Laden wechsle dich

Tiso geht in die Fußgängerzone

Autor / Quelle: Martin Himmelheber (him)
Lesezeit 4 Min.
Ein Haus mit bewegter Geschichte: Früher hatte hier der Friseur Karl Kühnle sein Geschäft, später Brillen Lehmann und eine Bäckereifiliale. Ab Ende Februar wird es ein Blumengeschäft. Foto: him

„In der Fußgängerzone entsteht grad ein Hochzeitseck“, scherzt Fernando Tiso mit Blick auf seine künftigen Nachbarn. Gegenüber Foto Kasenbacher, nebenan ab Samstag das „Brautmode-Atelier Rosentau“ – und für die Herrenanzüge nur ein paar Schritte weiter Hafner oder Vogelmann.

Schramberg. Künftige Nachbarn? Tiso mit seinem Blumengeschäft ist doch am Hirsoner Platz zu finden? Ja, aber eben nicht mehr lange. Derzeit läuft der Ausverkauf, denn bis Ende Januar will er sein bisheriges Geschäft geräumt haben und in die Hauptstraße 36 umziehen. Eröffnung ist geplant fürs Wochenende nach der Fasnet. 2012 war er zusammen mit dem Designer und Innenarchitekt Arkas Förstner in das frühere Parfümeriegeschäft eingezogen. Ende 2019 war Förstner ausgezogen, und Tiso hat seither die gesamte Fläche genutzt.

Mehrere Gründe für Standortwechsel

Für die Entscheidung umzuziehen, nennt der passionierte Einzelhändler eine Reihe von Gründen: „Angefangen hat es mit dem Platzumbau.“ Die Stadt habe partout den Platz autofrei haben wollen. Er habe vorgeschlagen einen Mütterparkplatz, eine Parkplatz für ältere und behinderte Menschen anzubieten, sei aber beim Gemeinderat und der Stadtspitze nicht durchgedrungen.

Fernando Tiso. Foto: him

Nun sei der Platz oft sehr laut, verdreckt, und manche Leute verhielten sich distanzlos. Wenn er seine Schaufensterscheiben putzen lasse, könne er das tags drauf gleich wieder machen lassen. Von Seiten der Stadt vermisst er die Unterstützung.

Ein weiterer Grund seien aber auch Änderungen im Kaufverhalten. Er wolle künftig mehr vorbereitete Sachen wie Blumensträuße oder Schalen anbieten. „Das ist eine Erleichterung für die Kunden, aber auch für mich im Einkauf“, erläutert Tiso. Für das neue Konzept benötige er weniger Platz als bisher. Bisher habe er etwa 140 Quadratmeter Verkaufsfläche, künftig in der Hauptstraße 36 nur noch 65 Quadratmeter. Bei den Accessoires werde er sich auf die wichtigen Dinge beschränken.

Der Hirsoner Platz mit der langen Schaufensterfront von Tisos Laden kurz nach der Einweihung im September 2022. Archiv-Foto: him

Hinzu kommt, dass das neue Geschäft auf der Schattenseite der Hauptstraße liege. Das sei besser für seine Blumen und Pflanzen. Deshalb habe er mit seinen Mitarbeiterinnen im Sommer entschieden, den Umzug anzugehen.

„Jeder hilft jedem“

Fernando Tiso wünscht sich, dass Gemeinderäte und Verwaltung mehr mit den Geschäftsleuten reden sollten. “Wir sehen, was in der Stadt los ist.“ Er lobt den Zusammenhalt der Einzelhändler untereinander als sehr freundschaftlich: „Jeder hilft jedem.“ Deshalb wünscht er sich, dass diese inhabergeführten kleineren Geschäfte noch möglichst lange in Schramberg bestehen können. Ob es eine Nachfolgelösung für sein Geschäft gibt, weiß Tiso nicht.

Mit Tiso gibt es also eine weitere Veränderung in der Innenstadt. Ein Leerstand entsteht, ein anderer wird gefüllt.

Kommen und gehen

Beim Modegeschäft Kaoos läuft weiterhin der Ausverkauf. Dort will der Hauseigentümer den Laden umbauen. Mieter Boris Giessler hat keine Alternative in der Innenstadt gefunden. Im früheren Eiscafé am Narrenbrunnen tut sich ebenfalls etwas. Seit Wochen stehen Paletten mit Dämmmaterial vor dem Laden. Was geplant ist, weiß nicht einmal die Wirtschaftsförderung der Stadt.

Eingezogen ist tatsächlich in die frühere Parfümerie Butta das Brautmodenatelier Rosentau. Es wird am Samstag eröffnet.

Die ersten Brautkleider kann man schon erspähen. Foto: him

Für Tiso Platz gemacht haben die Vermarkter des Wohnprojektes an der Rochus-Merz-Straße. Nach wie vor ohne Nachfolger geblieben ist das Geschäft gegenüber, in dem lange Brillen Lehmann ungewöhnliche Brillen anbot. Da wäre vielleicht noch Platz für einen Schmuckladen oder einen Hochzeitstortenbäcker. Dann konnte Schramberg sich tatsächlich zum Mekka der Hochzeiter entwickeln. Mit dem Schloss oder Gut Berneck gäbe es auch noch tolle „Festlocations“.

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