Von zwei „extrem tief­flie­gen­den und extrem lau­ten Jets über Locher­hof” hat uns am Mitt­woch eine Lese­rin berich­tet. „So einen extrem lau­ten Tief­flug habe ich bis­her noch nie hier erlebt. Ich war mit den Hun­den, die panisch weg gerannt sind, spa­zie­ren und mir klin­geln die Ohren immer noch… Wahn­sinn… ich hof­fe, dass das nicht zur Gewohn­heit wird.”

Wir haben uns bei der Bun­des­wehr  erkun­digt, was das denn war.  Ein Spre­cher des Luft­fahrt­am­tes der Bun­des­wehr bestä­tigt, dass es zwei deut­sche Euro­figh­ter waren, die unse­re Lese­rin erschreckt haben: „Die bei­den Maschi­nen der Luft­waf­fe flo­gen aus Rich­tung Rott­weil nach Wes­ten. Eines der Flug­zeu­ge kam dabei etwa 2,4 Kilo­me­ter süd­lich an Locher­hof vor­bei. Das ande­re flog um Flöz­lin­gen eine Kur­ve und ent­fern­te sich Rich­tung Nord­ost. Bei­de Kampf­flug­zeu­ge flo­gen in einer Höhe zwi­schen 1150 und 1400 Fuß über Grund (etwa 350 bis 430 Meter) und mit einer Geschwin­dig­keit von 410 Kno­ten (etwa 760 Kilo­me­ter pro Stun­de).”

Die Euro­figh­ter sei­en im Rah­men des täg­li­chen Rou­ti­ne­flug­be­trie­bes unter­wegs gewe­sen und hät­ten dabei „Flü­ge im nied­ri­gen Höhen­band”, zu deutsch Tief­flug, geübt. „Da das beson­de­re Ein­satz- und Auf­ga­ben­spek­trum der Bun­des­wehr an die Pilo­ten hohe Anfor­de­run­gen stellt, müs­sen auch Tief­flug­ver­fah­ren immer wie­der geübt wer­den.”

Grund­sätz­lich sei mili­tä­ri­scher Flug­be­trieb über­all in Deutsch­land zuläs­sig. Das schlie­ße Flü­ge im nied­ri­gen Höhen­band, also in Höhen­be­rei­chen unter 2000 Fuß (etwa 600 Meter über Grund) ein. Die dabei ein­zu­hal­ten­de Min­dest­hö­he über Grund beträgt 1000 Fuß (etwa 300 Meter). „Die­se darf inner­halb eines vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung streng limi­tier­ten Kon­tin­gents unter­schrit­ten wer­den und liegt dann bei 500 Fuß (etwa 150 Meter über Grund)”, so der Spre­cher wei­ter. Ganz so extrem tief waren die bei­den Pilo­ten dann doch nicht über Locher­hof und Flöz­lin­gen hin­weg­ge­don­nert.

Sorry, keine Absicht

Der Spre­cher schreibt wei­ter: „Mili­tä­ri­sche Tief­flü­ge kön­nen auf man­che Men­schen sehr über­ra­schend oder gar erschre­ckend wir­ken. Das ist nicht beab­sich­tigt, aber lei­der nicht immer ver­meid­bar.”

Die Bun­des­wehr habe auch des­we­gen sol­che Flug­be­we­gun­gen tags­über nicht an bestimm­te Stre­cken­füh­run­gen gebun­den, um sie mög­lichst gleich­mä­ßig über den gesam­ten Luft­raum der Bun­des­re­pu­blik ver­tei­len zu kön­nen. Selbst­ver­ständ­lich wer­de dabei ver­sucht, bewohn­te Gebie­te nicht zu über­flie­gen. „Aber die dicht besie­del­te Bun­des­re­pu­blik setzt die­sem Vor­ha­ben neben den gesetz­li­chen und flug­be­trieb­li­chen Rege­lun­gen enge Gren­zen”, heißt es abschlie­ßend.

Gewohn­heit wird es also nicht wer­den, aber immer mal wie­der kann’s pas­sie­ren, wenn wir den Spre­cher des Luft­fahrt­am­tes der Bun­des­wehr rich­tig ver­stan­den haben.

Unser Bild zeigt zwei Euro­figh­ter bei einer Flug­schau. Foto:
Bundeswehr/Agathe Kul­la