig­keits­kon­trol­len vor. Das hat jüngst auch der vor­ge­leg­te Ver­kehrs­be­richt gezeigt. An 36 Mess­ta­gen – etwas weni­ger als in den ver­gan­ge­nen Jah­ren – sind dem­nach alle Geschwin­dig­keits­be­rei­che über­wacht wor­den: 80, 70, 50, 30, 20 Stun­den­ki­lo­me­ter und die soge­nann­ten Ver­kehrs­be­ru­hig­ten Berei­che, die (an sich) mit nur sie­ben km/h befah­ren wer­den dür­fen. Allein in den 30-er-Berei­chen sei­en knapp 13.000 Fahr­zeu­ge gemes­sen wor­den. 1600 davon waren zu schnell, eine Bean­stan­dungs­quo­te von gut zwölf Pro­zent. Die aller­dings lie­ge im unte­ren Bereich, erklär­te Fach­be­reichs­lei­ter Bernd Pfaff bei der Vor­stel­lung des Ver­kehrs­be­richts.

Heut­zu­ta­ge wür­den Blit­zer­stel­len bekannt­lich schnell in den sozia­len Medi­en und eigens ein­ge­rich­te­ten Chat­grup­pen gemel­det. Pfaff spricht von „War­nun­gen in Echt­zeit”. Wenn in man­chen Mess­be­rei­chen und an bestimm­ten Stel­len den­noch die Bean­stan­dungs­quo­te über 15 Pro­zent lie­ge, wer­de das Ord­nungs­amt sein Augen­merk auf eben­die­se legen. Dort wird näm­lich im Klar­text eher gerast, hal­ten sich weni­ger als 85 Pro­zent der Fah­rer an die vor­ge­ge­be­ne Geschwin­dig­keit. Zumal man wis­sen muss, dass ein Blit­zer erst ab neun Stun­den­ki­lo­me­tern und mehr anschlägt. Die meis­ten Auto­fah­rer, die zu schnell waren, waren dies nur um bis zu 15 Stun­den­ki­lo­me­ter. Also qua­si im preis­wer­ten Bereich.
Pfaff ver­wies im sel­ben Bericht dar­auf, dass es im gesam­ten Stadt­ge­biet 2018 kei­nen soge­nann­ten Unfall­schwer­punkt gege­ben habe.

Die Stadt­ver­wal­tung hat ange­kün­digt, wei­te­re sta­tio­nä­re Mess­an­la­gen zu beschaf­fen. Sie nimmt dafür 150.000 Euro in die Hand. Das ist dop­pelt so viel, wie sie 2018 ins­ge­samt aus den Buß­gel­dern ein­ge­nom­men hat. Wird geblitzt, ste­he das Ord­nungs­amt aber auch wie­der am Pran­ger, so Spre­cher Her­mann. „Dann (wer­den wir) eben­falls gern auf Face­book erwähnt, aller­dings oft­mals unter ande­ren Vor­zei­chen wie #Abzo­cke #Wege­la­ge­rei und so wei­ter.”