Der Bären in der Marktstraße Fotos: him

Weil die Stadt­ver­wal­tung den Betrei­bern des „Bären und Mee(h)r“ kei­ne Schank­ge­neh­mi­gung erteilt hat, sind Dirk und Kathy Lind­ner sau­er. In einem gro­ßen Arti­kel hat der „Schwarz­wäl­der Bote“ die bei­den am Sams­tag zu Wort kom­men las­sen. Auch im Gespräch mit der NRWZ kla­gen sie, die Stadt ver­wei­ge­re ihnen eine Schank­ge­neh­mi­gung, obwohl dies eine „rei­ne Ermes­sens­ent­schei­dung“ sei.

Erst einen Tag vor der Eröff­nung Ende April habe die Stadt erklärt, die Lind­ners bekä­men kei­ne Kon­zes­si­on für Alko­hol­aus­schank. Der bis­he­ri­ge Bären­päch­ter Hol­ger Kap­pey half aus, blieb wei­ter Kon­zes­sio­när – und die Bären-Betrei­ber star­te­ten auch gleich mit einer Bier­ver­kos­tung.

Ihr Pro­blem sei, dass die gemein­sa­me Laden­bau­fir­ma 2014 in Insol­venz gegan­gen sei. „Da gibt es noch ein paar Alt­las­ten, aber die zah­le ich ab“, ver­si­chert Dirk Lind­ner. Außer­dem, bekennt Kathy Lind­ner, sei­en da noch  etwa 6000 Euro Steu­er­schul­den gewe­sen. Von denen, sagt sie, sei­en jetzt noch 1450 Euro übrig.

Ein paar Altlasten“ in Stadtlohn

Die Laden­bau­plei­te rüh­re von einem Auf­trag am Ber­li­ner Haupt­stadt­flug­platz her, so Lind­ner. 2012 habe er mit sei­ner Fir­ma einen Stand für einen Auto­ver­mie­ter gebaut. Lei­der aber sei im Ver­trag ver­ein­bart gewe­sen, dass der Auf­trag­ge­ber erst bei der Flug­ha­fe­n­er­öff­nung den kom­plet­ten Preis zahlt, erzählt er.

Ob denn nicht der Brand­schutz ein Pro­blem war und der Auf­trag­ge­ber des­halb nicht bezahlt hat, will die NRWZ wis­sen. „Wie soll ich den Brand­schutz ein­hal­ten, wenn es an der Stel­le gar kein Was­ser gab?“, fragt  Lind­ner zurück. Er sei davon aus­ge­gan­gen, dass der Flug­ha­fen wie geplant eröff­net wer­de, und er dann sein Geld bekom­me. Bis 2012 war der Eröff­nungs­ter­min aller­dings schon mehr­fach ver­scho­ben wor­den und die Brand­schutz­pro­ble­me des BER bekannt.

Außer dem Ber­li­ner Desas­ter sei­en auch Geschäf­te mit einer nord­deut­schen Werft schief gegan­gen, berich­tet er. Wenn sei­ne Frau Kathy in der Laden­bau­fir­ma nicht Pro­ku­ra gehabt hät­te, wäre nun alles nicht so schwie­rig. Aber so haf­tet sie eben mit.

Quel­le: Northdata.de

In Alm­siek, einem Teil­ort von Stadt­lohn, besaß Lind­ner einen „rie­si­gen Bau­ern­hof mit Stal­lun­gen, einer Reit­hal­le und Außen­an­la­gen“. Den hat er im Novem­ber 2014 an Spring­rei­ter Johan­nes Ehning ver­kauft, wie damals die „Müns­ter­land Zei­tung“ berich­tet hat.

