Rottweil – Wahlkampf kann laut, zugespitzt und konfrontativ sein. In Rottweil zeigte er sich an diesem Sonntagabend von einer anderen Seite: persönlich, humorvoll und stellenweise erstaunlich nachdenklich. Beim Bühnen-Talk traf CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel auf den Rottweiler Landtagsabgeordneten Stefan Teufel – und beide gewährten Einblicke, die über klassische Wahlkampfbotschaften hinausgingen. Das Gespräch leitete der Moderator Michael Harter.
Politische Freundschaft mit landwirtschaftlichen Wurzeln
Kennengelernt haben sich Hagel und Teufel bereits 2013 – vermittelt vom früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel bei einem CDU-Bezirksparteitag. „Sympathie war von Anfang an da“, sagte Hagel. Beide verbindet ihre Herkunft vom Bauernhof. Diese Prägung sei mehr als nur eine biografische Randnotiz, betonten sie: Sie stehe für Bodenständigkeit und eine Politik mit Blick auf ländliche Räume.
Teufel ergänzte, wer in einem Wahlkreis wie Rottweil unterwegs sei, werde automatisch vom Fleiß und der „Aufsteigermentalität“ der Menschen geprägt. Das spiegele sich auch in seinen politischen Schwerpunkten wider.
Familie als Erdung – und Quelle peinlicher Momente
Besonders persönlich wurde es, als Hagel über seine drei Söhne sprach. Familie sei „das Wichtigste überhaupt“. Aufgewachsen in einer großen Verwandtschaft, viel draußen, viel Bewegung – dieses Lebensgefühl wolle er auch seinen Kindern weitergeben. Ebenso wichtig sei ihm, zuzuhören und andere Meinungen ernst zu nehmen: „Verstehen vor bewerten.“
Dass der Vater als Spitzenkandidat landesweit auf Plakaten hängt, sorgt zuhause allerdings für Diskussionen. Sein ältester Sohn beschwerte sich über Wahlwerbung am Schulbus: „Papa, das ist voll peinlich.“ Hagel nahm es mit Humor – und viel Gelächter im Saal.
Auch die Fastnacht sorgt familiär für Reibung: Einer der Söhne weigere sich standhaft, das traditionelle Häs mit Rock zu tragen. „Er hält sich lieber am Treppengeländer fest“, schilderte Hagel schmunzelnd.


Fasnet und Blutfreitag als feste Anker
Für Stefan Teufel sind zwei Termine im Jahr unantastbar: die Rottweiler Fasnet und der Blutfreitag in Weingarten. Die Fasnet sei „unsere DNA“, Ausdruck von Lebensfreude, aber auch von der Erfahrung, dass Freude und Leid zum Leben gehören. Der Blutfreitag dagegen sei für ihn eine spirituelle Auszeit: eine mehrstündige Reiterprozession, Gebet und Gemeinschaft. „Einmal im Jahr muss man auch Kraft tanken“, sagte Teufel.
Kraft findet er außerdem in den Bergen Südtirols. Die Dolomiten stünden für Ruhe und Reflexion – ein Gegenpol zum politischen Alltag.
Begegnung mit dem Papst als prägendes Erlebnis
Nach einer besonders eindrucksvollen Begegnung gefragt, erzählte Hagel von einem Treffen mit Papst Franziskus in Rom. Er habe erlebt, wie der Papst sichtbar unter Schmerzen litt – und dennoch Menschen mit festem Händedruck und klarem Blick begegnete. Ebenso beeindruckt habe ihn die Haltung der Päpstlichen Schweizergarde, die für den erkrankten Pontifex bete. Dieses Zusammenspiel aus Leiden, Würde und Glauben habe ihn tief bewegt.
Politik wie Mannschaftssport
Parallelen zwischen Sport und Politik sieht Hagel klar: Erfolg gebe es nur im Team. Landespolitik funktioniere nur, wenn Fraktion und Partei zusammenstünden und jemand integrieren könne. „Du brauchst Ambition – und ein Team, das die gleiche Idee teilt.“
Beim Thema Fußball wurde es regional: Das Baden-Württemberg-Duell zwischen VfB Stuttgart und SC Freiburg (es endete 0:1) sorgte für geteilte Reaktionen im Saal. Teufel bekannte sich als VfB-Mitglied – der Applaus blieb dennoch „verhalten“.
Mehr als Politik: Engagement im Kreisverband
Teufel betonte, der CDU-Kreisverband Rottweil verstehe sich nicht nur als politische Organisation. Aktionen wie Nistkästen für soziale Einrichtungen oder dezentrale Erste-Hilfe-Kurse zeigten, dass man auch gesellschaftlich Verantwortung übernehmen wolle. Politik solle in die Gesellschaft hineinwirken.
Zuversicht aus Glauben und Vielfalt
Zum Abschluss ging es um die Frage nach Zuversicht. Teufel zitierte Dietrich Bonhoeffer: „Der kürzeste Weg zwischen Menschen ist die Begegnung.“ Dialog sei die Grundlage guter Politik.
Hagel knüpfte daran an und sprach über Baden-Württemberg als „Einladung“: ein Land mit vielen Dialekten, Landschaften und Traditionen, das aus Vielfalt Stärke ziehe. Entscheidend sei, Unterschiede nicht trennend wirken zu lassen, sondern daraus etwas Gemeinsames zu schaffen. Jeder sei willkommen, der die gemeinsamen Werte teile.
Der Abend endete mit Applaus – und dem, was beide Politiker als ebenso wichtig beschrieben hatten wie jede Rede: Gespräche bei Suppe und Getränken.



