Ehren-Filmpreis des Landes für „Narren“-Filmemacherinnen

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Mit „Narren“ haben sie Rottweil ein bleibendes cineastisches Denkmal gesetzt. Nun werden die beiden Dokumentarfilmerinnen Sigrun Köhler und Wiltrud Baier mit dem Baden-Württembergischen Ehren-Filmpreis ausgezeichnet. Diesen Sonntag wird er überreicht.

Und zwar im Rahmen der Landesfilmschau im Stuttgarter Alten Schloss. „Es freut uns sehr, dass wir diese hohe Auszeichnung bekommen“, sagte Wiltrud Baier der NRWZ. Besonders sei, dass erstmals Dokumentarfilmerinnen prämiert werden.

Auf die Frage, welche Rolle ihr Projekt zur Rottweiler Fasnet bei der Preisvergabe gespielt habe, wollte sich Baier nicht festlegen. Zweifellos war es eine Produktion mit einiger Resonanz. Und: „Bei unsere Kinotour mit „Narren“ haben wir festgestellt, dass eigentlich überall – ob in Berlin oder München oder wo auch immer – Rottweiler anzutreffen sind“, berichtete Baier. Rottweiler seien „erstaunlich überall“.

Zweifellos schließt der Preis das „Narren“-Projekt mit ein. Über drei Jahre hatten die Filmemacherinnen daran gearbeitet. In hunderten Stunden Filmmaterial hatten sie nicht nur Narrensprünge und das bunte Treiben in den Straßen und Gassen festgehalten. Sigrun Köhler und Wiltrud Baier beobachteten auch viele andere Szenen rund um die Fasnet mit der Kamera – von Veranstaltungen der Narrenzunft bis zum ansonsten sehr privaten Geschehen an den tollen Tagen in Rottweiler Häusern und Familien.

Die Filmemacherinnen tauchten dabei tief ein – ohne durch auftrumpfende Technik und pompöses Ausleuchten in die Szenen einzugreifen. Das an sich ist schon etwas Besonderes.

Hinzu kommt ein besonderes Erzählformat.  Das Filmemacher-Duo hat keines der allzu bekannten Erzählmuster über das Material gestülpt, hat keine auf Hochglanz getunte Marketing-Masche mit den oft gehörten, ausgestanzten Formulierungen zur Fasnet abgespult. Vielmehr berichten Köhler und Baier von der Fasnet, den Narren und den Rottweilern ohne unnötige Ehrfurcht, aber mit Sympathie und Wärme.

Eine Szene aus „Narren“ (2021). Foto: al

Das ist typisch für die Arbeitsweise von Sigrun Köhler und Wiltrud Baier, die damit in der Filmemacher-Szene seit Jahren herausstechen. In ihrem Kinofilm „Schotter wie Heu“ (2002) haben sie etwa Deutschlands kleinster Bank, ansässig in Gammesfeld (Kreis Eichstätt), ein viel beachtetes humorvolles Portrait gewidmet. Oder 2007 dem legendären Schlagzeuger von Frank Zappas „Mothers of Invention“ ein Denkmal gesetzt, der in einem bayrischen Kaff lebt – ein „internationaler Heimatfilm“ über Sex, Drugs, Rock’n Roll und keine Rente.

Die bisher größten Wellen schlug ihr Dokumentarfilm „Alarm am Hauptbahnhof“ über das schwer umstrittene Projekt „Stuttgart 21“. Für diesen Streifen erhielten Köhler und Baier, beide Absolventinnen der Filmakademie Baden-Württemberg 2012 bereits einen renommierten Grimme-Preis – sozusagen der Ritterschlag für anspruchsvolle Filmemacher. Der Ehren-Filmpreis des Landes – obwohl ebenfalls mit keinem Preisgeld dotiert – belegt nun abermals die herausragende Qualität der im besten Sinne eigenwilligen Arbeit von Sigrun Köhler und Wiltrud Baier.

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