In mehr als 30 Boxen hat Ehning, der jün­ge­re Bru­der von Olym­pia­sie­ger Mar­cus Ehning, Pfer­de von ande­ren Pfer­de­be­sit­zern unter­ge­bracht und bil­det sie aus. „Ich schät­ze mal, für einen hohen sechs­stel­li­gen Betrag“ sei der Hof weg gegan­gen, erzählt ein Ken­ner der Rei­ter­sze­ne im Müns­ter­land. „Nicht für zwei Pfer­de.“ Gefragt, war­um er den Rei­ter­hof ver­kauft habe, meint Lind­ner: „Na, um Schul­den zu til­gen.“

Wegen Vermögenslosigkeit gelöscht”

Laut Han­dels­re­gis­ter­aus­zug hat Lind­ner die  Fir­ma „Plan­pro­jekt Lind­ner GmbH Dienst­leis­tun­gen und Ein­rich­tungs­kon­zep­te“ in „Plan­pro­jekt Lind­ner GmbH Pro­jekt­ma­nage­ment und Edel­stahl­kon­zep­te“ umbe­nannt und eine neue Geschäfts­an­schrift ange­ge­ben: Süd­loh­ner Weg 40 a, 48703 Stadt­lohn

Han­dels­re­gis­ter­aus­zug

Die­se Fir­ma bestand von 2011 bis vor gut einem Jahr. Am 20.7. 2017 wur­de sie „wegen Ver­mö­gens­lo­sig­keit von Amts wegen gelöscht“, wie dem Han­dels­re­gis­ter zu ent­neh­men ist. Ein Insol­venz­ver­fah­ren hat­te das Amts­ge­richt Müns­ter am 5. Dezem­ber 2016 „man­gels Mas­se abge­lehnt“. Eine Insol­venz wird der Staats­an­walt­schaft grund­sätz­lich mit­ge­teilt. Sie prüft, ob ein Bank­rott oder Betrug vor­liegt.

Als Geschäfts­füh­rer hat Dirk Lind­ner – wohl wegen der mas­se­lo­sen Plei­te – eine Gewer­be­un­ter­sa­gung erteilt bekom­men. Das kön­nen Behör­den tun, wenn ein Gewer­be­trei­ben­der unzu­ver­läs­sig erscheint und dies zum Schutz der All­ge­mein­heit oder der Beschäf­tig­ten erfor­der­lich ist. Sie kann für eine bestimm­te Bran­che oder gene­rell aus­ge­spro­chen wer­den. In Lind­ners Fall war das Land­rats­amt in Bor­ken zustän­dig.

Frü­he­re Geschäfts­part­ner aus Stadt­lohn reagie­ren beim Namen Lind­ner durch­aus sen­si­bel, wol­len gern mehr erfah­ren, was da in Schram­berg los ist. Ob da noch Rech­nun­gen offen sind?

Zuverlässigkeit ist Voraussetzung

War­um erzäh­len wir die­se Geschich­ten aus der alten Hei­mat der Lind­ners? Aus dem Müns­ter­land, hart an der Gren­ze zu den Nie­der­lan­den, wo Dirk Lind­ner als Elfer­rats­mit­glied der Kar­ne­vals­ge­sell­schaft „Üm Büt un’ Pütt“ mit sei­nen fast zwei Metern aktiv war? Weil sie zu erklä­ren schei­nen, wes­halb die Stadt Schram­berg bei der Schank­ge­neh­mi­gung für den Bären so han­deln muss­te, wie sie gehan­delt hat.

Als die Lind­ners ihr Mode­ge­schäft in der Haupt­stra­ße im Okto­ber 2016 eröff­net haben, spiel­ten die­se Geschich­ten kei­ne Rol­le. Für ein Ein­zel­han­dels­ge­schäft genügt näm­lich eine Gewer­be­an­mel­dung. Che­fin war Kathy Lind­ner, ihr Mann hielt sich im Hin­ter­grund. Bei der Über­nah­me des „Bären“ aller­dings waren stren­ge­re Vor­aus­set­zun­gen zu erfül­len.

Gut gestar­tet: Bären und Mee(h)r.

