Stuttgart / Rottweil. Die Zeckensaison hat in Baden-Württemberg praktisch schon begonnen. Wegen der milden Winter sind die Parasiten inzwischen fast ganzjährig aktiv. Das Landesgesundheitsamt meldet bereits den ersten FSME-Fall des Jahres. Gesundheitsminister Manne Lucha appelliert deshalb an die Bevölkerung – auch im Kreis Rottweil – den Impfschutz zu überprüfen.
Zecken schon aktiv – erster FSME-Fall gemeldet
In Baden-Württemberg ist der erste Fall der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in diesem Jahr registriert worden. Wie das Landesgesundheitsamt mitteilte, wurde die Erkrankung im Ostalbkreis festgestellt.
Gesundheitsminister Manne Lucha warnte deshalb vor einer zunehmenden Gefahr durch Zecken:
„FSME ist eine Viruserkrankung, gegen die es keine Therapie gibt, aber einen sehr wirksamen Schutz – die Impfung. Sie ist sicher, gut verträglich und schützt zuverlässig.“
Der Minister empfiehlt insbesondere Menschen, die sich viel im Freien aufhalten, ihren Impfstatus zu prüfen.
Auch der Kreis Rottweil gilt als Risikogebiet
Laut dem Robert-Koch-Institut gelten nahezu alle Landkreise in Baden-Württemberg als FSME-Risikogebiete – darunter auch der Kreis Rottweil. Nur der Stadtkreis Heilbronn ist ausgenommen.
Für eine Region wie den Schwarzwald-Baar-Heuberg-Raum mit viel Wald, Wiesen und Freizeitaktivitäten im Freien bedeutet das ein dauerhaft erhöhtes Risiko. Wanderer, Radfahrer, Gartenbesitzer oder Kinder beim Spielen im Grünen können leicht mit Zecken in Kontakt kommen.
Impfquote weiterhin niedrig
Trotz der bekannten Risiken ist die Impfbereitschaft im Land vergleichsweise gering.
2024 waren nur rund 17 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen FSME geimpft.
Im vergangenen Jahr wurden in Baden-Württemberg 260 FSME-Erkrankungen gemeldet – der vierthöchste Wert seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001. Die Zahlen schwanken zwar jährlich, zeigen langfristig aber einen leichten Anstieg.
Drei Impfungen für vollen Schutz
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung allen Menschen, die sich in Risikogebieten im Freien aufhalten.
Für den vollständigen Schutz sind drei Impfungen notwendig. Wer kurzfristig Schutz benötigt, kann ein Schnellimpfschema nutzen: Zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen sorgen nach rund drei Wochen für einen guten Schutz. Auffrischungen sind je nach Alter alle drei bis fünf Jahre erforderlich. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten.
FSME-Fälle in der Region
Baden-Württemberg gehört zu den am stärksten betroffenen Bundesländern Deutschlands. 2024 wurden im Südwesten rund 172 bis über 220 FSME-Erkrankungen gemeldet – je nach Auswertung der Meldedaten. Damit lag das Land erneut an zweiter Stelle hinter Bayern.
Deutschland gesamt (2024): etwa 686 gemeldete FSME-Fälle.
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg (Kreise Rottweil, Schwarzwald-Baar, Tuttlingen):
- jedes Jahr werden nur wenige Einzelfälle registriert
- in manchen Jahren gar keine, in anderen einige wenige Erkrankungen
- das Risiko gilt dennoch als erhöht, weil alle Landkreise der Region offiziell FSME-Risikogebiete sind
Kreis Rottweil:
- gehört vollständig zum FSME-Risikogebiet laut Robert-Koch-Institut
- Infektionen treten unregelmäßig und meist in sehr niedriger Zahl auf
Fachleute betonen deshalb: Auch bei wenigen Fällen ist der Impfschutz wichtig, weil die Krankheit schwer verlaufen kann und es keine spezifische Therapie gibt.
Auch Borreliose möglich
Neben FSME können Zecken auch Borreliose übertragen. Typisches erstes Anzeichen ist ein sich ausbreitender roter Ring um die Einstichstelle – die sogenannte „Wanderröte“. Wird die bakterielle Infektion früh erkannt, lässt sie sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln.
Tipps zum Schutz vor Zecken
- Impfstatus prüfen und gegebenenfalls auffrischen lassen
- Helle, geschlossene Kleidung und festes Schuhwerk tragen
- Zeckenschutzmittel (Repellentien) verwenden
- Nach Aufenthalten im Freien den Körper gründlich nach Zecken absuchen
- Gefundene Zecken möglichst schnell entfernen
Wo Zecken in der Region besonders häufig vorkommen
Zecken fühlen sich vor allem in feuchten, bewachsenen Landschaften wohl. In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg gibt es zahlreiche typische Lebensräume der Parasiten. Besonders häufig sind sie in folgenden Gebieten anzutreffen:
Waldgebiete im Schwarzwald und am Schwarzwaldrand
- Wanderwege, Waldparkplätze und Rastplätze
- Wälder rund um Schramberg, Lauterbach, Hardt und Tennenbronn
- Mischwälder und Waldränder mit dichtem Unterholz
Täler und Flusslandschaften
- Neckartal zwischen Rottweil und Oberndorf
- Uferbereiche von Neckar, Eschach oder Schiltach
- feuchte Wiesen und Böschungen entlang von Radwegen
Wiesen, Gärten und Freizeitflächen
- hohe Gräser in Streuobstwiesen und Feldrändern
- Hausgärten und Parks, wenn dort Laub und Gebüsch liegen bleiben
- Spiel- und Liegewiesen in Naherholungsgebieten
Wichtig: Zecken lassen sich nicht von Bäumen fallen, sondern sitzen meist in Gräsern oder niedrigen Sträuchern bis etwa einen Meter Höhe und streifen beim Vorbeigehen auf Menschen oder Tiere über.
Zecke entdeckt – so entfernt man sie richtig
Wer nach einem Aufenthalt im Freien eine Zecke entdeckt, sollte sie möglichst schnell entfernen. Je früher das geschieht, desto geringer ist das Risiko einer Infektion.
So geht es richtig:
- Zecke mit einer Pinzette, Zeckenkarte oder Zeckenzange greifen – möglichst hautnah am Kopf der Zecke.
- Langsam und gerade herausziehen, ohne zu drehen oder zu quetschen.
- Stichstelle desinfizieren und die Stelle einige Tage beobachten.
- Datum des Stichs merken, um Veränderungen leichter zuzuordnen.
Das sollte man vermeiden:
- Die Zecke nicht mit Öl, Alkohol oder Klebstoff beträufeln.
- Die Zecke nicht zerdrücken oder stark zusammendrücken.
- Die Zecke nicht herausdrehen – dabei können Teile stecken bleiben.
Wann zum Arzt?
- Wenn sich um die Einstichstelle ein roter Ring („Wanderröte“) bildet
- Bei Fieber, Kopfschmerzen oder grippeähnlichen Beschwerden nach einem Stich
- Wenn sich die Zecke nicht vollständig entfernen lässt
Tipp: Besonders nach Spaziergängen oder Gartenarbeit sollte der Körper – vor allem Kniekehlen, Leisten, Achseln, Haaransatz und hinter den Ohren – gründlich nach Zecken abgesucht werden.