Hobbyfotograf auf einer Bahnbrücke in Rottweil. Foto: privat

Die Bahn warnt ein­dring­lich davor, denn der Aus­gang kann töd­lich sein: Fotos von Zügen direkt an den Glei­sen zu schie­ßen. Die­se Hob­by­fo­to­gra­fen, auch „Train­spot­ter” genannt, bege­ben sich in gro­ße Gefahr. So nun am Sonn­tag­nach­mit­tag offen­bar auch einer in Rott­weil. Er wur­de selbst dabei von einem Mit­ar­bei­ter der Bahn foto­gra­fiert – und konn­te uner­kannt ver­schwin­den.

Die Evo­lu­ti­on kennt das als natür­li­che Aus­le­se.” „Die­se Trot­tel… Wahn­sinn… ‚Wegen Per­so­nen im Gleis ver­zö­gert sich…’ ” „Ja und wegen sol­cher Idio­ten kann man dann sei­ne Ter­mi­ne nicht ein­hal­ten weil wie­der mal alles steht.” Die Kom­men­ta­re von Fans der Face­book­sei­te „Stö­run­gen im Bahn­ver­kehr” sind ein­deu­tig. Ver­ständ­nis hat für die­sen offen­kun­di­gen Hob­by­fo­to­gra­fen dort nie­mand.

Er ist im Rott­wei­ler Neckar­tal, am Ein­gang eines Tun­nels ent­deckt wor­den.

Der Mann, der ihn ent­deckt und foto­gra­fiert hat, ist Leser der NRWZ. Er hat der Redak­ti­on das Foto am Abend zuge­sandt. Es sei um 14.20 Uhr ent­stan­den, schreibt er. „Er hat offen­sicht­lich das per­fek­te Bild vom IC 188 schie­ßen wol­len”, mut­maßt der NRWZ-Leser. Des­sen Abfahrt im Bahn­hof Rott­weil war um 14.16 Uhr.

Der Infor­mant arbei­tet selbst bei der Bahn: „Lei­der muss ich sowas beruf­lich immer häu­fi­ger beob­ach­ten. Auch am Bahn­hof Rott­weil selbst. Da wer­den Hin­weis­schil­der ein­fach igno­riert.” Er ist Fahr­dienst­lei­ter. Den foto­gra­fier­ten Mann, der auf der Bahn­brü­cke ent­lang geklet­tert ist, bezeich­net er als einen Hob­by­fo­to­gra­fen – er habe eine Kame­ra um den Hals hän­gen gehabt. 

Als ich aus dem Auto gesprun­gen war und das Han­dy gezückt hat­te, ist er von der Eisen­bahn­brü­cke geklet­tert und hat sich vor mir ver­steckt. Konn­te ihn lei­der nicht mehr auf­fin­den. Bin den nähe­ren Bereich sogar abge­lau­fen.” So schil­dert der NRWZ-Infor­mant den wei­te­ren Ver­lauf.

Eine Anzei­ge bei der Poli­zei hat er nicht erstat­tet – „lei­der weiß ich, dass die Poli­zei da nichts macht bezie­hungs­wei­se machen kann”, sagt er. Er möch­te viel­mehr, dass das Bild ver­öf­fent­licht wird, „um die Bevöl­ke­rung noch­mals auf die Gefah­ren im Bahn­be­reich auf­merk­sam zu machen”. Er als Fahr­dienst­lei­ter in Rott­weil und sei­ne Kol­le­gen hät­ten es immer wie­der mit „Per­so­nen im Gleis” oder „Not­arzt­ein­sät­zen am Gleis” zu tun. „Das sind in ers­ter Linie mensch­li­che Tra­gö­di­en aber eben auch Ver­spä­tungs­ur­sa­chen bei der Bahn.”

Die­ter Hutt, Spre­cher der Bun­des­po­li­zei­in­spek­ti­on Offen­burg, wirkt aber beim Anruf der NRWZ alar­miert. Er sieht das Bild des mut­maß­li­chen Train­spot­ters und sagt: „Wahn­sinn! Der ist ja …! Wahn­sinn.” Er wol­le dem Fall defi­ni­tiv nach­ge­hen. Die NRWZ stellt daher in bei­der Ein­ver­ständ­nis den Kon­takt zwi­schen dem Infor­man­ten und der Bun­des­po­li­zei her. 

Hutt ver­weist, neben dem Aspekt der Bestra­fung, auf den, dass sich der mut­maß­li­che Train­spot­ter in größ­te Lebens­ge­fahr bege­ben habe. „Er war wohl etwa ein­ein­halb Meter von der Ober­lei­tung weg, da droht ein töd­li­cher Span­nungs­über­schlag”, so der Poli­zist. Dem Hob­by­fo­to­gra­fen sei das womög­lich nicht klar gewe­sen, „er ist ein­fach auf ein gutes Bild aus.” Hutt will den NRWZ-Bericht über den augen­schein­lich lebens­mü­den Foto­gra­fen zu sei­nen künf­ti­gen Vor­trä­gen in Schu­len mit­neh­men, die er und sei­ne Kol­le­gen regel­mä­ßig hiel­ten. „Das eig­net sich gut dafür, mal nach­zu­ha­ken, was da falsch gelau­fen ist”, so der Bun­des­po­li­zist. Er rät zudem dazu, sofort die ört­li­che Poli­zei anzu­ru­fen, wenn man einen Men­schen im Gleis­be­reich ent­de­cke. Ein Strei­fe sei dann schnell da und kön­ne sich des Fal­les anneh­men.

Die Deut­sche Bahn hat sich im Mai 2016 bereits an Hob­by­fo­to­gra­fen und -fil­mer gewandt. Grund­sätz­lich sei­en Auf­nah­men zu pri­va­ten Zwe­cken ohne vor­he­ri­ge Zustim­mung der Deut­schen Bahn nur in öffent­lich zugäng­li­chen Berei­chen der Deut­schen Bahn erlaubt. Zudem dür­fe die eige­ne Sicher­heit und die Sicher­heit Ande­rer durch die Foto- oder Film­auf­nah­men nicht gefähr­det wer­den. Eine Behin­de­rung der betrieb­li­chen Abläu­fe und der Bahn­kun­den ist unter­sagt. Flucht- und Ret­tungs­we­ge sei­en stets frei­zu­hal­ten. Und der Auf­ent­halt im Gleis- und Gefah­ren­be­reich ist eben­falls ver­bo­ten.

Das unbe­fug­te Betre­ten von Gleis­an­la­gen stellt eine Ord­nungs­wid­rig­keit dar und wird mit 25 Euro Ver­warn­geld geahn­det, so die Bun­des­po­li­zei, die für sol­che Fäl­le zustän­dig ist und immer wie­der warnt. In schwer­wie­gen­den Fäl­len, wenn zum Bei­spiel ein her­an­na­hen­der Zug eine Gefah­ren­brem­sung ein­lei­ten muss, wird gegen den Ver­ur­sa­cher straf­recht­lich wegen des Ver­dachts des gefähr­li­chen Ein­griffs in den Bahn­ver­kehr ermit­telt.