Brestenberg: Sanierung wird teurer

Grunderwerb und Baukosten / Immer weniger Natur am Bach

Ausbauplan für die Straße am Brestenberg. Grafik Stadt Schramberg
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Gleich zweimal stand das Thema Sanierung Brestenberg auf der Tagesordnung des Ausschusses für Umwelt und Technik (AUT): Zum einen brauchte die Stadt 45.000 Euro, um drei noch fehlende Grundstücke zu kaufen. Zum anderen hatte man die Kosten für die Straßensanierung unterschätzt. Hier werden überplanmäßige Ausgaben von 170.000 Euro erforderlich. Aber auch um drei kürzlich gefällte alte Bäume im Bachbett diskutierte das Gremium.

Schramberg. Im Sanierungsgebiet „Sängerstraße – am Brestenberg“ hatte der damalige Stadtplaner Rudolf Mager im Zuge der Landesgartenschaubewerbung ein großes Renaturierungsprojekt geplant. Die Bachmauer auf der Bergseite sollte verschwinden, ein Weg am Bach entlang zum Schlendern einladen. Ein Durchbruch zur Hauptstraße, Terrassen und Grünanlagen. Es bleibt bei diesem Wunschtraum. Trotz jahrelanger Verhandlungen mit Grundeigentümern kam die große Lösung nicht zustande.

Aus der Bewerbung für die Landesgartenschau 2017. Grafiik: Stadt

Mini-Lösung mit Plätzle

Jetzt wird es eine Minilösung mit einem weiteren „Plätzle“ und vier Bäumchen geben. Immerhin die gesamte Straße zwischen den beiden Brücken wird erneuert. Neue Kanäle, Strom, Gas- und Wasserleitungen lassen die Stadtwerke verlegen. Die Parkplätze werden verlegt. Im März sollen die Bauarbeiten losgehen.

Das ist übrig geblieben – wobei das Plätzle keinen Zugang zum Bach ermöglicht. Grafik: Stadt

Um das Projekt umsetzen zu können, musste die Stadt noch drei Grundstücke kaufen. Das ist jetzt über die Bühne gegangen, wie Stadtplaner Joschka Joos berichtete. Die Verzögerung kam zustande, weil lange nicht klar war, ob auch der Durchbruch zur Hauptstraße gelingen kann. Erst als feststand, das wird nix, hat der andere Grundbesitzer dem Verkauf seiner Grundstücke zugestimmt. Die 45.000 Euro seien eigentlich keine zusätzlichen Mittel, sondern eine Umschichtung und werden aus dem Haushalt der Wirtschaftsförderung bestritten. Bei einer Gegenstimme von Jürgen Reuter (Aktive Bürger) billigte der Ausschuss dieses Vorgehen.

Straßenausbau wird teurer

Beim Ausbau der Straße berichtete der Leiter der Abteilung Tiefbau Konrad Ginter sei die Stadt von knapp 1,1 Millionen Euro Gesamtkosten ausgegangen. Fünf Firmen hätten Gebote eingereicht. Mit 1.9 Millionen Euro sei die Firma Peter Groß der günstigste Bieter gewesen. In jüngerer Zeit habe die Stadt eher günstigere Angebote erhalten. Wegen der engen Straßen im Baugebiet und der schwierigen Situation an der Bachböschung sei das Angebot aber nachvollziehbar.

Im Haushalt seien etwas höhere Mittel eingeplant, sodass die Stadt für den Straßenausbau nur 170.000 Euro überplanmäßige Mittel benötige. Diese sollten aus dem Haushaltstitel Erschließung Haldenhof genommen werden.

Die drei Grundstücke im roten Oval hat die Stadt noch gekauft. Grafik: Stadt

Vier Bauabschnitte bis Jahresende

Die Anlieger seien über die Bauarbeiten, die in vier Abschnitten erfolgen sollen, bereits informiert. Am 23. März soll es losgehen. Bis Jahresende müsse man fertigwerden, weil die Stadt die Abrechnung für das Sanierungsgebiet bis Mai 2027 vorlegen muss, so Ginter. Immerhin 300.000 Euro Zuschuss erwartet die Stadt.

Susanne Andreae (SPD-Buntspecht) erkundigte sich nach der Baufirma. Das sei die frühere Firma Bantle, mit der Schramberg bisher sehr gute Erfahrungen etwa in der Mariazeller Straße gemacht habe, so Ginter. Thomas Brugger (CDU) betonte die Notwendigkeit, das Projekt umzusetzen. „Die Straße muss gemacht werden.“ Die Teuerung sei allerdings nicht erfreulich.

Emil Rode (Freie Liste) fragte nach möglichen Altlasten. Diese seien bekannt und in erheblichem Maße vorhanden, erwiderte Ginter. Das sei allerdings bereits alles in der Ausschreibung drin und in der Kalkulation berücksichtigt. Bei einer Nein-Stimme (Jürgen Reuter, Aktive Bürger) hat der Ausschuss dem Gemeinderat die Vergabe der Bauarbeiten und die Bewilligung der überplanmäßigen Mittel empfohlen.

Drei Roterlen mussten weichen

Schon im Vorfeld der Bauarbeiten gab es kritische Stimmen, weil die Stadt drei Roterlen am Bachufer hat fällen lassen. Erst kürzlich hatten die Angelsportler daran erinnert, wie wichtig es ist, dass Büsche und Bäume im Sommer dem Bach und seinen Lebewesen Schatten spenden Die Fischexperten hatten berichtet, dass sie in der Schiltach Wassertemperaturen bis 25 Grad gemessen haben, ein lebensbedrohlicher Wert für die Bachforelle. Die Ursache: radikale Rückschnitte entlang des Ufers.

Bei dem Treffen der Schiltachpächter waren auch die zuständigen Mitarbeiter der Stadtverwaltung dabei. Und dennoch mussten die drei etwa 70 Jahre alten Bäume weichen. Laut Stadtsprecher Hannes Herrmann „mussten die Bäume aufgrund des Abbruchs der Garagen gefällt werden“.

In der Sitzung ergänzte Ginter auf Nachfrage von Stadträtin Andreae (SPD-Buntspecht), die Garagen seien unterkellert. Hätte man die Bäume nicht entfernt, wäre das für die Baumaßnahme „sehr hinderlich“. Man habe zügig handeln müssen, weil es nach dem 28. Februar verboten ist, Bäume in der Stadt zu fällen.

Es geht aber nicht nur um die drei jetzt gefällten Bäume: „Die zuständigen Stellen lassen Büsche und junge Bäume im Bachbett jedes Jahr radikal zusammenschneiden“, beklagt ein Fachmann. Das Bachbett werde von allem Bewuchs befreit, bedauert er. Die Folge seien die extremen Wassertemperaturen im Sommer. Er appelliert an die Verantwortlichen weniger radikal vorzugehen und der Natur zumindest zwei Jahre Zeit zu geben.

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