Das leise Plätschern wird schnell zu einem mächtigen Rauschen, je tiefer man in das Tal hinabsteigt. Fröhliches Vogelgezwitscher allüberall, dazwischen das Klopfen eines eifrigen Spechts. Zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, nur einen Steinwurf von Rottweil entfernt, verbirgt sich ein echtes Naturjuwel: die Schlichemklamm. Besonders jetzt, Mitte März, wenn die letzten Schneereste geschmolzen sind und die Frühlingssonne die ersten zarten Blüten weckt, entfaltet das ausgedehnteste Naturschutzgebiet im Landkreis Rottweil seinen ganz besonderen Zauber.
Die Schlichem, ein 34 Kilometer langer Nebenfluss des Neckars, hat sich hier über Jahrtausende tief in den harten Muschelkalk gegraben. Das Ergebnis ist eine spektakuläre Schluchtlandschaft, die an die berühmten Täler des Südschwarzwaldes erinnert, aber direkt vor unserer Haustür liegt. Das Wasser stürzt über unzählige kleine Kaskaden und Felsstufen hinab, bildet sprudelnde Strudeltöpfe und formt eine wildromantische Kulisse, die Wanderer und Naturfreunde gleichermaßen in den Bann zieht.
Auf schmalen Pfaden durchs Naturparadies
Für einen Wochenendausflug bietet sich die sogenannte “Paradiestour Schlichemklamm” an. Diese rund neuneinhalb Kilometer lange Rundwanderung startet idealerweise am östlichen Ortsrand von Epfendorf, nahe der Mündung der Schlichem in den Neckar. Von dort führt der Weg gegen den Uhrzeigersinn tief in das Naturschutzgebiet hinein.
Ein schmaler, teils wurzeliger Pfad schlängelt sich teils direkt, teils deutlich oberhalb des Flusslaufs entlang. Links und rechts ragen steile Felswände auf, die von Moosen und Farnen bewachsen sind. Wer genau hinsieht, entdeckt an den Hängen und in den lichten Laubwäldern jetzt die ersten Frühlingsboten: Zarte Märzenbecher und Schneeglöckchen recken ihre weißen Köpfchen der Sonne entgegen und verwandeln den Waldboden stellenweise in ein kleines Blütenmeer.
Historische Spuren am Wegesrand
Die Tour durch die Klamm ist nicht nur ein Natur-, sondern auch ein Kulturerlebnis. Nach etwa drei Kilometern lohnt sich ein kurzer, knackiger Aufstieg zur Burgruine Irslingen (auch Urslingen genannt). Von der einst stolzen Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert sind zwar nur noch wenige Mauerreste erhalten, doch der historische Charme und der Ausblick belohnen für die Mühe.
Wieder unten im Tal passiert man die idyllisch gelegene Ramsteiner Mühle, bevor der Weg das enge Tal verlässt und hinauf zum Hofgut Ramstein führt. Über weite Wiesen und Felder, die nun in frischem Frühlingsgrün erstrahlen, geht es mit herrlichen Ausblicken über das Neckartal zurück zum Ausgangspunkt in Epfendorf.
Praktische Tipps für den Ausflug
Die Wanderung durch die Schlichemklamm ist als mittelschwer eingestuft und erfordert eine gewisse Grundkondition sowie Trittsicherheit. Besonders im Frühjahr oder nach Regenfällen können die schmalen Pfade am Wasser rutschig sein – festes Schuhwerk mit gutem Profil ist daher absolute Pflicht. Für Familien mit größeren Kindern ist die Tour ein echtes Abenteuer, für Kinderwagen ist die Klamm jedoch nicht geeignet.
Anreise & Infos:
• Start/Ziel: Parkplatz am Buschhofweg (bei den Sportplätzen) in Epfendorf. • Strecke: ca. 9,5 Kilometer (Rundweg “Paradiestour”). • Dauer: Etwa 2,5 bis 3 Stunden reine Gehzeit. • Höhenmeter: ca. 200 Meter Auf- und Abstieg. • Einkehr: Rucksackvesper empfohlen; die flachen Fels-Terrassen am Wasser bieten sich perfekt für eine idyllische Rast an.
Nutzen Sie das kommende Frühlingswochenende, um dieses beeindruckende Naturschauspiel im Landkreis Rottweil zu entdecken. Die Schlichemklamm beweist einmal mehr: Für spektakuläre Wandererlebnisse muss man nicht weit reisen.
Hinweis: Die Bildergalerie im Titel zeigt nur einen Teil des gesamten Wanderweges.

















































