„Die Unbeugsamen“

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Schramberg (pm). „Politik ist eine viel zu ernste Sache, um sie allein den Männern zu überlassen.“  Das erklärte schon Käte Strobel, Bundesministerin 1966-1972.  Darum entschloss sich der Städtische Frauenbeirat zusammen mit der Politischen Vereinigung Buntspecht als Beitrag zum diesjährigen Internationalen Frauentag den Film „Die Unbeugsamen“ von Torsten Körner zu zeigen.  Über den Film und die anschließende Diskussion mit Schramberger Kommunalpolitikerinnen berichtert Barbara Olowinsky vom Frauenbeirat.

Mit einem Friedensgebet für die Menschen in der Ukraine , Frieden für die Welt, Frieden für alle, die nicht müde werden, zu verhandeln,  begrüßte Beiratsvorsitzende Dorothee Golm zunächst am Sonntag im Subiaco die rund 60 Gäste. Dann stellte sie die zentrale Thematik des Films vor, die bereits im Jahr 2020 als Buch des Regisseurs veröffentlicht wurde: “In der Männer-Republik-Wie Frauen die Politik eroberten“.

Mit großem Interesse, viel Beifall aber auch Empörung über verschiedene Verhaltensweisen in der Bonner Politikwelt verfolgte das Publikum diesen Dokumentarfilm, der allerdings alles andere als trocken ist. Hier geht es um Pionierarbeit von Frauen, die sich in den 50er Jahren bis zur Wiedervereinigung ihre Beteiligung an der Demokratie hart erkämpften.

Ungleiche Machtverhältnisse

Die Originalaufnahmen aus dem damaligen Parlament in Bonn aber auch die Interviews mit einigen der engagierten Politikerinnen heute im Rückblick zeichnen ein sehr eindrucksvolles Bild der ungleichen Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen  in der Politik. Dabei bezieht sich der Regisseur ausschließlich auf Dokumentiertes und direkte Aussagen von Frauen, entlarvende Aussagen männlicher Politiker werden unkommentiert gegenüber gestellt.

Besonders beeindruckend empfanden die Gäste dabei die Parlamentsrede von Waltraud Schoppe (Gründungsmitglied Die Grünen), die am 5. Mai 1983 zum Paragraf 218 Strafgesetzbuch im Bundestag eine Bestrafung bei Vergewaltigung in der Ehe forderte und damit eine Umwälzung der politischen Gesellschaftskultur bewirkte. Wobei auch hier manche männliche Reaktion im Bundestag  auf die schonungslosen Worte der Rednerin bereits Bände sprach.

Unerschrocken: Rita Süßmuth und viele andere

Bewundert wurde vom Publikum aber auch das Wirken von Rita Süßmuth (CDU), von 1985 bis 1988 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit und von 1988 bis 1998 Präsidentin des Deutschen Bundestages. Mit fast zehn Jahren war ihre Amtszeit die drittlängste in der Geschichte des Bundestages. Auch die Bundestagsabgeordneten  Christa Nickels (Die Grünen) und Ingrid Matthäus-Maier (FDP/SPD) beeindruckten mit ihrer mutigen, selbsbewussten Art des Auftretens und Argumentierens. Dass nicht alle Angriffe von männlichen Kollegen  von den Kämpferinnen einfach hingenommen werden konnten, zeigte das tragische Beispiel der anfangs so engagierten Petra Kelly(Die Grünen).

Schon zu Anfang des Films steht die Meinung  der FDP-Politikerin Marie-Elisabeth Lüders aus dem Jahr 1958 auf die Frage, was sie über die Verwirklichung  der Gleichberechtigung denke: “Zum Teil haben wir es geschafft und für den anderen Teil müssen wir weiterkämpfen!“

Ein kleiner Empfang in der Majolika. Foto: pm

Respekt vor der Aufgabe

In diesem Sinne schloss sich an den Film ein kleiner Empfang des Frauenbeirats und eine offizielle Gesprächsrunde an. Moderator Martin Himmelheber begrüßte die beiden ehemaligen Gemeinderätinnen Karin Birkel und Renate Much, sowie die aktuellen Gemeinderätinnen Barbara Kunst und Lara Kiolbassa. Und später auch Ute Graf (als Nachrückerin in der SPD).  Zunächst befragt nach der Motivation, sich politisch zu engagieren, schilderte Karin Birkel ihr intensives persönliche Engagement in der Musiker Initiative Schramberg (MIS), wo sie im und für den Vorstand so manches durchfechten musste.

Renate Much bezog ihr Engagement auf ihre Arbeit als Sozialpädagogin, beim Kinderschutzbund und später beim Umsetzen des „Dormagener Modells“ für Kinder-und Familienpolitik. Barbara Kunst begründete ihren politischen Einsatz in der Elternbeiratsarbeit am Gymnasium, wo es bis auf Landesebene ging in Fragen Lehrermangel, aber auch auf ihre jahrelange Arbeit im Frauenbeirat ( 7 Jahre lang Vorsitzende). Dabei habe sie gelernt, wenn man was erreichen wolle, dann müsse man es an Ort und Stelle machen.

Vier Frauen berichteten aus ihrer Zeit im Gemeinderat. Renate Much, Karin Birkel, Barbara Kunst und Lara Kiolbassa (von links). Foto: pm

Die derzeit jüngste Gemeinderätin Lara Kiolbassa erklärte, sie habe sich schon früh zu Hause mit politischen Fragen befasst, sei aber dann erst später durch ein Gespräch von außen auf die Möglichkeit einer Kandidatur im Gemeinderat gestoßen. Trotz ihres noch andauernden Studiums widme sie sich jetzt mit großem Eifer der Kommunalpolitik, weil sie vor allem jungen Menschen vermitteln möchte, wie  schön es auch in Schramberg sein könne, man müsse es nur sehen!

Ihre ersten Erfahrungen im Gemeinderat schilderten alle mit mehr oder weniger großer Ehrfurcht vor dem Rat, vor dem Wissensvorsprung der Mitglieder und vor ihrer Größe (Renate Much). Aber sie bestätigten alle, dass der Umgang miteinander zunehmend partnerschaftlicher wurde, auch bei bestehenden Verhaltensregeln innerhalb des Rates.

In Schramberg viel zu wenige Frauen im Rat

Warum trotz jahrelangen Engagements von Frauen auch heute „erst fünf Frauen bei 23 Männern“ eine Sitz im Gemeinderat haben, darin waren sich alle einig, dass es wohl auch damit zusammenhänge, dass Frauen nicht unbedingt Frauen wählen, es ihnen oft nicht zutrauen. Aber wer fragt schon einen Mann, wie er ein solches Amt bewältigen könne, wenn er Familie habe?

Einig waren sich die Gesprächsteilnehmerinnen auch darin, dass es keine politischen Themen  für den Gemeinderat gebe, die nicht Frauen genauso betreffen wie Männer. Daher sei es wichtig, dass Frauen in unterschiedlichsten Bereichen sich verstärkt engagieren und somit mit unterschiedlichen Ansichten mitentscheiden.

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