Museum digital: Selbst mal als Kaiser glänzen

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Sein eigenes Profilbild auf eine römische Münze prägen: Das soll – zumindest virtuell – beim Rottweiler Dominikanermuseum bald möglich sein. Und eine Attraktion für Schülergruppen bilden. Es ist eine von mehreren Ideen, an denen das Team der Städtischen Museen unter der Leitung von Martina Meyr gerade mit viel Elan feilt – dank Fördergeldern, die Museen für die digitale Zukunft fit machen sollen.

Stattliche 40.000 Euro hat Meyr mit ihrem Team dafür aus dem Fördertopf „Museen im Wandel III“ des Kulturministeriums eingeworben. Zusammen mit drei anderen Museen im Ländle, die ebenfalls gefördert werden, haben die Rottweiler dabei mit ihren Ideen 20 Mitbewerber ausgestochen – an sich schon ein großer Erfolg.

Doch das war erst der Anfang. Seit im März die Förderzusage kam, ist das Team hoch motiviert dabei, die Ideen zur Projektreife zu bringen – in engem Austausch mit den anderen prämierten Museen, also dem Stadtmuseen Tübingen und Göppingen, dem Freilichtmuseum Neuhausen sowie der Medien- und Filmgesellschaft Ba-Wü (MFG), die „Museen im Wandel“ betreut. Eingebunden sind zudem weitere Technik-Experten und nicht zuletzt Schülerinnen und Schüler.

Hat bedeutende Sammlungen, die nun auch digital zeitgemäß nachgebracht weerden sollen: Das Rottweiler Dominikanermuseum. Foto: al

Genau diese Altersgruppe sollen die Angebote letztlich begeistern. „Unser Ziel ist es, wieder mehr Schulklassen ins Museum ziehen“, erläutert Martina Meyr im Gespräch mit der NRWZ. Der Grundgedanke dabei lautet, nicht mehr nur Wissen zu präsentieren – was klassischerweise in Führungen geschieht. Sondern die jungen Leute selber aktiv werden zu lassen, sie mit einer erweiterten digitalen Museumspädagogik „ins Tun zu bringen“, wie Meyr sagt.

Denn einerseits ist es eine alte Erkenntnis, dass gerade das hängen bleibt – modern gesprochen zu Kompetenzgewinn führt – was man selber ertüftelt und umsetzt. Andererseits habe sich Erwartungen und Gewohnheiten drastisch verändert. So ist eine jüngere Generation auf kürzere Einheiten getaktet. Deshalb soll es beim Museumsbesuch nur noch einen rund viertelstündigen einleitenden Führungsteil geben. Und die jungen Leute sind stark auf interaktive Formate ausgerichtet, darauf, selber auf etwas einzuwirken – im Idealfall spielerisch und unterhaltsam.

Dieser Wandel wird nun als Chance begriffen, als Ansatzpunkt um die Schülerinnen und Schüler aktiv abzuholen. Das Museumsteam konzentriert sich dabei auf Angebote für 6. Schulklassen in der Abteilung „römisches rottweil – arae flaviae“. Nun wird konkreter, wie das bald aussehen soll.

Der Strauß an geplanten Themen ist breit: Münzen, Leben im Kastell und Kastelldorf, Essen, der in Rottweil ja prächtig verewigte Sänger-Gott Orpheus, Baden und Archäologie im Gräberfeld. Die handwerklichen Angebote wie Münzen gießen oder Schreibtäfelchen herstellen, die jetzt schon guten Anklang finden, bleiben weiterhin bestehen.

„Aktuell entwickeln wir zwei Stationen für Testings mit Schülern, die Anfang Dezember zu uns kommen werden“, berichtet Museumsleiterin Meyr. „Bei der einen Station kann man sich eine römische Münze mit dem eigenen Bild kreieren und somit sich zum Kaiser oder zur Kaiserin machen“, schildert sie. Diese direkt im Museum auf einem 3D-Drucker herzustellen, wird zwar wohl leider nicht gehen. Es soll möglich sein, sich die Daten zu schicken – womit man dann alle Optionen hat, vom Ausdruck bis zum Posten in sozialen Netzwerken.

„Bei der zweiten Teststation zum Thema Orpheus geht es darum, sich mit dem Thema zu beschäftigen und selbst einen Film dazu zu drehen“, berichtet Meyr weiter. Ob die Angebote überzeugen, wird vielfach getestet – und zwar von Schülerinnen und Schülern.  „Deren Meinungen und Wünsche wollen wir erfassen, um dann die Stationen weiterzuentwickeln“, sagt Meyr. „Design Thinking Prozess“ nennt man dieses Vorgehen, das Nutzerwünsche in den Mittelpunkt stellt.

Derzeit gehe es noch nicht um die finale Programmierung und das Design, berichtet Martina Meyr. Sondern darum, ob die Inhalte und Schwerpunkte passen und welche technische Umsetzung möglich, gewünscht und anwendbar ist. Die Ergebnisse fließen in die Entwicklung der ersten beiden sowie der weiteren geplanten Stationen ein – sechs sollen es insgesamt werden.

Als nächste Etappe ist vorgesehen, dass zum neuen Schuljahr im September eine Betaversion steht. Diese kann dann von möglichst vielen Klassen ausprobiert werden, deren Rückmeldungen wiederum in die fertige Version einfließen – bis zuletzt wird also stetig optimiert.

Aktuell arbeitet das Museumsteam mit den Makerspace vspace.one, einem Verein aus Villingen-Schwenningen, zusammen. Dort treffen sich Menschen mit Interesse an Technik, Programmierung und Elektronik – und eine Gruppe aus diesem Kreis hat Lust, sich bei der Entwicklung der digitalen Schüler-Angebote des Dominikanermuseums reinzuknien. Eine Konstellation zum Vorteil aller. Denn würde man all das auf dem freien Markt einkaufen, wäre das Budget schnell verbraucht.

Die regulären Haushaltsmittel wurden gekürzt, sie reichen nur noch für zwei statt wie bisher für drei thematische Ausstellungen jährlich, daher wurde die laufende Ausstellung verlängert. Foto: al

Am Ende sollen Angebote stehen, mit denen Schulklassen beim Besuch des Dominikanermuseums vielfältige Erfahrungen mitnehmen: „Von Wissen über die Römer, über die Anwendung verschiedener Medien, Arbeit in Kleingruppen, dem Aufnehmen von Informationen im Intro zum Orpheus-Film bis zur Weitergabe und Präsentation des Geleisteten an Mitschüler“, wie Museumsleiterin Meyr darlegt.

Das verspricht eine tolle Angebotspalette, über die sich auch nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern anschließend auch andere Museumsbesucher freuen können. Und die das Dominikanermuseum im viel beschworenen digitalen Wandel dynamisch nach vorne bringt und für eine jüngere Klientel deutlich attraktiver macht.

Info: Einblicke in das Projekt gibt es immer wieder auf einem Blog des Dominikanermuseums, der unter einem eigenen Reiter „Museen im Wandel III“ zu finden ist. Hier der Link http://www.dominikanermuseum.de/miw/

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