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Donnerstag, 27. Februar 2020

Unfall am Schlossbergtunnel wird teuer

Aussage gegen Aussage: Polizei ermittelt wegen illegalem Rennen

Nach einem spektakulären Unfall nach dem südlichen Tunnelausgang in Schramberg ermittelt die Polizei gegen zwei junge Autofahrer wegen eines illegalen Autorennens. Die beiden Fahrer  und ihre Beifahrer behaupten, es habe kein Rennen gegeben und alles sei ganz anders gewesen.

Am Montagabend war ein Renault Clio direkt nach dem Südportal des Schlossbergtunnels von der Straße abgekommen, hatte Verkehrsschilder eine Straßenlaterne und einen Hydranten umgefahren und war anschließend auf dem Dach gelandet. Ein Fiat soll ebenfalls in den Unfall verwickelt gewesen sein.

Augenzeugen berichteten am Unfallort, dass es sich um ein Autorennen gehandelt habe. An dieser Stelle werde immer wieder gerast, berichtet eine Anwohnerin. Die Polizei hat die beiden Autos nach dem Unfall beschlagnahmt und die Unfallspuren untersucht.

Aussagen auf Facebook

Auf der Facebookseite der NRWZ hat sich der Fahrer des  verunglückten Renault Clio zu Wort gemeldet (alle FB-Zitate im O-Ton): „Was redest du für scheise Junge ich war der Fahrer von Clio ich würde an eurem stelle mal ruhig sein du hast keine Ahnung was da passiert ist“, kritisiert der 19-Jährige Onur G. einen anderen User. Zum Bericht in der NRWZ, in dem vom Verdacht die Rede ist, da hätten sich zwei Autofahrer  ein Rennen geliefert, schreibt er: „NRWZ sie labern nur scheise Aber egal wir werden sehen ob des ein renn war.“

Auf Nachfrage der NRWZ, wie schnell er denn gefahren sei und was seiner Meinung nach die Unfallursache war, schreibt Onur G.: „Ich weiß nicht wie viel ich gefahren bin es war rutschig Hab den Boden verloren danach weiß ich nicht mehr… Achso man muss rennen machen bevor man Unfall macht oder?????“

Auch der Beifahrer im Fiat, Arjan M., hat sich gemeldet. Er schreibt: „ich war selbst im auto und hab gesehen wie das zu stande kam also mal einfach die fresse halten wenn man keine Ahnung hat hehe (…) Und genauso hab ich recht das es kein rennen war weil ich in dem fiat drin saß!“

Er erklärt im „Schwarzwälder Boten“, sie seien hinter dem Clio gefahren, der dann verunglückt  sei. Sie hätten gleich angehalten, um dem Cliofahrer und seinem Beifahrer zu helfen. Und: „Wenn wir gewusst hätten, dass man uns so beschuldigt, wären wir lieber weiter gefahren.“

Saftige Strafen drohen

Der Tatverdacht, dass die beiden Autofahrer in ein illegales Rennen verwickelt waren, bestehe, erklärt Nina Furic vom Polizeipräsidium Tuttlingen auf Nachfrage der NRWZ. „Wir ermitteln wegen des neuen Paragrafen 315 d Strafgesetzbuch“, ergänzt Polizeisprecherkollege Thomas Kalmbach. Der neue Paragraf sieht bei verbotenen Autorennen Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren oder Geldstrafen vor. Gibt es Tote oder Verletzte, drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Außerdem müssen die Beteiligten damit rechnen, dass ihnen der Führerschein entzogen wird.

Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass die Beteiligten bestreiten, ein Rennen gefahren zu sein. Dafür gebe es aber mehrere deutliche Hinweise. Kalmbach: „Uns liegen Zeugenaussagen vor. Und die sprechen eine Sprache: Es war ein Rennen.“

Straßenglätte als Ursache?

Die Beteiligten nennen als Unfallursache Straßenglätte, es werde sich herausstellen, „ob des glatt war oder nicht“, so Onur G.. Daran gibt es erhebliche Zweifel. Die Straße war gegen 19.30 Uhr zwar nass, aber noch nicht gefroren. Auch war der Unfallwagen schon im Tunnel nach rechts abgekommen, bevor es hätte glatt werden können. “Im polizeilichen Vorkommnisbericht habe ich nichts von Glätte gelesen“, so Kalmbach, „wäre es glatt gewesen, stünde das dort drin.“  

Gutachter untersuchte die Autos

Die beiden beschlagnahmten Autos seien inzwischen wieder freigegeben. Zuvor hatte ein Sachverständiger sie „unter die Lupe genommen“. Er soll feststellen, ob die Schäden am Fiat von dem möglichen Rennen stammen, oder wie der 20-Jährige Fahrer sagt, schon älter sind.

Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens wird das Gutachten eine wichtige Rolle spielen. „Ein Sachbeweis ist immer gut“, erläutert Kalmbach. Auch die beiden Autofahrer und ihre Beifahrer werden selbstverständlich angehört. „Am Ende entscheidet die Staatsanwaltschaft und ein Gericht“, so Furic.

Wie auch immer das Verfahren ausgeht, teuer wird es wohl für den Cliofahrer: Nicht nur sein Auto ist total kaputt, er wird auch für die anderen Unfallschäden aufkommen müssen. Die umgefahrene Laterne, die Straßenschilder und der Hydrant sind dabei wohl das wenigste. Richtig teuer wird der Schaden am Tunnel. Dort hatte der Clio ein Versorgungsrohr mit verschiedenen Kabeln erwischt und stark beschädigt. Die Kabel müssten alle ausgetauscht werden, erzählt Polizeisprecher Kalmbach: “Die Straßenmeisterei schätzt, dass das 20.000 Euro kostet.“

 

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