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Dienstag, 29. September 2020

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Schuppenflechte – wen juckt‘s

Eine Reise mit offenem Ausgang

Zwei Leute aus Schramberg-Waldmössingen bauen einen alten Mercedeslaster in ein Wohnmobil um. Sie wollen in Amerika auf einer langen Fahrt die „Panamericana“ hinunter bis Panama erkunden. So weit, so noch normal. Doch die beiden haben eine Mission: „Wir wollen so viel als möglich über Therapien zur Schuppenflechte erfahren und das anderen Betroffenen berichten.“

Wie kommt man auf so eine Idee? Die Heilpädagogin Asha Polster und  der Zimmermann Christian Eble kennen und lieben sich seit sieben Jahren und schon fast so lange träumen sie vom Auswandern. Einerseits liebten sie beide Deutschland sehr, sagt sie. Andererseits träumten sie davon, am Meer zu wohnen: “Irgendwo, wo es keinen Winter gibt.“ 

Der Grund für ihr Fernweh ist ein besonderer: Seit seinem 14. Lebensjahr leidet Christian Eble an Schuppenflechte. Und er hat noch keine Behandlungsmöglichkeit gefunden, die ihm nachhaltig hilft. Schuppenflechte oder Psoriasis ist eine entzündliche  Hautkrankheit, die bis heute nicht heilbar ist.

Weit gereist als Rolandsbruder

Nach der Schulzeit hatte Eble eine Zimmermannsausbildung gemacht und ist als Rolandsbruder vier Jahre durch Europa, Amerika und Asien gewandert. Zurück in Deutschland hat er die Meisterprüfung abgelegt. Während der stressigen Prüfungsphase habe er „einen extremen Schub“ erlitten. Das hat ihn dazu gebracht, nach Behandlungsmethoden zu forschen, die ihm, aber auch den Millionen anderen Betroffenen helfen könnten. „Unsere Idee ist, in den USA, wo noch viel mehr Leute  an Schuppenflechte leiden, diese aufzusuchen“, erzählte Eble.

Auch Ärzte und andere Therapeuten wollen sie  kennen lernen. „Ich probiere dann deren Methoden an mir selbst aus und berichte darüber auf unserem YouTube-Kanal.“ Die beiden haben mit einem befreundeten Filmemacher, Dennis Pchaik aus Oberndorf, schon eine ganze Reihe von kurzen Videos  zu ihrer Idee und zu ihrer Reise gedreht (www.theskinmap.com). Darin zeigen sie derzeit hauptsächlich den Umbau ihres alten Übertragungswagens in ein Wohnmobil, mit dem man auch wochenlang ohne zusätzliches Wasser oder Elektrizität auskommen kann: „Wir bauen Tanks für 600 Liter Wasser ein, aufs Dach kommen Photovoltaikzellen.“

Der Umbau läuft

Noch sind sie mitten in den Umbauarbeiten. Bei einer Scheune in Waldmössingen nutzen sie jede freie Minute, um an ihrem Mercedes LPL 813,  Baujahr 1983, zu werkeln. Auf zehn Quadratmetern ist Platz für Küche, Dusche, Klo und Bett. Jeden Freitagnachmittag stellen sie einen neuen Kurzfilm ins Netz.

Bis Anfang Mai muss alles fertig sein, denn dann legt ein Frachtschiff mit ihrem  Laster und ihnen an Bord ab. „zwei Wochen später sind wir in Halifax und fahren dann rüber an die Westküste“, freut sich Asha Polster schon auf das gemeinsame Abenteuer. Den Sommer wollen sie bei einer Schwester von Polster im Nordwesten der USA verbringen, nach Canada reisen und unterwegs mit ihrer Schuppenflechte-Aktion beginnen.

Noch viel zu tun im Inneren. Foto: him

Sie wollen mit Christians Leidensgenossen Erfahrungen austauschen, Ratschläge hören, neue Behandlungsmethoden kennenlernen und an Christian Eble erproben.  Was sie neues erfahren, wollen sie in Videos festhalten und diese dann ins Netz stellen. Das soll aber eher fröhlich daher kommen, nicht im Jammerton. Deshalb der Slogan: „Schuppenflechte? … wen juckt‘s!“

Nach den USA solle es nach Mexiko gehen: „Da wollen wir bei einer Familie Spanisch lernen und dann möglicherweise durch Mittelamerika bis Panama weiter fahren“, beschreibt Eble  die Reisepläne. „Ob wir dann noch nach Kolumbien übersetzen, ist noch offen.“

Vielleicht für immer…

Für ihre große Abenteuertour sparen die beiden schon seit geraumer Zeit: „Ich bin keine Mode-Tussi“, versichert Asha Polster. „Und ich brauche kein getuntes Auto“, ergänzt Eble. Sie hätten alles, was sie brauchen. Ihre Ersparnisse würden  gut reichen, und wenn nicht: „Arbeiten kann man überall“, weiß Eble von seiner Wanderschaft als Zimmermann.

Das Ende der Reise bleibt offen. Vielleicht finden sie den idealen Platz, wo Klima, Ernährung, Stimmung passen, wo sich Christian Eble in seiner Haut wohlfühlt. Und wo es Christian gut geht, vielleicht geht es da ja auch anderen Psoriasis-Geplagten gut…. Aber das ist vorerst noch ein Traum. Jetzt muss erst einmal der alte LPL 813 fertig werden.

Info: Am 6. Oktober werden die beiden mit ihrem umgebauten Truck bei der Wieder-Eröffnung  des vergrößerten Studios der Firma „Dpictures“  https://www.dpictures.de/
von Dennis Pchaik in der  Hauptstraße 34 in Oberndorf dabei sein und  über ihre Reise-und Infopläne berichten. Auf YouTube  kann man sich kostenlos die Filme der beiden anschauen:  www.youtube.com/c/theskinmap

 

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