Die Gewer­be­ord­nung schreibt näm­lich vor, dass für Gast­stät­ten mit Alko­hol­aus­schank eine „Erlaub­nis­pflicht“ besteht. Und da müs­sen die Betrei­ber ihre per­sön­li­che Zuver­läs­sig­keit bele­gen. Dazu gehört, dass man einen Aus­zug aus dem Schuld­ner­ver­zeich­nis und Insol­venz­ver­zeich­nis sowie eine Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung des Finanz­amts vor­legt. Das geschah laut Dirk Lind­ner „im April“, also kurz vor der Eröff­nung des neu­en Lokals am 30. April. Was da drin stand, wis­sen wir nicht, aber seit­her war in der Stadt­ver­wal­tung anschei­nend klar, da gibt es ein Pro­blem.  

Dass die Lind­ners den Bären über­neh­men wür­den, war aber spä­tes­tens Mit­te Febru­ar bekannt. Einen ers­ten Miet­ver­trag für den Bären hat­ten sowohl Kathy als aus Dirk Lind­ner unter­schrie­ben, trotz sei­ner Gewer­be­un­ter­sa­gung. „Das haben wir dann geän­dert“, gibt Kathy Lind­ner zu.

Für die Stadt­ver­wal­tung ist es schwie­rig, sich zu dem The­ma zu äußern. Daten­schutz, Steu­er­ge­heim­nis als Stich­wor­te. Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog bestä­tigt auf Nach­fra­ge der NRWZ die Gesprä­che mit Lind­ners Ende April. Dabei habe man „nach Lösun­gen gesucht“. Wie geplant eröff­ne­te der Bären – die Lind­ners nutz­ten dafür die Kon­zes­si­on von Hol­ger Kap­pey, der bis dahin den Bären betrie­ben hat­te.

Probleme beim Alkoholausschank

Her­zog bestä­tigt auch, dass die Stadt­ver­wal­tung wegen des Aus­lau­fens der Kap­pey­schen Kon­zes­si­on Anfang August den Lind­ners mit­ge­teilt hat, dass sie zum Alko­hol­aus­schank kei­ne Geneh­mi­gung mehr haben. Er stellt klar, dass es sich dabei nicht um eine Ermes­sens­ent­schei­dung hand­le. Wenn die Behör­de davon aus­ge­hen müs­se, dass ein Betrei­ber nicht zuver­läs­sig sei, dür­fe sie die Aus­schank­ge­neh­mi­gung nicht ertei­len.

Die­ser Hin­weis an die Gäs­te liegt auf den Tischen aus.

Schon der Deal, die Kap­pey­sche Kon­zes­si­on zunächst ein­mal wei­ter lau­fen zu las­sen, sei recht­lich pro­ble­ma­tisch, meint ein erfah­re­ner Jurist. Damit sei die Stadt den Lind­ners schon sehr, sehr weit ent­ge­gen gekom­men. Aber die Lind­ners hat­ten schon viel inves­tiert und soll­ten die Chan­ce bekom­men, ihre Zuver­läs­sig­keit nach­zu­wei­sen.

Dazu hat­te die Stadt einen „Busi­ness­plan“ eines Steu­er­be­ra­ters erbe­ten, bestä­tigt auch Lind­ner, und ver­weist auf ein Schrei­ben vom 21. August. „Nach drei Mona­ten“ sei die­ser Plan erbe­ten wor­den. Also zu Anfang August. „Was kann ich dafür, wenn jetzt Urlaubs­zeit ist?“ fragt Lind­ner. Die Steu­er­be­ra­te­rin wer­de das Kon­zept nach ihrem Urlaub vor­le­gen.

Das wird die Stadt prü­fen. Wenn sich her­aus­stellt, dass es seri­ös ist, die Steu­er­schul­den begli­chen und die „Alt­las­ten“ abge­baut wer­den kön­nen, dann kann Kathy Lind­ner auch eine Aus­schank­ge­neh­mi­gung für Alko­hol bean­tra­gen.