Kern-Liebers Chef Speckert: Weniger Abhängigkeit vom Auto

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Schramberg.  Kern-Liebers kommt nicht zur Ruhe. Nach der Ankündigung des Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Kern-Liebers Erek Speckert, den Arbeitgeberverband zu verlassen, wird es am Montag eine außerordentliche Betriebsversammlung geben. Bereits heute hat die IG Metall zum Beginn der Frühschicht ein Flugblatt verteilt.

Mit dem Flugblatt erläuterte die Gewerkschaft der Belegschaft die rechtlichen Auswirkungen des Verbandsaustrittes für die Beschäftigten. In der vergangenen Woche hatte Speckert bei einer Informationsveranstaltung die Belegschaft über den Austritt aus dem Arbeitgeberverband informiert. Auf Nachfrage der NRWZ hat er sich zu dieser Veranstaltung und den dort gemachten Aussagen geäußert.

Für Georg Faigle, den zweite Bevollmächtigten der IG Metall Freudenstadt, „löst der Verbandsaustritt nicht die Probleme von Kern-Liebers, sondern schafft einen neuen Konflikt“. Nach dem Verbandsaustritt müssten die bestehenden Tarifverträge weiterhin eingehalten werden, schreibt Faigle in einer Pressemitteilung.

Diesen Anspruch auf die Tarifverträge hätten die IG Metall Mitglieder zu 100 Prozent. Zu den bestehenden Tarifverträgen zähle auch das Tarifergebnis von 2022. Auf der Rückseite des vierseitigen Flugblattes findet sich denn auch ein Aufnahmeantrag für die IG Metall.

Teil der Titelseite des IG Metall Flugblatts.

IG Metall: Kennen keine Unterschriftenliste

Der Arbeitgeberverband hätte vor dem Austritt die IG Metall aufgefordert, in Verhandlungen über einen neuen Ergänzungstarifvertrag zu treten, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die Arbeitgeberseite habe dies mit geleisteten Unterschriften der allermeisten Beschäftigten begründet, die an die Geschäftsführung adressiert gewesen sein soll. Darin soll die Geschäftsführung auf Grundlage ihres Konzeptes einen neuen Antrag bei der IG Metall stellen. „Diese Unterschriftenliste liegt der IG Metall nicht vor“, heißt es weiter.

Dass die IG Metall auf dies nicht eingehen könne, „liegt auf der Hand“, so Faigle. Für die Gewerkschaft seien die Mitglieder „der Souverän und diese haben zwei Mal in einem Mitgliedsentscheid der IG Metall kein Verhandlungsmandat erteilt“. Und weiter: „Für Gespräche mit der Geschäftsführung stand die IG Metall und steht sie auch weiterhin zur Verfügung.“

Die IG Metall werde zeitnah mit ihren Mitgliedern in einer Mitgliederversammlung über die eingetretene Situation beraten, heißt es abschließend.

Speckert: Abhängigkeit vom Verbrenner reduzieren

Der Vorsitzende der Geschäftsleitung von Kern-Liebers, Dr. Erek Speckert hat bei einer Info-Veranstaltung in der vergangenen Woche von hohen Verlusten berichtet, die in einzelnen Sparten aufgelaufen seien. Er hat angekündigt, die Sparte W komplett verlagern zu wollen, wie er auf Nachfrage der NRWZ bestätigt.

Für die Beschäftigten dieser Abteilung, die 95 zu Prozent für die Automobilindustrie und deren Verbrennermotoren arbeite, sollen gemeinsam mit dem Betriebsrat Lösungen gefunden werden, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

Außerdem werden aufgrund der Veränderungen in der Automobilindustrie weitere 50 Stellen am Standort wegfallen. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Management und Betriebsrat sollen hierfür Lösungen gefunden werden.

Zu hohe Kosten in der Ausbildung

Speckert hat auch angekündigt, dass im Ausbildungsbereich die Kosten um die Hälfte reduziert werden müssen. Die Ausbildung koste derzeit drei Millionen Euro pro Jahr, das könne sich das Unternehmen auf Dauer nicht leisten.

Gleichzeitig, so Speckert, soll unter anderem über die Akquise von Neugeschäft und Verlagerungen der Standort Schramberg langfristig gesichert und neu ausgerichtet werden. Ziel sei es, die Abhängigkeit von der Automobilindustrie, insbesondere dem Vebrennermotor deutlich zu reduzieren.

Bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung am kommenden Montag werden Geschäftsleitung, Betriebsrat und IG Metall mit der Belegschaft darüber diskutieren, wie es bei Kern-Liebers weiter geht.

 

Martin Himmelheber (him)
Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.

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