Am 22. Februar 2018 war Strobel in einer Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik anwesend. Archiv-Foto: him

SCHRAMBERG  –  Der Ort­schafts­rat hat am ver­gan­ge­nen Diens­tag den bis­he­ri­gen Orts­vor­ste­her Lutz Stro­bel nicht wie­der gewählt. Die Abstim­mung war geheim. Das ist bei allen Per­so­nal­ent­schei­dun­gen im Schram­ber­ger Gemein­de­rat und in den Ort­schafts­rä­ten so üblich und kei­nes­wegs – wie andern­orts behaup­tet – unge­wöhn­lich. Bei die­ser Abstim­mung hat­ten sich acht Ort­schafts­rä­tin­nen und Räte dage­gen ent­schie­den, Stro­bel dem Gemein­de­rat zur Wie­der­wahl zu emp­feh­len, zwei hat­ten dafür gestimmt.

Da Stro­bel städ­ti­scher Beam­ter ist, muss ihm die Stadt eine ange­mes­se­ne ande­re Stel­le inner­halb der Ver­wal­tung anbie­ten. In einem Brief an die Ort­schaft­rä­te schreibt Stro­bel davon, er sei „wie ein Hund vom Hof gejagt“ wor­den. Auch kün­digt er an, sich „viel Zeit neh­men“ zu müs­sen, um von sei­ner Krank­heit wie­der gesund zu wer­den.

Wir ver­öf­fent­li­chen Stro­bels Brief im Wort­laut und ohne Schreib- oder Gram­ma­tik­feh­ler­kor­rek­tu­ren:

Sehr geehr­te Damen und Her­ren des Ort­schafts­ra­tes,

am Diens­tag die­ser Woche haben Sie dar­über ent­schie­den, wer künf­tig Orts­vor­ste­her von Ten­nen­bronn wird oder bleibt.

Nach 1 1/2 Jah­ren Amts­zeit von mir haben Sie in mei­ner Abwe­sen­heit sich gegen mich ent­schie­den.

Die­se demo­gra­phi­sche Ent­schei­dung muss ich akzep­tie­ren. Das neue Gre­mi­um, wovon 5 neue Mit­glie­der mich gar nicht in mei­ner Amts­aus­übung ken­nen, haben mich nun mit die­ser Ent­schei­dung „gebrand­markt”: Die­se Ent­schei­dung des Ort­schafs­ra­tes gilt es nun zu ver­ar­bei­ten und damit auch mensch­lich umzu­ge­hen.

Schon vor Jah­ren habe ich mich vor genom­men, mich nicht mehr zu recht­fer­ti­gen. Doch eini­ge Erläu­te­run­gen zu die­ser Ent­schei­dung zu den For­mu­lie­run­gen in der Sit­zung sind mir ganz pri­vat als Mensch Lutz Stro­bel wich­tig.

Im Herbst 2017 wur­de ich vom Ort­schafts­rat und Gemein­de­rat jeweils ein­stim­mig zum Orts­vor­ste­her gewählt, Bereits vor mei­nem Start in mein Auf­ga­ben­ge­biet war ich im Ort und in der Stadt unter­wegs. Ich woll­te früh­zei­tig den Ort und die Men­schen ken­nen ler­nen.

Der Start war sehr schwer. Eine Ein­ar­bei­tung gab es kei­ne, Müh­sam muss­te ich alles mir sel­ber erar­bei­ten, Abläu­fe, Orts­kennt­nis usw.

Sehr schnell spür­te ich, dass ich in einem Ort ange­kom­men bin, wo das Ver­eins- und bür­ger­schaft­li­che Leben sehr stark aus­ge­prägt ist. Von Jung bis Alt sind die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in einem oder meh­re­ren Ver­ei­nen, Grup­pen und Orga­ni­sa­tio­nen aktiv, sei es Ver­ei­nen, Bür­ger­ver­ei­ni­gun­gen, Kir­chen, DRK und Feu­er­wehr. Das impo­niert mir bis heu­te.

Gleich­zei­tig spür­te ich eine gro­ße Unsi­cher­heit und eine gewis­se Ableh­nung zur Stadt und zur Ort­schaft.

Vom 1. Tag an war ich im Ort und bei den Men­schen unter­wegs um sehr müh­sam das Ver­trau­en in ihren Ort, in ihre Stadt auf­zu­bau­en.

Jeden Abend, wirk­lich jeden Abend und jedes Wochen­en­de war ich bei Ter­mi­nen unter­wegs, habe auch von mir aus Höfe besucht. Ich war bei allen Haupt­ver­samm­lun­gen, war bei den Bür­gern am Stamm­tisch, bei pri­va­ten Fei­ern. Ich war prä­sent um gera­de das Ver­trau­en wie­der auf­zu­bau­en.

Ich habe klei­nen und gro­ßen Anlie­gen der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger auf­ge­nom­men, Habe die­se Anlie­gen ernst­ge­nom­men, bear­bei­tet und zeit­nah Rück­mel­dun­gen und Zwi­schen­in­fos gege­ben und vie­le Orts­ter­mi­ne auch mit den Fach­be­rei­chen der Stadt Schram­berg orga­ni­siert. Wei­ter war mir wich­tig mei­ner Auf­ga­be als Ver­mitt­ler zwi­schen den Men­schen und der Stadt Schram­berg und auch unter­ein­an­der da zu sein. Das habe ich auch in vie­len Fäl­len erfolg­reich erle­digt. Vie­le Grund­stücks­ver­hand­lun­gen führ­te ich am Wochen­en­de, wo die Men­schen Zeit hat­te. Vie­le Gesprä­che führ­te ich vor Ort.

