Villingen-Schwenningen/Rottweil. Die Diskussion um eine kommunale Verpackungssteuer gewinnt in der Region an Brisanz. In Villingen-Schwenningen warnen die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg und der Gewerbeverband Oberzentrum (GVO) eindringlich vor der Einführung einer solchen Abgabe – und verweisen indirekt auf die Entscheidung in Rottweil, genau diesen Schritt nicht zu gehen.
Dort hatte der Gemeinderat im Jahr 2025 nach intensiver Debatte bewusst auf eine Verpackungssteuer verzichtet. Die Mehrheit argumentierte damals, zusätzliche Belastungen für Gastronomie und Einzelhandel vermeiden zu wollen – gerade mit Blick auf die ohnehin angespannte Lage vieler Betriebe und die Attraktivität der Innenstadt.
Genau diese Punkte greifen nun auch die Wirtschaftsvertreter mit Blick auf Villingen-Schwenningen auf. Eine Verpackungssteuer sei „unverhältnismäßig, bürokratietreibend und wirtschaftlich schädlich“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Produkte würden künstlich verteuert, während Gastronomie und Einzelhandel zusätzlich belastet würden.
IHK-Vertreter Philipp Hilsenbek betont: Rechtliche Zulässigkeit bedeute nicht automatisch Sinnhaftigkeit. Die ökologische Wirkung sei bislang nicht belegt – die wirtschaftlichen Nachteile dagegen deutlich spürbar. Besonders kritisch sehen die Verbände den bürokratischen Aufwand: Dokumentationspflichten, Schulungen und komplexe Regelwerke könnten viele Betriebe überfordern.
Auch mit Blick auf die Innenstädte warnen IHK und GVO vor Folgen: Eine zusätzliche Abgabe könne die Wettbewerbsfähigkeit schwächen und damit die ohnehin unter Druck stehenden Zentren weiter belasten.
Die Verbände appellieren deshalb an die Kommunalpolitik in Villingen-Schwenningen, auf eine Verpackungssteuer zu verzichten und stattdessen gemeinsam mit der Wirtschaft praktikable Lösungen zur Müllvermeidung zu entwickeln.
Der Vergleich mit Rottweil zeigt: Der politische Spielraum ist vorhanden – und die Entscheidung fällt letztlich zwischen ökologischen Zielen, wirtschaftlicher Realität und der Zukunft der Innenstädte.

