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Donnerstag, 12. Dezember 2019
Start Rott­weil ”Urteil ein deut­li­ches Zei­chen gegen Selbst­jus­tiz”

”Urteil ein deutliches Zeichen gegen Selbstjustiz”

Smart Fah­rer erhält Bewäh­rungs­stra­fe


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Ein Jahr und zehn Mona­te Haft, aus­ge­setzt auf zwei Jah­re zur Bewäh­rung, und zwei Mona­te Fahr­ver­bot sowie 60 Sozi­al­stun­den, das ist die Stra­fe für einen 42-jäh­­ri­gen Mann aus einer Kreis­ge­mein­de, der im August letz­ten Jah­res einen Rad­fah­rer mit sei­nem Smart ange­fah­ren hat­te. Die­sen Mann ver­däch­tig­te er, sei­ne Toch­ter ver­ge­wal­tigt und geschwän­gert zu haben.

”Das Urteil soll ein deut­li­ches Zei­chen gegen Selbst­jus­tiz sein”, beton­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter Karl­heinz Mün­zer, die­se kön­ne nicht gedul­det wer­den.

Der ange­klag­te 42-jäh­­ri­ge Mann stammt aus Kasach­stan und hat sehr tra­di­tio­nel­le Wer­te­vor­stel­lun­gen, das wur­de auch beim Gut­ach­ten des psych­ia­tri­schen Sach­ver­stän­di­gen deut­lich: Sex vor der Ehe ist undenk­bar für ihn, und das war wohl auch der Grund, dass er mit der Situa­ti­on sei­ner Toch­ter, die für ihn noch ein Kind war, nicht klar kam, so Mün­zer. Dazu kam, dass die 16-Jäh­­ri­ge wegen der Schwan­ger­schaft ihre Aus­bil­dung abbre­chen und Sozi­al­hil­fe bean­tra­gen muss­te – ein Unding.

Außer­dem hat­te er sein spä­te­res Opfer wegen Ver­ge­wal­ti­gung ange­zeigt, es kam zum Pro­zess, doch hier gab es Dis­kre­pan­zen bei den Aus­sa­gen des Mäd­chens. Ein aus­sa­ge­psy­cho­lo­gi­sches Gut­ach­ten wur­de nötig, und am Ende konn­te nicht mit hin­rei­chen­der Sicher­heit nach­ge­wie­sen wer­den, dass es tat­säch­lich eine Ver­ge­wal­ti­gung gege­ben hat. Auch, dass das jung wir­ken­de Opfer tat­säch­lich sogar älter als er selbst ist, habe der Ange­klag­te wohl nicht ver­win­den kön­nen, so der Vor­sit­zen­de.

Am Mor­gen des Tat­ta­ges muss­te der Vater dann mit sei­ner hoch­schwan­ge­ren Toch­ter zur Cari­tas und zum Job­cen­ter, um Anträ­ge aus­zu­fül­len – offen­bar war ihm das alles zuviel. Der psych­ia­tri­sche Gut­ach­ter attes­tier­te ihm für die­se Pha­se eine Anpas­sungs­stö­rung, ”er war fix und fer­tig”, so Mün­zer.

Und so habe er, als ihm der Rad­fah­rer an der Hoch­brü­cke ent­ge­gen­kam, spon­tan beschlos­sen, auf ihn los­zu­fah­ren. Dem 43-jäh­­ri­gen Opfer pas­sier­te nicht viel, der Mann wur­de zur Sei­te geschleu­dert. ”Aber die Kam­mer ist davon über­zeugt, dass jeder weiß, dass es gefähr­lich ist, wenn man mit dem Auto auf einen Rad­fah­rer zufährt.” Das Opfer hät­te schwers­te Ver­let­zun­gen davon­tra­gen kön­nen, mein­te der Vor­sit­zen­de.

Zugu­te hielt das Gericht dem Mann, dass er kurz vor dem Rad­fah­rer gebremst hat­te. Anschlie­ßend war er dann aus­ge­stie­gen und woll­te den ver­meint­li­chen Ver­ge­wal­ti­ger sei­ner Toch­ter ver­prü­geln, doch der konn­te flie­hen. Auch dass er voll gestän­dig war und sich, wenn auch wider­wil­lig, im Gerichts­saal bei sei­nem Opfer ent­schul­digt hat­te, wirk­te sich straf­mil­dernd aus. ”Die sechs­wö­chi­ge Unter­su­chungs­haft hat ihn stark beein­druckt”, kon­sta­tier­te Mün­zer. Der Mann muss nun neben 60 Soziaal­stun­den noch meh­re­re Tref­fen mit sei­nem Bewäh­rungs­hel­fer absol­vie­ren, ”er hat enor­me Defi­zi­te, was uns­ren Rechts­staat angeht”, die sol­len dann auf­ge­füllt wer­den.

 

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