Ab dem 22. September muss sich Björn S., der Ehemann der Kryptoqueen Ruja Ignatova, wegen Geldwäsche vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Das hat der Sprecher des Landgerichts Darmstadt, Jan Helmrich, auf Nachfrage bestätigt. (Zuerst haben die Badischen Neuesten Nachrichten berichtet.) Björn S. soll 2017 mit Geldern aus dem OneCoin-Betrug eine vornehme Villa in Bad Homburg für mehr als sieben Millionen Euro gekauft haben. Die Summe soll eine Firma aus dem OneCoin-Umfeld in Hongkong überwiesen haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Darmstadt/Schramberg. Wie berichtet, hatte einer der Quandt-Söhne die Villa einst bauen lassen. Björn S. soll mit seiner und Ruja Ignatovas Tochter dort auch einige Zeit gewohnt haben.

Björn S.: lange an der Seite der Cryptoqueen
Björn S. hat die in Schramberg aufgewachsene Ignatova vermutlich während des Studiums an der Universität Konstanz kennengelernt. Ende 2010 haben die beiden geheiratet. S. wurde Rechtsanwalt. Er beriet seine Frau bei den Kaufverträgen für die insolvente Gießerei in Waltenhofen im Allgäu. Er hat die Verträge mitunterzeichnet. Ignatova war im Frühjahr 2016 im Zusammenhang mit dem Niedergang der Gießerei wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung zu einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten und 18.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden.
Björn S. begleitete seine Frau Ruja Ignatova – trotz ihrer Affären mit Sebastian Greenwood und Gilbert Armenta – bei zahlreichen festlichen Gelegenheiten und auch Werbeveranstaltungen für OneCoin. Er saß mit am Tisch, als Ignatova 2014 in Sofia zur „Business-Woman of the Year“ gekürt wurde. Er war bei einem großen OneCoin-Werbe-Event in Macau 2016 dabei und feierte Ignatovas Geburtstage mit.

Was weiß der Ehemann über seine Frau?
Beim Prozess in Darmstadt wird sich herausstellen, wie S. Beziehung zu Ignatova war und ob die beiden noch verheiratet sind. Spannend wird auch sein, wie viel er über die OneCoin-Geschäfte wusste und wann er zuletzt Kontakt zu ihr hatte.
Ignatova ist bekanntlich seit dem 25. Oktober 2017 spurlos verschwunden. Etliche Strafverfolgungsbehörden fahnden nach ihr. Seit 2022 ist sie auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher des FBI. Mit einer Belohnung von fünf Millionen Dollar lockt das FBI bislang vergebens um Hinweise auf den Verbleib der Kryptoqueen.

Ermittlungen seit 2021
Die Staatsanwaltschaft Darmstadt begann erst Mitte 2021, gegen Strehl zu ermitteln. Nach Hausdurchsuchungen am 26. Januar 2022 in Wohn- und Geschäftshäusern verlor er seine Anstellung in einer renommierten internationalen Rechtsanwaltskanzlei in Frankfurt. Damals hatte die Staatsanwaltschaft auch Wertgegenstände im Wert von 60.000 Euro und eine Menge Datenspeicher sichergestellt. Auf die Villa hat sie „eine Sicherungshypothek zugunsten des Landes Hessen in das Grundbuch eintragen lassen“, wie die Staatsanwaltschaft der NRWZ mitteilte.
Nach langem Hin und Her auch um die Zuständigkeit hat das Landgericht Darmstadt schließlich die Anklage gegen Björn S. zugelassen und nun die Verhandlungstermine mitgeteilt. Die neunte große Strafkammer des Landgerichts habe 21 Verhandlungstage bis zum 23. Februar 2027 angesetzt, so der Sprecher des Gerichts, Helmrich. Die Kammer wird mit drei Berufs- und zwei Laienrichtern besetzt sein.


