Ein außergewöhnliches Leben stand im Mittelpunkt eines Vortrags des Heimathauses Tennenbronn: Referent Andreas Beck stellte im katholischen Pfarrsaal die Geschichte des Fotografiepioniers Johann Georg Fleig vor – eines körperlich beeinträchtigten Künstlers, der im 19. Jahrhundert die Fotografie in die Region brachte.

Tennenbronn. Zahlreiche Interessierte aus Tennenbronn und der weiteren Region sind am Mittwochabend zu einem Vortrag des Heimathauses Tennenbronn in den katholischen Pfarrsaal gekommen. Referent Andreas Beck – Professor an der Universität Freiburg sowie promovierter Theologe und Mediziner – widmete sich dabei dem Leben und Werk von Johann Georg Fleig, der in der Region als „kleiner Fleigle“ bekannt war.

Beck, der heute in Hornberg lebt und früher Chefarzt am Klinikum Konstanz war, war durch den Tennenbronner Postkartensammler Eugen Armbruster auf Fleig aufmerksam geworden. Das Leben des Fotografen hat er inzwischen in einem Buch aufgearbeitet.
Johann Georg Fleig wurde 1859 im Gsod im Brigachtal zwischen St. Georgen und Peterzell geboren. Schon früh zeigte sich, dass er körperlich stark beeinträchtigt war. Seine Entwicklung verlief verzögert, mit drei Jahren konnte er noch nicht laufen. Später zog die Familie auf den Schloßhof bei der Ruine Waldau in Buchenberg. Fleig besuchte dort einige Jahre die Schule, blieb wegen seiner körperlichen Schwäche jedoch oft ein Außenseiter.
Geistig war er seinen Mitschülern deutlich überlegen. Mit Unterstützung von Lehrern, Pfarrer und Verwandten erhielt er schließlich einen Platz an der Zinzendorfschule in Königsfeld – eine Ausbildung, die sich seine Eltern allein nicht hätten leisten können. Dort wurde er besonders in musischen und geistigen Fähigkeiten gefördert.
Ein neues Berufsfeld eröffnete sich, als die damals noch junge Fotografie aus Frankreich nach Deutschland kam. An der Zinzendorfschule wurde sie als Unterrichtsfach eingeführt – und Fleig entwickelte dafür schnell große Begeisterung. Nach einer Lehre bei einem Fotografen in Königsfeld arbeitete er zunächst in Mönchweiler, bevor er nach Hornberg zog, wo es zu dieser Zeit noch keinen Fotografen gab.
Wie Beck schilderte, zog der kleine Mann mit seinem schweren Fotokasten und einem Dreibein durch Hornberg und die umliegenden Höhen, um Landschaften und Menschen auf Glasplatten festzuhalten. Die zunächst schwarzweißen Bilder kolorierte er anschließend selbst und ergänzte sie teilweise mit zusätzlichen Figuren oder Tieren. Aus seinen Motiven entstanden Postkarten, die er über einen eigenen Verlag und eine Druckerei verbreiten ließ.
Wohlhabend wurde Fleig damit allerdings nicht. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, widmete er sich nebenher auch anderen Arbeiten – etwa dem Präparieren von Vögeln oder der Herstellung von Intarsien für Uhren.
Mit zunehmendem Alter verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Fleig gab schließlich sein Geschäft in Hornberg auf und zog ins wärmere Markgräflerland. Dort starb er im Alter von 64 Jahren.
Ein großer Teil seines fotografischen Nachlasses ging verloren: Die Glasplatten wurden später von der Stadt Hornberg eingeschmolzen, um nach Bombenschäden Kirchenfenster zu reparieren.
Im Vortrag zeigte Andreas Beck zahlreiche erhaltene Motive Fleigs und zeichnete so das Bild eines ungewöhnlichen Lebens – eines Fotografiepioniers, der trotz körperlicher Einschränkungen die frühe Fotografie in der Region mitprägte.

