Deißlingen-Lauffen – Es ist ein erstaunlicher Garten da oben in Lauffen, am Rand des Buchwalds. Zwischen alten Bäumen und Blumen stehen und hängen Kuriositäten aus Holz und Metall: ein kugeliger Typ in gestreifter Badehose, kurz vor dem Absprung ins nicht vorhandene Nass, eine Dame, die offenbar gerade daraus gestiegen ist und ihre Blöße mit einem Handtuch bedeckt, steinerne Porträts, denen Haare aus Moos gewachsen sind, Figuren aus rostigen Zahnrädern, ein Stück Tuffstein auf einer alten Stele – und Masken, immer wieder Masken.
Letzteres hat damit zu tun, dass der Erschaffer all dieser Werke, Raimund Ilg, auch jener Mann ist, der die Masken der Lauffener Fasnet schnitzt: die traditionellen „Kröpfer“, oft mit den Gesichtszügen bekannter Lauffener versehen, ebenso wie die „Hoadamale“, jene Waldgeister mit ihren markanten Larven (Holzmasken). Gelernt hat Ilg das Handwerk von seinem Vater Willi, der die Figuren einst entwickelte. „Mein Vater sagte zu mir: ‚Entweder du machst es, oder das stirbt aus'“, erinnert sich Raimund Ilg. Also studierte er Bildhauerei, wurde Kunsterzieher und kümmerte sich fortan auch um die Lauffener Narrenkleidle, die traditionellen Fasnetskostüme.
Seine eigenen Kinder zeigten wenig Interesse an der Schnitzerei. Nun ist da aber der sechsjährige Enkel, der bereits seine erste eigene Hoadamale-Maske geschnitzt hat. Aus Thuja-Holz, das relativ weich ist – im Gegensatz zum Lindenholz, mit dem sein Großvater meist arbeitet.
Denn auch manch ein Fan der Rottweiler Fasnet wendet sich an Raimund Ilg. Er schnitzt Federahannes-, Schantle- oder Rösslelarven – allerdings nach seinen eigenen Vorstellungen. Die strengen Vorgaben der Rottweiler Narrenzunft sieht er kritisch. „Das ist ganz nahe an der Fräse, nur reproduktiv, nicht kreativ, nicht innovativ“, sagt er über die Arbeit mit festen Schablonen. „Die merken gar nicht, dass sie die Zeit verschlafen.“
Dasselbe drohe auch in Lauffen – allerdings aus anderen Gründen, meint Ilg. Denn wenn er eines Tages nicht mehr selbst schnitzen oder beschädigte Masken herrichten könne, gebe es kaum jemanden, der weitermache. Ob sein Enkel später tatsächlich dabei bleibt, könne heute niemand sagen. Raimund Ilg erinnert sich noch gut an seine eigene Jugend. In der Schule sei er „der Schnitzer“ gewesen – und habe das damals überhaupt nicht geschätzt.
Heute ist Ilg im Ruhestand – und weit davon entfernt, sich auszuruhen. Das zeigt sich nicht nur im Garten, sondern noch stärker in seiner Werkstatt. Dort hängen geschnitzte Kuckucksuhren-Zeiger aus der Werkstatt seines Vaters neben Figuren mit Pandemie-Masken, daneben stehen Drechselarbeiten, Farbproben und Experimente mit unterschiedlichsten Materialien. Raimund Ilg mischt seine Farben selbst und legt sich ungern fest.
Seine Leidenschaft galt dem Kunstunterricht, Workshops für Kollegen und den Büchern, die er als Lernhilfen veröffentlichte – „der Kunst im erzieherischen Sinn“, wie er sagt. „Ich war Vollblut-Kunsterzieher“, betont er. Mit dem kommerziellen Kunstmarkt oder der Kunstszene in und um Rottweil habe er dagegen nie viel anfangen können. „Da hätte ich mich nie wohlgefühlt.“
Lieber arbeitet er in seinem Atelier und stellt die Ergebnisse anschließend in den Garten. Dort dürfen sie altern, verwittern und irgendwann vergehen. Damit hat Raimund Ilg kein Problem. Sorge bereitet ihm allerdings die Frage der Nachfolge. „Ich will, dass die Tradition am Leben bleibt. Ich bin überzeugt, dass sie ihren Zweck hat, wenn die Menschen daran ihre Freude haben.“
Darum will er sich weiter um die Kröpfer und die Hoadamale kümmern – solange es eben geht.
Was sind die Hoadamale?
Die „Hoadamale“ gehören zu den traditionellen Figuren der Lauffener Fasnet. Der Name leitet sich vom Dialektwort „Hoad“ für Wald oder Heide ab: Dargestellt werden freche, teils wilde Waldgeister mit markanten Holzmasken, die bis heute in Handarbeit geschnitzt werden – oft über Generationen hinweg innerhalb einzelner Familien. Neben ihnen prägen die „Kröpfer“, die häufig bekannte Gesichter aus dem Ort karikieren, die Lauffener Narrentradition.
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