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Samstag, 7. Dezember 2019
Start Mei­nung Leser­brie­fe Lau­ter­bach, ein ”ster­ben­des Dorf”?

Lauterbach, ein ”sterbendes Dorf”?

Leser­brief zu: „Volks­bank schließt Filia­le in Lau­ter­bach“ in der NRWZ vom 21. Sep­tem­ber

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Der NRWZ vom 21. Sep­tem­ber 2019 ent­nahm ich die Infor­ma­ti­on, dass die Volks­bank ihre Filia­le in Lau­ter­bach schlie­ßen wird. Die­se Nach­richt hat mich sehr nach­denk­lich gemacht: Wie­der eine Insti­tu­ti­on weni­ger in Lau­ter­bach! Was ist aus dem einst so blü­hen­den Lau­ter­bach gewor­den, in dem ich selbst eine glück­li­che Kin­­der- und Jugend­zeit erle­ben durf­te?

Ich erin­ne­re mich an einst sie­ben (!) Lebens­mit­tel­lä­den in Lau­ter­bach, an Beklei­dungs­ge­schäf­te, an meh­re­re Schuh­ge­schäf­te, Fri­seur­sa­lons, an ein viel­fäl­ti­ges Ange­bot von Bäcke­rei­en und Metz­ge­rei­en, wel­che sich vom Unter­dorf bis zum Hölz­le hin­zo­gen, an eine Dro­ge­rie. Und an den schö­nen Mini­golf­platz.

Nach der Sonn­tags­mes­se hat­te man für den Früh­schop­pen die Qual der Wahl: Gleich meh­re­re Gast­stät­ten ”den Fel­sen hoch” luden zur Ein­kehr ein. Mit dem Hal­len­bad aller­dings hat­te sich Lau­ter­bach wohl über­nom­men…

Und heu­te?

Ein­mal mehr schließt ein mar­kan­tes Gebäu­de in der Dorf­mit­te sei­ne Pfor­ten. Wie­der ein Sevice­an­ge­bot weni­ger für die Ein­woh­ner. Was bleibt? End­los lan­ge wäh­ren­de Bau­stel­len, wenn man nach Lau­ter­bach kommt. Hät­te man im Dorf nicht noch eini­ge hoch­qua­li­fi­zier­te Hand­werks­be­trie­be und – soweit ich es beur­tei­len kann – ein gut funk­tio­nie­ren­des Ver­eins­le­ben, man müss­te Lau­ter­bach als ”ster­ben­des Dorf” bezeich­nen.

Wenn ich des öfte­ren umlie­gen­de Dör­fer wie Hardt, Aich­hal­den, Bösin­gen besu­che, fra­ge ich mich, war­um die­se Gemein­den den gan­zen Struk­tur­wan­del offen­sicht­lich viel bes­ser bewäl­tigt haben als das einst so leben­di­ge Lau­ter­bach. Als nun­mehr Außen­ste­hen­der fragt man sich schon, ob es an der feh­len­den Prä­senz, dem man­geln­den Enga­ge­ment, den ver­ge­be­nen Chan­cen oder dem feh­len­den Herz­blut der Orts­füh­rung liegt, dass Lau­ter­bach heu­te so dasteht? Aber das zu beur­tei­len über­las­se ich den ”Insi­dern” von Lau­ter­bach…

Nur, was die Schlie­ßung der Volks­bank­fi­lia­le betrifft: Auch wenn in Zei­ten einer Null-Zins-Poli­­tik der Ban­ken der frü­her umwor­be­ne Kun­de längst nicht mehr ”König” ist, so kann er den­noch ein deut­li­ches Zei­chen ”nach oben” sen­den: Man wech­selt ein­fach die Bank!”

Micha­el Fied­ler, Schram­berg

 

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