Von Anfang an, hat­te ich die Anlie­gen sel­ber bear­bei­tet und auch wo nötig die Anlie­gen der Bür­ger und der Ort­schaft mit den Fach­be­rei­chen der Stadt Schram­berg erör­tert und auch, viel­leicht läs­tig, stän­dig nach­ge­bohrt und mich dadurch unbe­liebt gemacht.

Von einem schlech­ten Ver­hält­nis zwi­schen der Orts­ver­wal­tung und der Stadt­ver­wal­tung kann nicht die Rede sein. Ich war ein­fach immer bei der Stadt­ver­wal­tung prä­sent, weil es meis­tens um schon län­ger vor­lie­gen­de The­men es sich gehan­delt hat und auch um kei­ne Klei­nig­kei­ten. Ich habe die Men­schen in ihren All­tags­sor­gen beglei­tet, zu Fach­be­hör­den und zu Fachäm­tern ver­mit­telt. Hier nen­ne ich als Bei­spiel das The­ma Land­schafts­pfle­ge, wo in Ten­nen­bronn gro­ßer Nach­hol­be­darf ist. Nicht nur reden, son­dern han­deln war hier mein Ansatz. Und die bei­den Land­schafts­er­hal­tungs­ver­bän­de Rott­weil und Mitt­le­rer Schwarz­wald waren froh in mei­ner Per­son jemand zu haben, der die­ses Gro­ße The­ma anpackt, mit den Grund­stücks­ei­gen­tü­mern, den Land­wir­ten, der Stadt und den bei­den LEV’s. Hier sind schon eini­ge Schrit­te ein­ge­lei­tet, die von mir ger­ne wei­ter­be­ar­bei­tet wor­den wären.

Ich habe auch immer an den Sit­zun­gen und Ter­mi­nen teil­ge­nom­men. Kei­ne Sit­zung, kein Ter­min wur­de von mir ein­fach so nicht wahr­ge­nom­men. Größ­ten­teils waren ande­re ört­li­che Ter­mi­nen von mir wahr­zu­nah­men, oder ich war krank oder ganz sel­tem auch mal im Urlaub. Alle Fehl­ter­mi­ne waren mit Herrn Ober­bür­ger­meis­ter Her­zog abge­stimmt. Ein „ein­fach so – Feh­len” muss ich in aller Ent­schie­den­heit zurück­wei­sen.

Ich bin auch gleich von Anfang den Wün­schen des Ort­schafts­ra­tes nach­ge­kom­men und bin nach Ten­nen­bronn gezo­gen. Zu erst in eine Feri­en­woh­nung dann in die Dorf­berg­stra­ße, wo ich super von der Fami­lie Heinz­mann auf­ge­nom­men wur­de. Ich war immer prä­sent und habe mich den Dis­kus­sio­nen der Bevöl­ke­rung ges­telt und habe die Ent­schei­dun­gen der Stadt und des Ort­schafts­ra­tes ver­tre­ten.

Ich habe finan­zi­ell gut 20.000 Euro in mei­ne Woh­nung inves­tiert. Ich habe 2018 Urlaubs­ta­ge ver­fal­len las­sen und eini­ge 100 Über­stun­den. Ich war die­sen 18 Mona­ten nie im Urlaub.

Die Stel­lung­nah­men aus dem Ort­schafts­rat waren so, dass ich die Ent­wick­lung der Ort­schaft durch mei­ne Amts­füh­rung gefähr­de. Die­se Aus­sa­ge ist halt­los.  In all den Stel­lung­nah­men am Diens­tag ging es nicht um den Men­schen Stro­bel. Der Orts­vor­ste­her und Mensch Lutz Stro­bel, der sein Leben der Ort­schaft Ten­nen­bronn und der Stadt Schram­berg kom­plett unter­ord­ne­te, wur­de vom Hof gejagt.

Ich habe Feh­ler gemacht, für die mich ent­schul­digt und bereits ent­schul­dig­te. Als prak­ti­zie­ren­der Christ erfah­re ich jeden Tag Ver­ge­bung und ich schen­ke jeden Tag mei­nen Mit­men­schen Ver­ge­bung, lei­der wur­de mir die­se Chan­ce der Ver­ge­bung sel­ber vom Ort­schaft­rat nicht geschenkt.

Ich habe nun viel von mir geschrie­ben, vie­le Sät­ze mit Ich begon­nen. Mir war und ist jedoch das WIR viel wich­ti­ger. Jedoch muss­te ich nun die­se per­sön­li­che Stel­lung­nah­me so abge­ben.

Ich wer­de mir nun viel Zeit neh­men müs­sen, um von mei­ner Erkran­kung gesund zu wer­den und wie­der Lebens­mut und Freu­de zu bekom­men.

Lie­be Grü­ße

Lutz Stro­bel