Rottweil plant ein öffentliches WLAN-Netz

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Symbol-Foto: privat

Der Gemein­de­rat­aus­schuss hat sich für die Ein­füh­rung eines leis­tungs­fä­hi­gen öffent­li­chen WLANs aus­ge­spro­chen. Der Gemein­de­rat wird damit in sei­ner nächs­ten Sit­zung erwar­tungs­ge­mäß die Ver­wal­tung beauf­tra­gen, eine soge­nann­te Netz­be­trei­ber­lö­sung für ein offe­nes draht­lo­ses Inter­net zu pla­nen. Per Antrag haben die Grü­nen das alte The­ma wie­der auf die Tages­ord­nung gebracht. 

Das The­ma geis­tert ergeb­nis­los schon seit Jah­ren durch die Gre­mi­en und die Ver­wal­tung. 2014 und 2015 wur­de ein mög­li­ches öffent­li­ches WLAN-Netz bereits im Gemein­de­rat behan­delt – und wegen mög­li­cher Betrei­ber­haf­tung abge­lehnt. Dann haben sich 2016 im Bereich der Stö­rer­haf­tung recht­li­che Ände­run­gen für Kom­mu­nen erge­ben und die Gemein­de­rats-Grü­nen haben dafür gesorgt, dass die Stadt­ver­wal­tung sich des The­mas wie­der annahm. Am Mitt­woch hat­te der Kultur‑, Sozi­al- und Ver­wal­tungs­aus­schuss einen Emp­feh­lungs­be­schluss zu fas­sen, der am 22. Mai vom Gemein­de­rat bestä­tigt wer­den soll.

Die Stadt­ver­wal­tung sieht nun einer­seits, dass das über die Mobil­funk­net­ze über­tra­ge­ne Daten­vo­lu­men kon­ti­nu­ier­lich anstei­ge, Flat­rate-Tari­fe mit hohem Daten­vo­lu­men bestehen und die EU-Roa­ming Gebüh­ren ent­fal­len sind. Des­halb kön­ne es sein, dass die Nach­fra­ge nach öffent­li­chem WLAN künf­tig schwä­cher wer­de und dem­nach die Not­wen­dig­keit zur Ein­füh­rung eines öffent­li­chen WLAN-Net­zes nicht mehr bestehe.

Dem wider­spre­che ande­rer­seits aber, dass die Über­tra­gungs­ge­schwin­dig­keit je nach Volu­men nach wie vor gedros­selt wird und gleich­zei­tig volu­men­in­ten­si­ve Anwen­dun­gen wie etwa das Pos­ten von beweg­ten Bil­dern in sozia­len Medi­en immer belieb­ter wer­den. Eine Ände­rung des begrenz­ten Volu­mens in den Tarif­ver­trä­gen sei nicht zu erwar­ten, da dies zum Kern­ge­schäft der Anbie­ter zählt.

Für vie­le Städ­te, sowohl natio­nal als auch inter­na­tio­nal, zäh­le WLAN mitt­ler­wei­le zum Stan­dar­d­an­ge­bot, argu­men­tiert die Rott­wei­ler Ver­wal­tung. Öffent­li­che WLAN-Net­ze ermög­li­chen das Bereit­stel­len von digi­ta­len Ser­vices für Bür­ger und Gäs­te (Smart City). In die­sem Zusam­men­hang ent­wi­cke­le die Stadt Rott­weil als einer von 55 kom­mu­na­len Preis­trä­gern des Lan­des­wett­be­werbs „Digi­ta­le Zukunftskommune@bw“ die Digi­ta­li­sie­rung in den Berei­chen Mobi­li­tät und Bür­ger­be­tei­li­gung wei­ter. Da­rüber hin­aus wer­de eine Kom­mu­ne mit WLAN-Ange­bot als inno­va­tiv wahr­ge­nom­men und öffent­li­che Plätze/Einrichtungen wür­den dadurch attrak­ti­viert. Ein wei­te­rer wesent­li­cher Vor­teil sei, das WLAN als direk­ter Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal mit dem Bür­ger oder dem Gast zu nut­zen.

Die Stadt will ein mög­li­ches draht­lo­ses Inter­net in Rott­weil so gestal­ten, dass sich Nut­zer durch Zustim­mung mit den vor­ge­schrie­be­nen Nut­zungs­be­din­gun­gen direkt mit ihrem Gerät ver­bin­den kön­nen.

Nun sol­len die Ziel­grup­pe des WLANs, sei­ne Aus­deh­nung, und die Finan­zie­rung geklärt wer­den. Hier sei­en Eigen‑, För­der- und Dritt­mit­tel zu prü­fen. So wer­den seit 2018 öffent­li­che WLAN-Zugän­ge in Gemein­den über das Pro­gramm „WiFi4EU” der EU-Kom­mis­si­on geför­dert. Ziel­grup­pe für das öffent­li­che WLAN in Rott­weil sind aus Sicht der Ver­wal­tung Bür­ger und Tou­ris­ten, für die im öffent­li­chen Raum und an tou­ris­ti­schen Hot­spots eine ent­las­ten­de Alter­na­ti­ve zu kost­spie­li­gen und volu­men­be­las­ten­de Eigen­ta­ri­fen gebo­ten wer­den soll.

