- Nach Warnmeldung gefährdeten Bereich zügig verlassen
- Bei Sichtung sofort Polizei informieren
- Auf der Autobahn niemals wenden oder rückwärtsfahren
Rund 2000-mal im Jahr werden Autofahrerinnen oder Autofahrer gemeldet, die entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf einer deutschen Autobahn unterwegs sind. Für Warnungen vor sogenannten Geisterfahrern wird in der Regel das laufende Radioprogramm unterbrochen und inzwischen verfügen auch Fahrzeuge selbst teils über Warnfunktionen. Denn Falschfahrten gefährden die Verkehrssicherheit akut. Wie Autofahrerinnen und Autofahrer auf der Autobahn zu Falschfahrern werden und was dann zu tun ist, erläutert der ACE Auto Club Europa.
Wie kommt es zu Geisterfahrten?
Nicht selten werden Autofahrende absichtlich zu Geisterfahrern: Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) spricht von 46 Prozent bewussten Falschfahrten. Es kommt etwa vor, dass Autofahrende im fließenden Verkehr wenden, um eine verpasste Ausfahrt doch noch zu nehmen. Der ACE warnt: Auch Sekunden im Gegenverkehr bedeuten akute Lebensgefahr für alle Beteiligten.
Unbeabsichtigte Falschfahrten können aus einer ungewöhnlichen Verkehrsführung oder unübersichtlicher Beschilderung resultieren. Auch kann es durch Unachtsamkeit, Fehlorientierung, eine beeinträchtigte Sicht, Alkohol- oder Drogeneinfluss dazu kommen, dass jemand falschherum auf die Autobahn auffährt.
Autobahnzufahrten, Autobahnkreuze und Rastplätze sind potenzielle Schlüsselstellen, um in falscher Richtung auf die Autobahn zu gelangen. Gerade an komplexen Knotenpunkten ist grundsätzlich eine erhöhte Aufmerksamkeit gefragt, um Irrtümer zu vermeiden. Assistenzsysteme können zudem dazu beitragen, versehentliches falsches Auffahren zu vermeiden: Fahrzeuge mit Verkehrszeichen-Assistenten warnen teils über das Display im Cockpit, sobald man in einen Straßenabschnitt entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung einfährt. Per Echtzeit-Kommunikation zwischen Fahrzeugen und ihrer Umgebung („Car-to-X“) können dann auch andere Verkehrsteilnehmende gewarnt werden. Mittlerweile gibt es außerdem Apps, die erkennen, ob das eigene Auto oder andere Fahrzeuge entgegen der Fahrtrichtung unterwegs sind, und warnen vor der Gefahr.
Geisterfahrer gesehen – wie verhalte ich mich richtig?
Wer eine Falschfahrt bemerkt, sollte sofort die Polizei verständigen. Dabei gilt es, die Position sowie die Fahrtrichtung des beobachteten Fahrzeugs so genau wie möglich anzugeben, sodass andere Verkehrsteilnehmende auf der Strecke schnellstmöglich gewarnt werden können. ACE-Tipp: Das automatische Notrufsystem im Auto zu nutzen, geht besonders schnell und übermittelt Position und Fahrtrichtung des eigenen Fahrzeugs direkt mit.
Die Folgen von Unfällen mit Geisterfahrern sind häufig besonders schwer, weil hohe Geschwindigkeiten, wenig Zeit zum Reagieren und oft ein Überraschungsmoment zusammenkommen. Eigenständige Versuche, ein entsprechendes Fahrzeug zu stoppen, sind unbedingt zu vermeiden. Sinnvoll ist es jedoch, den Geisterfahrer bei Sichtkontakt durch die Lichthupe oder Hupe auf die Gefährdungssituation hinzuweisen.
Wie sollte man auf eine Warnmeldung reagieren?
Sobald beispielsweise das Radio, Anzeigetafeln oder auch Handy- beziehungsweise Auto-Apps vor einem Geisterfahrer auf dem befahrenen Abschnitt warnen, ist ein defensiver Fahrstil gefragt. Die Geschwindigkeit sollte kontrolliert reduziert werden, ohne hektische Manöver. Schneller als 80 km/h sollte niemand auf einer betroffenen Strecke unterwegs sein. Die Warnblinkanlage einzuschalten, sensibilisiert andere für die Gefahrensituation. Sinnvoll ist es zudem, weiterhin dem Verkehrsfunk zu folgen, sich möglichst rechts einzuordnen und Überholvorgänge zu vermeiden. Ein größerer Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug schafft Reserven für unerwartete Brems- oder Ausweichreaktionen. Es ist außerdem zu empfehlen, den Seitenstreifen als mögliche Ausweichfläche im Blick zu behalten.
Wenn es die Verkehrslage zulässt, sollte der gefährdete Bereich zügig verlassen werden. Die nächste Ausfahrt oder ein Stopp auf einem nahegelegenen Rastplatz kommen dafür infrage. In der Regel ist keine lange Unterbrechung erforderlich, denn die meisten Falschfahrten sind bereits nach wenigen Minuten beendet.
Falschherum aufgefahren – was nun?
Wer feststellen muss, selbst falschherum unterwegs zu sein, darf auf der Autobahn keinesfalls wenden oder rückwärtsfahren. Was zunächst naheliegend erscheint, kann die Gefahr für die beteiligten Verkehrsteilnehmenden noch verschärfen. Es gilt stattdessen, zügig Licht und Warnblinkanlage einzuschalten, um bestmöglich sichtbar zu sein, die Geschwindigkeit deutlich zu reduzieren und an den Fahrbahnrand zu fahren. Das Fahrzeug sollte möglichst dicht an der Leitplanke stehen. Anschließend muss eine Warnweste angelegt und die Polizei kontaktiert werden. Der sicherste Aufenthaltsort bis zu deren Eintreffen ist hinter der Leitplanke.
Auch wenn es nicht beabsichtigt war, ist mit einer Strafe zu rechnen. Wer versehentlich entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung fährt, muss in der Regel mit einem Entzug der Fahrerlaubnis und einem Bußgeld rechnen. Kommen durch die Falschfahrt Menschen zu Schaden, können zusätzliche Verfahren die Folge sein. Neben einer Geldstrafe droht dann eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Wer vorsätzlich zum Falschfahrer wird, muss mit deutlich höheren Strafen rechnen.



