Tourismus und Einzelhandel in Rottweil: Es fehlt etwa an Stockschildern

Einzelhandelsverband GHV zieht eine erste Bilanz

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Foto: Pixabay / strecosa

Wis­sen Sie, lie­be Leser, was Stock­schil­der sind? Vom Namen her viel­leicht nicht – und da sind Sie in Rott­weil in guter Gesell­schaft – aber gleich macht’s Klick: Stock­schil­der sind klei­ne, bun­te Blech­schild­chen, die auf den Wan­der­stock des geneig­ten Tou­ris­ten gena­gelt wer­den kön­nen. Und wis­sen Sie was? Sowas gibt es in und von Rott­weil nicht. Und das ist ein Man­gel.

Rott­wei­ler Schaufenster”:_ Wer­bung des GHV beim Test­turm. Foto: GHV

Tou­ris­mus und Ein­zel­han­del in Rott­weil: Es fehlt etwa an Stock­schil­dern. Das weiß der Chef des Gewer­be- und Han­dels­ver­eins, Det­lev Mai­er, seit kur­zem. Eine Kun­din hat­te den Ein­zel­händ­ler ange­spro­chen, sich als Tou­ris­tin und auf der Durch­rei­se zu erken­nen gege­ben und ihn gefragt, wo es denn so Stock­schil­der gebe. Ob sie sich den Turm, die Tür­me, die mit­tel­al­ter­li­che Innen­stadt, deren Sil­hou­et­te oder den Hund auf den Stock nageln woll­te – unklar. Aber GHV-Chef Mai­er brach­te das Erleb­nis eine ande­re Erkennt­nis.

Spa­zier­stö­cke mit vie­len Wan­der­ab­zei­chen – soge­nann­te Stock­schil­der. Foto: Zoonar/H.-D. Fal­ken­stein

Wir sind vom Sor­ti­ment her noch nicht auf die Tou­ris­ten ein­ge­stellt”, äußer­te sich der EDE­KA-Markt­lei­ter selbst­kri­tisch gegen­über der NRWZ. Tou­ris­ten, deren Durch­schnitts­al­ter jen­seits der 60 lie­ge, wie Mai­er und der GHV her­aus­ge­fun­den haben. Men­schen mit Inter­es­se an Stock­schil­dern, zum Bei­spiel. Aber auch an klei­nen Mit­bring­seln, nicht an teu­ren: „Höher­wer­ti­ge Sou­ve­nirs wur­den prak­tisch nicht nach­ge­fragt, hin­ge­gen haben die Besu­cher Post­kar­ten, Magnet­schil­der und Schlüs­sel­an­hän­ger gekauft, alles im Bereich 3 bis 5 Euro.”

So fasst der GHV in einem der NRWZ vor­lie­gen­den Pro­to­koll sei­ner jüngs­ten Aus­schuss­sit­zung die Lage zusam­men. Die Erfah­rung hät­ten die zehn an der Turm­hüt­te betei­lig­ten Rott­wei­ler Ein­zel­händ­ler gemacht. Die­se befin­det sich am Test­turm und soll Tou­ris­ten anlo­cken. 

Die­se Leu­te hät­ten ledig­lich Turm­mo­ti­ve nach­ge­fragt – das Inter­es­se an klas­si­schen Rott­wei­ler Arti­keln wie Schwar­zes Tor, die Sil­hou­et­te oder der Rott­wei­ler Hund etwa auf einem Sofa­kis­sen sei gering gewe­sen.

Hier hat der GHV Rott­weil sei­ne Erfah­run­gen mit den Tou­ris­ten gesam­melt: Turm­hüt­te beim thyssenkrupp-Test­turm. Foto: Ralf Gra­ner

Tages­tou­ris­ten hät­ten Schnitt 25 Euro aus­zu­ge­ben, rech­net der Ein­zel­han­dels­ver­band vor und bezieht sich laut Mai­er damit auf einen deut­schen Durch­schnitts­wert. Bei 9 Euro Ein­tritt in den Turm und genau so viel für den Ver­zehr „wird es da für den Ein­zel­han­del bei im Schnitt ver­blei­ben­den 7 Euro schon dünn”, schluss­fol­gert der GHV.

Und dann ist da noch das: „Die Erfah­rung an der Turm­hüt­te zeig­te uns, dass am Frei­tag und Sams­tag schät­zungs­wei­se 80 Pro­zent der Turm­be­su­cher mit einem Rei­se­bus kom­men”, so der GHV wei­ter. Deren Pro­gramm sei voll durch­ge­tak­tet – ent­we­der sofor­ti­ge Abfahrt zum nächs­ten Rei­se­ziel oder eben eine Stadt­füh­rung in Rott­weil. Rund 30.000 Per­so­nen hät­ten dies gemacht. Aber auch nach der Stadt­füh­rung sei die sofor­ti­ge Abfahrt ange­sagt.

Scha­de für Rott­weils Gas­tro­no­mie: Ein Groß­teil der Bus­tou­ris­ten bringt laut GHV eige­ne Geträn­ke und Ver­pfle­gung mit.

Doch hat der GHV auch noch ein biss­chen Kri­tik an der bis­he­ri­gen Arbeit der Stadt­ver­wal­tung parat: „All­ge­mein ist zu sagen, dass es bezüg­lich Infra­struk­tur (Besu­cher­zen­trum als Stich­wort), Wege­füh­rung in die Stadt und Schil­der für Fuß­we­ge noch erheb­li­che Män­gel gibt. Der Shut­tle­bus in die Stadt wur­de auch nicht so toll ange­nom­men, wobei die Bus­tou­ris­ten ja Ihren eige­nen Bus haben und somit nicht auf den Shut­tle zurück­grei­fen.”

Alles in Allem sei­en das sub­jek­ti­ve Ein­drü­cke, so Mai­er zur NRWZ. Der GHV befin­de sich zudem wei­ter im Gespräch mit der Stadt. So bera­ten bei­de Sei­ten gera­de über die Instal­la­ti­on eines soge­nann­ten City-Mana­gers, der sich mit der gesam­ten Innen­stadt unter öko­no­mi­schen Gesichts­punk­ten befas­sen, und daher in der Wirt­schafts­för­de­rung ange­sie­delt sein soll. Der GHV stell­te hier eine finan­zi­el­le Betei­li­gung der orga­ni­sier­ten Ein­zel­händ­ler in Aus­sicht. Ziel sei „ein gesun­der Mix aus Gas­tro­no­mie, Han­del, Dienst­leis­tern, Turm, Hän­ge­brü­cke, Han­del und  Gewer­be”, hieß es.