Langer Beifall im Stehen am Ende: Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel wurde am Montagabend im Sulzer Backseinbau von vielen Wegbegleitern und Freunden in den Ruhestand verabschiedet.

Kreis Rottweil/Sulz – Michels Stellvertreter Hermann Kopp brauchte geraume Zeit, um alle Ehrengäste zu begrüßen – Gäste, die Michel die Ehre erwiesen. Jetzige und ehemalige Abgeordnete, Landrats-Kollegen nicht nur aus angrenzenden Kreisen, der Regierungspräsident samt seinem Vize, aber auch Michels Vorgänger Manfred Autenrieth hatten sich in der Sulzer Stadthalle versammelt. Um nur diese zu nennen.
Einer allerdings nicht: „Ich bin nicht Thomas Strobl“, so begann der Vertreter des Innenministeriums seine Rede. Doch der Politiker, der diese Aufgabe übernommen hatte, ist auch nicht irgendwer: Thomas Blenke ist Staatssekretär im Innenministerium des Landes – und auch er nimmt dieser Tage seinen Abschied in Richtung Ruhestand. Strobl, so erläuterte Blenke den Wechsel, nehme am Abschied von Ministerpräsident Winfried Kretschmann teil. Der Grund, warum es auch Blenke nach seiner Ansprache eilig hatte, nach Stuttgart zu kommen.
Drei Dinge, so sagte Blenke, zeichneten den Landrat aus: Unermüdlicher Einsatz, Pflichtbewusstsein und „24/7 Bereitschaft“. Er hob insbesondere auf Michels Wiederwahlen ab: Die Wahl für die ersten acht Jahre sei Zeichen des Vertrauensvorschusses. Die zwei Wiederwahlen hätten gezeigt, „dass Sie sehr viel richtig gemacht haben“. Er zählte auf, was in Michels 24-jähriger Ära alles erreicht worden war, vom Ausbau des Schulstandorts über die Sicherung der Gesundheitsvorsorge, vom Öffentlichen Nahverkehr bis zum Breitbandausbau. Corona- und Flüchtlingskrise habe er gut bewältigt. Michels Nachfolger Christoph Keckeisen erbe ein „wohl bestelltes Feld“. Und zum scheidenden Landrat: „Michel, jetz isch bald over“.
Doppel-Präsident und Kollege
„Kaum ist der Wolf ins Jagdgesetz aufgenommen, schon zieht er sich zurück.“ Mit viel Humor würzte Dr. Achim Brötel, der Präsident des Deutschen und des baden-württembergischen Landkreistags, seine Rede. Er erwähnte auch, dass Michel seit dem vorigen Jahr Vorsitzender der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände ist. Und meinte dazu, Michel sollte auch künftig „für maßvolle Tarifabschlüsse“ sorgen. Brötel überreichte Michel die Medaille des Landkreistags.
Der Personalrats-Vorsitzende

„Sie hinterlassen eine Baustelle“ – was Christoph Eberle, der Vorsitzende des Landratsamts-Personalrats, seinem bisherigen Chef sagte, war nicht etwa böse gemeint. Es ging vielmehr um die Baustelle für das neue Landratsamt. „Mehr Aufgaben, mehr Personal“, sagte der Vertreter von 746 Mitabeiterinnen und Mitarbeitern. Dafür brauche es auch ein geeignetes Gebäude.
Der Bürgermeister
Marcus Türk, erster stellvertretende Vorsitzender des Kreistags und Bürgermeister von Villingendorf, erklärte, Abschied sei wie Reisen. Und er zählte die Reisen des Landrats auf: Nach Ravensburg zur OEW (wo Michel stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender ist). Nach Karlsruhe zur EnBW (Aufsichtsratsmitglied). Nach Villingen zum Regionalverband (Vorsitzender). Und nach Berlin. Dienstreisen also. Gerechnet hatte Türk auch: In Michels 24 Amtsjahren seien über 1,2 Milliarden Euro an Kreisumlage von den Gemeinden zum Landkreis geflossen.
Dr. Michels Dankesworte

„Der Kreis Rottweil ist mir zur Heimat geworden“, sagte Michel, der zuvor in Offenburg und mehrere Jahre in Stuttgart gearbeitet hatte. Er komme ja auch aus der Region, sagte der gebürtige Schwenninger.
Michel selbst hob auf die 24 Jahre des Miteinanders ab. Viele Weichen seien in dieser Zeit gestellt worden.Und das seei alles nur machbar gewesen, weil alle an einem Strang gezogen haben. Sogar über die Kreisumlage sei man sich immer einig geworden – „was sind da 1,2 Milliarden“. „Der Lankreis Rottweil isr, was die Einwerbung von Fördermitteln betrifft, unbegrenzt belastbar“, sagte Michel. Die „Blaulichtfamilie“, Freunde und Helfer, sei ihm immer am Herzen gelegen, wie auch die Justiz. Er hob auch die „tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ im Landratsamt hervor, quer durch alle Fachbereiche. Viele hätten bis zur Belastungsgrenze gearbeitet, „manche auch darüber hinaus“. Er starte nun neu durch –als „stellvertretender Haushaltsvorstand“. Langer Beifall im Stehen gab es darauf von den etwa 250 Gästen.

Urkunden-Aufklärung
Von der „Entlass-Urkunde“ war bei der Verabschiedung die Rede. So stand es auch auf dem gedruckten Programm. Die Rede war auch davon, dass Michel schon einmal vom Land entlassen worden sei – 2002, vor 24 Jahren, um sein Amt als Landrat antreten zu können. Die Urkunde allerdings, die er von Regierungspräsident Gabbert erhielt, trug nicht das Landeswappen. Sondern war vom Landkreis ausgestellt, unterschrieben von Marcus Türk. Mit „Dank und Anerkennung für die dem Landkreis geleisteten treuen Dienste“. Auf Frage der NRWZ stellte die Pressesprecherin des Landratsamts, Andrea Schmider, klar: „Da mein Noch-Chef in den offiziellen Ruhestand geht, bekommt er keine Entlassungsurkunde vom Land – die bekommt man nur, wenn man beispielsweise in den Vorruhestand geht oder vom Land in eine andere Behörde auf andere Ebene wechselt. Dann wird man vom Land quasi „entlassen“. Deshalb hat der Landkreis ihm als Ehre zum Abschied eine Abschiedsurkunde ausgestellt, und die wurde überreicht.“ Ist doch auch eine schöne Geste.

Doppelrolle
Die musikalische Begleitung und Auflockerung kam vom Musikverein Hopfau. In deren Reihen zog sich Hermann Kopp nach seiner Begrüßung zurück. Und machte seine Sache als Hornist sehr gut.

Im Anschluss gab es noch einen Stehempfang. Viele Gespräche und Begegnungen gab es. Unter ihnen auch Manfred Autenrieth, vor Kurzem 89 Jahre geworden. Sie repräsentieren zusammen, wenn man so will, 61 Jahre an der Spitze des Landkreises: Autenrieth war 29 Jahre im Amt, Michel 24. Und Keckeisen ist für acht Jahre gewählt.

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