Zum traditionellen Neujahrskonzert im Bärensaal hatte am Montagabend die Stadt Schramberg eingeladen. Das Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen präsentierte „Musik aus den Metropolen“ und begeisterte das Schramberger Publikum.
Schramberg. Mit dem Vorspiel zur Operette „Die Csardasfürstin“ von Emmerich Kálmán hatte Dirigent Achim Fiedler den Ton gesetzt. Mal schmissig, mal gefühlvoll, wie dieses Vorspiel so der ganze gelungene Konzertabend. Fiedler zitierte aus der Operette „Die Fledermaus“: „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.“ Man feiere an Silvester bekanntlich die Änderung eines Datums, so Fiedler: „Wie schön wäre es, wir könnten feiern, wenn sich die Welt ändern würde.“

Musikalisch fuhr der Konzertzug von Budapest über Wien im Polka-Express von Johann Strauß nach Berlin zu Paul Linckes „Frau Luna“. Die Ouvertüre zu dieser Operette hatte Lincke schon 1899 begonnen aber erst 1922 fertiggestellt. Am Ende des Abends kam dann noch das berühmteste Lied aus dieser Operette zum Zug.
Über den großen Teich und zurück
Einen Foxtrott, wie man ihn in der Tanzschule bestimmt nie gehört hat, hat Ernest Tampa komponiert. Dieser Foxtrott-Tanz kam aus Amerika in den 20er Jahren nach Berlin. „Da wurden die Beine in die Luft geworfen“, erläuterte Fiedler die Unterschiede zum Tanzschulfoxtrott. Und so war schon ein bisschen Jazz herauszuhören, und man erinnerte sich an die „Roaring Twenties“.
Das Orchester blieb in New York – und zugleich in Europa bei drei Préludes von George Gershwin. Dieser hatte bereits seine berühmte „Rhapsody in Blue“ geschrieben, wollte aber unbedingt auch klassische Musik studieren und war nach Europa gereist. Nach dem Vorbild von Johann Sebastian Bach wollte Gershwin 24 Préludes schreiben. Er schaffte es nicht bis 24. Aber drei, ursprünglich als Klavierwerke geschrieben, erklangen in einer Version für Orchester im Bärensaal.

„El Capitan March“ als Militärveralberung
Mit dem auch bei Blasorchestern beliebten „El Capitan March“ von John Philip Sousa ging es in die Pause. Dass der Marsch so gar nichts Militaristisches habe, erläuterte Fiedler. Das Stück stammt nämlich aus einer ziemlich grotesken Operette, „El Capitan“, die sich über Vize-Könige, Rebellen und Militär lustig macht. Der Capitan lässt die Rebellen so lange im Kreis marschieren, bis sie zu müde zum Kämpfen sind. Außerdem, so Fiedler, beginne der Marsch im Sechs-Achtel-Takt: „Darauf kann kein Mensch marschieren.“
Boléro
Nach der Pause der Höhepunkt des Abends: Maurice Ravels berühmter „Bolero“: Es dauerte eine Weile, bis das Publikum die angeregten Pausengespräche beendet hatte und der Perkussionist seinen treibenden Rhythmus im Drei-Viertel-Takt auf der kleinen Trommel anschlagen konnte. Danach die langsame Steigerung, die Wiederholungen und Variationen des Themas, die Soli, die den Bolero so faszinierend machen.

Fiedler stand die meiste Zeit auf seinem Pult, nickte nur dem ein oder anderen Solisten kurz zu, lauschte wie das gebannte Publikum. Erst kurz vor Schluss griff er zum Taktstock und begleitete die Musikerinnen und Musiker zum Höhepunkt dieses Meisterwerks. Großer Jubel im Publikum – aber auch im Orchester große Freude über eine gelungene Aufführung.
Mit Jaques Offenbachs Ouvertüre zu „La vie parisienne“ kehrt Fiedler wieder nach Paris zurück. Das Leben in der französischen Metropole, mal laut, mal leise, mal wild und hektisch, dann wieder gemütlich im Walzertakt.
Statt der eigentlich angekündigten Wiener Bonbons („Süßigkeiten sind ungesund…“) spielte das Sinfonieorchester ebenfalls von Johann Strauß zum offiziellen Ende den „Donauwalzer“.
Publikum gefordert
Bei den Zugaben war dann das Publikum gefordert. Bei der „Berliner Luft“ aus der Lincke-Operette „Frau Luna“ galt es an der richtigen Stelle zu pfeifen und beim unvermeidlichen Radetzky-Marsch mal leis, mal kräftig zu klatschen.

Beide Male ging das Schramberger Publikum begeistert mit und Orchester, Publikum und ganz offensichtlich auch der Dirigent hatten einen Heidenspass dabei.



