Rottweils Narrenmeister Christoph Bechtold. Foto: gg

Die Gene­ral­ver­samm­lung der Nar­ren­zunft Rott­weil hat in der Nacht zu Sams­tag deren geplan­te Sat­zungs­än­de­rung geneh­migt – fast, jeden­falls. Einen Punkt hat die Ver­samm­lung kas­siert: Eine von der Zunft­füh­rung gewoll­te Ände­rung des Vor­stands-Wahl­mo­dus‘ schei­ter­te an der nöti­gen Zwei­drit­tel-Mehr­heit. Den­noch kann die Zunft jetzt ein nor­ma­ler Ver­ein wer­den, kann die Mit­glied­schaft dar­in von der Teil­nah­me an den Nar­ren­sprün­gen tren­nen. Ab der Fas­net 2020 soll das gesche­hen. 

Die Sat­zungs­än­de­rung wird nicht am Stück durch­ge­hen, das zeich­net sich hier ab. Zu weni­ge stim­men hier dafür, dass die Ver­samm­lung über den Gesamt­vor­schlag der Zunft­füh­rung ent­schei­den kann. Der Punkt „Wahl der Vor­stand­schaft” wird nach die­ser noch offe­nen Abstim­mung aus­ge­glie­dert. Und fin­det spä­ter kei­ne aus­rei­chen­de Mehr­heit. Foto: gg

Nach knapp vier Stun­den und kurz vor Mit­ter­nacht war es klar: Die Nar­ren­zunft Rott­weil wird ab der Fas­net 2020 ihre Mit­glie­der nicht mehr jähr­lich rekru­tie­ren. Nicht mehr wie bis­her, per Mit­glieds­kar­te, die zugleich die Teil­nah­me­be­rech­ti­gung für die Nar­ren­sprün­ge der jeweils kom­men­den Fas­net war. Son­dern sie wird akti­ve Mit­glie­der haben kön­nen. Mit Ver­eins­bei­trag und auf Lebens­zeit. Sie wird ihnen ein Gre­mi­um inner­halb der Ver­eins­füh­rung schaf­fen kön­nen, den Mit­glie­der­aus­schuss. Sie­ben Leu­te sol­len das sein.

Not­wen­dig mache das die Daten­schutz­grund­ver­ord­nung, die DSGVO, die seit 25. Mai 2018 gül­tig ist. Nur die­se sie­ben Per­so­nen inner­halb des neu­en Aus­schus­ses sol­len künf­tig die Mit­glie­der­da­ten ein­se­hen dür­fen. Nicht mehr jeder Kar­ten­ver­käu­fer an jeder Aus­ga­be­stel­le. „Das ver­schlankt die Schu­lung und die Doku­men­ta­ti­on”, begrün­de­te Nar­ren­meis­ter Chris­toph Bech­told den Schritt, über den die NRWZ im Vor­feld aus­führ­lich infor­miert hat. Ein­leuch­tend: Waren bis­her alle Mit­glieds­kar­ten­ver­käu­fer daten­schutz­recht­lich zu schu­len – weil per­sön­li­che Daten der Käu­fer auf den Kar­ten ver­merkt wor­den waren – sind es bald nur noch die sie­ben. Die Zunft kön­ne dann auch auf den exter­nen Daten­schutz­be­auf­trag­ten ver­zich­ten, den sie sich habe an Bord holen müs­sen, so Bech­told wei­ter. 

Das mach­te die Ver­samm­lung mit. Pro­blem­los, möch­te man mei­nen. Mehr als 80 Pro­zent der anwe­sen­den gut 250 Zunft­mit­glie­der – der Son­nen­saal im Kapu­zi­ner war damit voll, es ging zwi­schen­zeit­lich sogar das Wei­zen­bier aus, ziem­lich früh, sogar – stimm­ten die­sem Teil der Sat­zungs­än­de­rung zu.

Wenn am Kri­sen­ge­spräch der Rott­wei­ler Mut­ter­zunft ein (zuge­ge­ben: füh­ren­des) Mit­glied der Zim­mer­ner Toch­ter teil­neh­men darf, dann rech­nen Beob­ach­ter mit dem Schlimms­ten. Unser Bild zeigt (links) den Zunft-Jus­ti­ti­ar (ehren­amt­lich) Mar­kus Schell­horn, Bech­told und (rechts) Dani­el Rüh­le von der Nar­ren­zunft Zim­mern ob Rott­weil , der da die noch unum­strit­te­ne Ent­las­tung des Vor­stands vor­ge­nom­men hat­te und spä­ter die Ergeb­nis­se der Abstim­mun­gen prä­sen­tier­te. Foto: gg

Doch ein wei­te­rer Punkt, eine wei­te­re geplan­te Ände­rung wur­de abge­lehnt. Nicht ein­mal mehr­heit­lich, so aber doch von genü­gend Mit­glie­dern. Anders her­um: Es stimm­ten deut­lich zu weni­ge dafür, die Zwei­drit­tel-Mehr­heit wur­de ver­fehlt.

