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Rottweil
Samstag, 15. August 2020
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    Neuer Rottweiler Blitzer: schlechtere Ausbeute, mehr Prävention (NRWZ.de+)

    Seit drei Wochen ist er in Rottweil im Einsatz: der neue Blitzer, der sogenannte „Enforcement Trailer“. „Enforcement, das heißt „Durchsetzung“ – wie setzt er sich also durch, wollte die NRWZ von der Stadtverwaltung wissen. Und auch, ob die 30-er-Zoner in der Heerstraße für Autofahrer aus der Zundelbergstraße überhaupt gilt.

    Die Antwort hat ein wenig gedauert, weil das Ordungsamt bisher keinen direkten Zugriff auf die Daten aus dem Blitzer hat. Denn das Gerät, dieser futuristische Blitzeranhänger, gehört der Stadt noch nicht. Es ist ein Leihmodell von der Herstellerfirma. Aber es blitzt natürlich schon richtig.

    Manchmal etwas zu viel: Am ersten Samstag seines Einsatzes beim Schulzentrum blitzte die „Landmine“ auch Verkehrsteilnehmer, die vorschriftsgemäß 50 fuhren – weil sie noch auf 30 eingestellt war. Dafür aber entschuldigte sich der Hersteller bereits. Schlicht ein Versehen, ein kleiner Holperer zum Start.

    Apropos: Der Blitzer war ja am oberen Ende des Busbahnhofs beim Schulcampus abgestellt. Er sollte dort die Temposünder blitzen, die in der 30-er-Zone zu schnell unterwegs waren. Anwohner meldeten sich bei der NRWZ: Wer aus der Zundelbergstraße komme, aus der Einmündung gegenüber dem Busbahnhof, und wer dann nach links abbiege, Richtung Wasserturm, der sehe gar kein 30-er-Schild. Der dürfe ja wohl immer 50 Kilometer pro Stunde fahren, so die Argumentation.

    Und tatsächlich: Die Tempo-30-Schilder sind ein paar hundert Meter die Heerstraße hinab angebracht. Wer von dort kommt, sieht zwei von ihnen, wer aus der Via L’Aquila links abbiegt, auf Höhe der Busbahnhof-Einfahrt noch eins. Wer aus der Zundelbergstraße kommt, der sieht keins mehr. Dafür steht dort oben der Blitzer, an Wochentagen auf 30 eingestellt.

    Die Stadtverwaltung kann aber begründen, dass sich auch Raser aus der Zundelbergstraße an das vorgeschriebene Tempo halten müssen. Fachbereichsleiter Bernd Pfaff: „Bei der Einmündung aus einer Wohnstraße wie der Zundelbergstraße kann bei ortskundigen Autofahrern vorausgesetzt werden, dass die Anordnung 30 km/h – mit den jeweiligen Zeiten – auf der Heerstraße bekannt ist.“

    30-er-Zone in der Heerstraße. Bild: gg

    Der leitende Ordnungshüter erklärt, welche Situation jeder Kraftfahrer beim Einbiegen in die Straße vorfinde:

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    • Verkehrszeichen „Vorfahrt gewähren“
    • Blick nach rechts: Verkehrszeichen mit Tempolimit 30 km/h mit Gefahrenhinweis Schule.
    • Blick nach links: Zebrastreifen direkt hinter der Einmündung.

    „Beim Einbiegen hat ein Autofahrer nach den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung (Paragraf 9) auf Fußgänger Rücksicht zu nehmen, nötigenfalls zu warten, was hier bei einem Linksabbieger aus der Zundelbergstraße durch den unmittelbar nach der Einmündung auf der Heerstraße befindlichem Zebrastreifen noch untermauert wird“, so der Fachbereichsleiter weiter. Es sei daher „nicht erlaubt, dass bei dieser Situation – unter Einhaltung der gesetzlichen Sorgfaltspflichten – unmittelbar nach der Einmündung bereits eine Geschwindigkeit von über 30 km/ h gefahren wird.“

    Im Übrigen habe der nach dem Zebrastreifen stehende Blitzer seinen Messpunkt bei den Blitzaktionen vor der Einmündung Zundelbergstraße gehabt. Also jenseits des Zebrastreifens.

    Der „Enforcement Trailer“ steht natürlich längst nicht mehr an der Stelle in der Heerstraße. Egal, wo ihn die Stadt nun aufbaut, am heutigen Mittwoch etwa in der Schramberger Straße – es spricht sich in den einschlägigen WhatsApp-Gruppen und auf den entsprechenden Facebookseiten rasend schnell herum. Schon, wenn das Gerät aufgebaut wird.

    Vielleicht deshalb ist die Ausbeute bisher relativ bescheiden. Die NRWZ hat sich mal die Zahlen geben lassen:

    • In der Heerstraße: rund 170 Verstöße gegen das Tempolimit an vier Tagen. Die fälschlicherweise erfassten Fahrzeuge seien hier bereits abgezogen, so die Stadtverwaltung.
    • Am zweiten Standort an der Steig, beim Telekom-Turm: rund 160 Verstöße an sechs Tagen.

    Wie die NRWZ aus der Stadtverwaltung erfuhr, könnten übliche Blitzer das solche Zahlen in ein paar Stunden erreichen. Etwa aus einem der hier gebräuchlichen Caddys heraus. „Bei dem Blitzeranhänger geht es uns um den präventiven Charakter, und den entwickelt das Gerät offenbar“, so ein Stadtsprecher. Dieser bestätigt: „Mit unauffälligeren Geräten erreichen wir in kürzeren Zeitabständen teilweise deutlich höhere Resultate.“

    Bürgermeister Dr. Christian Ruf meinte etwa vor drei Wochen, als der Anhänger erstmals aufgestellt worden ist: „Am liebsten wäre es mir, er würde nie auslösen“ – denn dann habe das teure Stück seinen Zweck erreicht: die Sicherheit auf der Straße erhöhen. Deshalb stört es ihn auch nicht, wenn es sich herumspricht, an welcher Stelle der Blitzer gerade steht.

     

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