Die Polizei lässt die Unfallautos vom Abschleppdienst abtransportieren und sicherstellen. Foto: him

Nach einem spek­ta­ku­lä­ren Unfall nach dem süd­li­chen Tun­nel­aus­gang in Schram­berg ermit­telt die Poli­zei gegen zwei jun­ge Auto­fah­rer wegen eines ille­ga­len Auto­ren­nens. Die bei­den Fah­rer  und ihre Bei­fah­rer behaup­ten, es habe kein Ren­nen gege­ben und alles sei ganz anders gewe­sen.

Am Mon­tag­abend war ein Renault Clio direkt nach dem Süd­por­tal des Schloss­berg­tun­nels von der Stra­ße abge­kom­men, hat­te Ver­kehrs­schil­der eine Stra­ßen­la­ter­ne und einen Hydran­ten umge­fah­ren und war anschlie­ßend auf dem Dach gelan­det. Ein Fiat soll eben­falls in den Unfall ver­wi­ckelt gewe­sen sein.

Augen­zeu­gen berich­te­ten am Unfall­ort, dass es sich um ein Auto­ren­nen gehan­delt habe. An die­ser Stel­le wer­de immer wie­der gerast, berich­tet eine Anwoh­ne­rin. Die Poli­zei hat die bei­den Autos nach dem Unfall beschlag­nahmt und die Unfall­spu­ren unter­sucht.

Aussagen auf Facebook

Auf der Face­book­sei­te der NRWZ hat sich der Fah­rer des  ver­un­glück­ten Renault Clio zu Wort gemel­det (alle FB-Zita­te im O‑Ton): „Was redest du für schei­se Jun­ge ich war der Fah­rer von Clio ich wür­de an eurem stel­le mal ruhig sein du hast kei­ne Ahnung was da pas­siert ist“, kri­ti­siert der 19-Jäh­ri­ge Onur G. einen ande­ren User. Zum Bericht in der NRWZ, in dem vom Ver­dacht die Rede ist, da hät­ten sich zwei Auto­fah­rer  ein Ren­nen gelie­fert, schreibt er: „NRWZ sie labern nur schei­se Aber egal wir wer­den sehen ob des ein renn war.“

Auf Nach­fra­ge der NRWZ, wie schnell er denn gefah­ren sei und was sei­ner Mei­nung nach die Unfall­ur­sa­che war, schreibt Onur G.: „Ich weiß nicht wie viel ich gefah­ren bin es war rut­schig Hab den Boden ver­lo­ren danach weiß ich nicht mehr… Ach­so man muss ren­nen machen bevor man Unfall macht oder?????“

Auch der Bei­fah­rer im Fiat, Arjan M., hat sich gemel­det. Er schreibt: „ich war selbst im auto und hab gese­hen wie das zu stan­de kam also mal ein­fach die fres­se hal­ten wenn man kei­ne Ahnung hat hehe (…) Und genau­so hab ich recht das es kein ren­nen war weil ich in dem fiat drin saß!“

Er erklärt im „Schwarz­wäl­der Boten“, sie sei­en hin­ter dem Clio gefah­ren, der dann ver­un­glückt  sei. Sie hät­ten gleich ange­hal­ten, um dem Clio­fah­rer und sei­nem Bei­fah­rer zu hel­fen. Und: „Wenn wir gewusst hät­ten, dass man uns so beschul­digt, wären wir lie­ber wei­ter gefah­ren.”

Saftige Strafen drohen

Der Tat­ver­dacht, dass die bei­den Auto­fah­rer in ein ille­ga­les Ren­nen ver­wi­ckelt waren, bestehe, erklärt Nina Furic vom Poli­zei­prä­si­di­um Tutt­lin­gen auf Nach­fra­ge der NRWZ. „Wir ermit­teln wegen des neu­en Para­gra­fen 315 d Straf­ge­setz­buch“, ergänzt Poli­zei­spre­cher­kol­le­ge Tho­mas Kalm­bach. Der neue Para­graf sieht bei ver­bo­te­nen Auto­ren­nen Frei­heits­stra­fen bis zu zwei Jah­ren oder Geld­stra­fen vor. Gibt es Tote oder Ver­letz­te, dro­hen bis zu zehn Jah­re Gefäng­nis. Außer­dem müs­sen die Betei­lig­ten damit rech­nen, dass ihnen der Füh­rer­schein ent­zo­gen wird.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist ver­ständ­lich, dass die Betei­lig­ten bestrei­ten, ein Ren­nen gefah­ren zu sein. Dafür gebe es aber meh­re­re deut­li­che Hin­wei­se. Kalm­bach: „Uns lie­gen Zeu­gen­aus­sa­gen vor. Und die spre­chen eine Spra­che: Es war ein Ren­nen.“

Straßenglätte als Ursache?

Die Betei­lig­ten nen­nen als Unfall­ur­sa­che Stra­ßen­glät­te, es wer­de sich her­aus­stel­len, „ob des glatt war oder nicht“, so Onur G.. Dar­an gibt es erheb­li­che Zwei­fel. Die Stra­ße war gegen 19.30 Uhr zwar nass, aber noch nicht gefro­ren. Auch war der Unfall­wa­gen schon im Tun­nel nach rechts abge­kom­men, bevor es hät­te glatt wer­den kön­nen. “Im poli­zei­li­chen Vor­komm­nis­be­richt habe ich nichts von Glät­te gele­sen“, so Kalm­bach, „wäre es glatt gewe­sen, stün­de das dort drin.“  

Gutachter untersuchte die Autos

Die bei­den beschlag­nahm­ten Autos sei­en inzwi­schen wie­der frei­ge­ge­ben. Zuvor hat­te ein Sach­ver­stän­di­ger sie „unter die Lupe genom­men“. Er soll fest­stel­len, ob die Schä­den am Fiat von dem mög­li­chen Ren­nen stam­men, oder wie der 20-Jäh­ri­ge Fah­rer sagt, schon älter sind.

Im Rah­men des Ermitt­lungs­ver­fah­rens wird das Gut­ach­ten eine wich­ti­ge Rol­le spie­len. „Ein Sach­be­weis ist immer gut“, erläu­tert Kalm­bach. Auch die bei­den Auto­fah­rer und ihre Bei­fah­rer wer­den selbst­ver­ständ­lich ange­hört. „Am Ende ent­schei­det die Staats­an­walt­schaft und ein Gericht“, so Furic.

Wie auch immer das Ver­fah­ren aus­geht, teu­er wird es wohl für den Clio­fah­rer: Nicht nur sein Auto ist total kaputt, er wird auch für die ande­ren Unfall­schä­den auf­kom­men müs­sen. Die umge­fah­re­ne Later­ne, die Stra­ßen­schil­der und der Hydrant sind dabei wohl das wenigs­te. Rich­tig teu­er wird der Scha­den am Tun­nel. Dort hat­te der Clio ein Ver­sor­gungs­rohr mit ver­schie­de­nen Kabeln erwischt und stark beschä­digt. Die Kabel müss­ten alle aus­ge­tauscht wer­den, erzählt Poli­zei­spre­cher Kalm­bach: “Die Stra­ßen­meis­te­rei schätzt, dass das 20.000 Euro kos­tet.“