So plan­te die Vor­stand­schaft um Bech­told auch, sich künf­tig nicht mehr von der Mit­glie­der­ver­samm­lung, son­dern vom Aus­schuss – hier: nicht der neue Mit­glie­der­aus­schuss, son­dern gleich­sam der Gesamt­aus­schuss des Ver­eins – wäh­len las­sen zu wol­len. Das Argu­ment, dass die Ver­samm­lung doch schon den Aus­schuss wäh­le, damit auch die mög­li­chen Kan­di­da­ten für die Vor­stand­schaft bestim­me, das woll­te nicht aus­rei­chend ver­fan­gen.

Auch die Erklä­rung Bech­tolds, dass die Zunft­lei­tung bei der zeit­lich arg kom­pri­mier­ten Sai­son­ar­beit Fas­net – vor allem im Hin­blick auf Nar­ren­ta­ge mit ihren vie­len tau­send ehren­amt­li­chen Arbeits­stun­den wäh­rend der jah­re­lan­gen Vor­be­rei­tung – ein geschlos­se­nes, funk­tio­nie­ren­des Team sein müs­se, über­zeug­te die Mehr­heit, rech­ne­risch aber eben nur eine ein­fa­che Mehr­heit. 131 Mit­glie­der waren dafür, 118 dage­gen. Abge­lehnt. Der Vor­stand wird wei­ter­hin direkt vom Volk, von der Ver­samm­lung gewählt.

Vet­tern­wirt­schaft! Kun­ge­lei! Geheim­bund! Begrif­fe, die Red­ner im Saal auf­ge­wor­fen hat­ten. Die Fas­net, eben eine sehr emo­tio­na­le Sache. Und so sehr sich die Red­ner auch nach eige­ner Aus­sa­ge anstreng­ten, sach­lich blei­ben und kei­nes­falls Kri­tik an der Ver­eins­füh­rung ver­lau­ten las­sen zu wol­len – so sehr kamen ihre Wort­mel­dun­gen doch genau so an. Chris­toph Bech­told droh­te zwi­schen­zeit­lich: „Wenn ihr uns das Ver­trau­en nicht schenkt, dass wir das, was wir tun, in eurem Sin­ne und im Sin­ne der Fas­net tun, dann muss ich die Ver­trau­ens­fra­ge stel­len”, sag­te er. „Alles gut” – die­se zwei Wor­te wer­den an die­sem Abend zu sei­nem Man­tra.

Tho­mas Pahl hat­te da etwa einen anders besetz­ten Mit­glie­der­aus­schuss gewünscht. Einen, der drei Sit­ze für Leu­te aus dem Aus­schuss habe und drei für Leu­te aus der Mit­glie­der­ver­samm­lung. Er äußer­te Befürch­tun­gen, der Mit­glie­der­aus­schuss kön­ne ein zu mäch­ti­ges Gre­mi­um wer­den, das nach Gut­dün­ken Mit­glie­der aus der Zunft wer­fe. An Chris­toph Wiest war es da, die Ver­samm­lung zur Ver­nunft zu rufen: „Was macht ihr au für a G’schiss?!” Und an Jörg Eng­lerth war es, dar­an zu erin­nern, dass in der ver­gan­ge­nen Jah­ren immer jener Vor­stand gewählt wor­den sei, den zuvor der Aus­schuss vor­ge­schla­gen hat­te. 

Es ist 23.39 Uhr. Und es wird ein inzwi­schen zwei­tes Mal abge­stimmt. Hier wer­den die Stimm­zet­tel ein­ge­sam­melt. Foto: gg

Das ging eine gan­ze Wei­le hin und her. Es gab zudem gehei­me Abstim­mun­gen, weil jeweils ein Ein­zel­ner das wünsch­te (was sein gutes Recht ist, was aber natür­lich für unlieb­sa­me Ver­zö­ge­run­gen sorg­te. Und für Gemur­re.). Erst nach Null Uhr, inzwi­schen hat­te das Bewir­tungs­team um Volks­bank­chef und Kapu­zi­ner­vor­stand Hen­ry Rau­ner irgend­wo­her wie­der Wei­zen­bier orga­ni­siert, konn­te Bech­told die Ver­samm­lung schlie­ßen. 

Dass der Vor­stand nun eben doch aus der Ver­samm­lung gewählt wer­den wird? „Das tut uns inner­lich nicht weh”, sag­te der Nar­ren­meis­ter der NRWZ. Hät­te die Sat­zungs­än­de­rung ins­ge­samt kei­ne aus­rei­chen­de Mehr­heit gefun­den, „das hät­te uns sehr weh getan.” 

Der neue Mit­glieds­bei­trag ist auch fest­ge­legt wor­den. In nicht-gehei­mer Abstim­mung und mit gro­ßer Mehr­heit. 15 Euro soll er betra­gen, fünf für pas­si­ve Mit­glie­der. Ein­zel­ne hat­ten mehr gefor­dert, Bech­told rech­ne­te vor, was auf eine Fami­lie etwa mit zwei Kin­dern so schon zukom­me.  Plus Sprung­teil­nah­me (15 Euro für Erwach­se­ne, fünf Euro für Kin­der). Hier wur­de er von fast allen im Saal erhört. 

Hin­weis: Die NRWZ wird noch tie­fer­ge­hend von der Ver­samm­lung berich­ten. Vier Stun­den zu den The­men Fas­net, Basis­de­mo­kra­tie und Finanz­amt, umrahmt mit Nar­ren­mär­schen, bie­ten noch eine gan­ze Men­ge Stoff für Geschich­ten.