Als zen­tra­len Ver­sor­gungs­schwer­punkt sieht die Ver­wal­tung das Gebiet der his­to­ri­schen Innen­stadt. Dar­über hin­aus wären zum Bei­spiel der Bahn­hof, Park­plät­ze als soge­nann­te Ankunfts­or­te, Wege­ver­bin­dung zwi­schen Test­turm und Hän­ge­brü­cke, Muse­en und das Aqua­sol wei­te­re Ver­sor­gungs­be­rei­che in Rott­weil. Um ein flä­chen­de­cken­des und lücken­lo­ses WLAN sicher­zu­stel­len habe eine Bestands­auf­nah­me bestehen­der WLANs zu erfol­gen. Außer­dem sei­en „diver­se Leis­tungs­trä­ger” mit ein­zu­bin­den – so die Ein­zel­händ­ler, damit die draht­lo­se Inter­net­ver­bin­dung beim Zugang in die Geschäf­te nicht abbricht. Mit die­sen und wei­te­ren pri­va­ten Betrei­bern wie Thys­sen­krupp und der ENRW beim Aqua­sol sei­en noch Gesprä­che bezüg­lich der Schnitt­stel­len zu füh­ren.

Den Betrieb des Net­zes will die Stadt an einen exter­nen Betrei­ber ver­ge­ben, der etwa auch Wer­bung schal­ten kön­nen soll, die an die Nut­zer aus­ge­spielt wird. Die Netz­be­trei­ber-Lösung kom­me in Fra­ge, wenn die Gemein­de selbst weni­ge Res­sour­cen in Bezug auf den WLAN-Aus­bau auf­wen­den bezie­hungs­wei­se vor­wei­sen kön­ne und ein exter­nes Unter­neh­men für einen gewis­sen Miet­be­trag beauf­tragt wer­de. Die­ser Netz­be­trei­ber sei dann für Wer­bung, Betrieb und Instand­set­zung ver­ant­wort­lich. Recht­li­che Risi­ken sei­en für die Gemein­de mini­miert, jedoch wür­den wesent­li­che Ein­fluss­fak­to­ren aus der Hand gege­ben.

Dage­gen spra­chen sich die Grü­nen aus. Deren Inge­borg Gek­le-Mai­er warn­te davor, sich auf ein Umset­zungs­mo­dell mit einem Netz­be­trei­ber, also auf einen exter­nen Betrei­ber, fest­zu­le­gen. Viel­mehr müss­ten die Betrei­ber­mo­del­le offen blei­ben. Damit könn­te auch die Stadt­ver­wal­tung selbst Betrei­ber des WLANs wer­den.

Ob Ralf Broß plä­dier­te wei­ter für das Netz­be­trei­ber­mo­dell als das rich­ti­ge. Mit die­sem hät­te die Ver­wal­tung am wenigs­ten Arbeit, benö­tig­te intern am wenigs­tens Sach­ver­stand für den tech­ni­schen Teil des WLAN-Betriebs. Hans-Peter Alf (CDU) unter­stütz­te den OB in die­sem Ansin­nen. 

Die zustän­di­ge Sach­be­ar­bei­te­rin bei der Stadt, Ines Mai­er, warn­te auf sym­pa­thi­sche Art davor, der Stadt­ver­wal­tung den Betrieb eines WLANs zu über­tra­gen. Sie schei­te­re schon an so Begrif­fen wie „Koaxi­al­ka­bel”, sag­te sie lächelnd.

Und OB Broß wur­de emo­tio­nal: „Es ist ein­fach nicht ver­mit­tel­bar, war­um man­che Din­ge nicht zum Loch raus gehen”, sag­te er. Er wol­le sich nicht wei­ter in der Öffent­lich­keit vor­hal­ten las­sen, dass die Stadt mit dem WLAN nicht vor­an kom­me.

Gek­le-Mai­er ließ abstim­men – und schei­ter­te. Nur sie und Elke Rei­chen­bach von Forum für Rott­weil woll­ten die Fest­le­gung auf ein Netz­be­trei­ber­mo­dell ver­mei­den. 

Die all­ge­mei­ne Zustim­mung im Kultur‑, Sozi­al- und Ver­wal­tungs­aus­schuss des Gemein­de­rats zum von der Ver­wal­tung vor­ge­schla­ge­nen Netz­be­trei­ber­mo­dell aber zeich­ne­te sich früh ab. Das geht jetzt in die Pla­nung.

Dies­mal ist der Schritt Rich­tung offe­nem WLAN geschafft – im drit­ten Anlauf. Zuvor hat­ten sich in der Sit­zung schon Jugend­li­che für frei­es draht­lo­ses Inter­net aus­ge­spro­chen, die als Ver­tre­ter der Fri­days-for-future-Demons­tra­tio­nen oder des städ­ti­schen Jugend­hea­rings das Wort erhal­ten hat­ten. 

50.000 Euro will die Stadt für die Pla­nungs­pha­se in die Hand neh­men. Sie besteht im Wesent­li­chen aus fol­gen­den Schrit­ten:

  • Ziel­set­zung for­mu­lie­ren
  • Mög­lich­keit zur Ein­bin­dung ört­li­cher Part­ner prü­fen
  • Aus­wahl des mit WLAN aus­zu­leuch­ten­den Gebie­tes, Bewer­tung der Risi­ken und gro­be Dimen­sio­nie­rung bemes­sen
  • Leis­tungs­um­fang und Anfor­de­rung defi­nie­ren
  • Recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen klä­ren
  • Ange­bo­te von Umset­zungs­part­nern ein­ho­len
  • Kos­ten kal­ku­lie­ren, För­der­mög­lich­kei­ten aus­lo­ten und Finan­zie­rungs­plan erstel­len.

Nach Abschluss der Pla­nungs­pha­se erfol­gen gegen Jah­res­en­de die Vor­stel­lung der Ergeb­nis­se im Gemein­de­rat sowie die Ent­schei­dung für ein kon­kre­tes Umset­zungs­mo­dell.

 

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