Waldkindergarten in Schramberg geplant

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Der Waldkindergarten als alternatives pädagogisches Konzept der Kinderbetreuung gewann über die letzten Jahre zunehmend an Bedeutung. In der gesamten Region sind Naturkindergärten verstreut – nur im Landkreis Rottweil nicht. Das soll sich nun ändern. In Schramberg hat sich eine Elterninitiative gegründet, um die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Gestern stellten Vertreterinnen und Vertreter der Elterninitiative ihre bisherigen Erfolge und Planungen im Schramberger Verwaltungsausschuss vor. So hat die Initiative bereits mit einem Wiesen- und Waldgelände im Bereich des Feriendorfes Eckenhof in Sulgen einen geeigneten Standort für das neue Kindergartenformat gefunden. Die Lage und Topographie dort seien sehr geeignet, betont auch die Verantwortliche für die städtische Kindergartenverwaltung, Kerstin Flaig.

Großes Interesse bei Eltern und Begeisterung seitens der Verwaltung

Der Waldkindergarten im Eckenhof soll bereits ab kommenden Herbst Kinder betreuen. Geplant ist eine Kinderbetreuung von 7.30 Uhr bis 13.30 Uhr. Die erste Gruppe mit 20 Kindern sei schon voll, so Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr. Es gebe bereits Wartelisten. Die Sprecherin der Initiative, Ramona Riemann, bestätigt das große Interesse in der Elternschaft Schrambergs. “Bei mir rufen fast täglich Eltern an und möchten mitmachen oder einen Platz für ihre Kinder haben”, so Riemann.

Vor dem Herantreten an die Stadt, fragte die Elterninitiative verschiedene Kindergartenträger an, die jedoch kein Interesse zeigten. Ganz anders ist die Einstellung bei der Stadt. Flaig betont, dass ein Waldkindergarten wie nun geplant eine gute Ergänzung für das Betreuungsangebot der Stadt sei, was auch die Auswahl bezüglich der Art der Betreuung vergrößere. “Der Waldkinderkarten wird ein neues Qualitäts- und Alleinstellungsmerkmal für Schramberg sein”, meint Flaig.

Zudem sei der Naturkindergarten gerade in Anbetracht des gesteigerten Bedarfs für Kinderbetreuung im Stadtgebiet eine ressourcenorientierte und nachhaltige Lösung, die dazu wertvolle Pädagogik anbiete. Diese Einschätzung wird von OB Eisenlohr unterstrichen. Sie berichtet außerdem, dass die Zusammenarbeit mit der Elterninitiative sehr effizient sei, was die Verwaltung sehr freue.

Auch Sprecherinnen und Sprecher der verschiedenen Fraktionen im Verwaltungsausschuss sprachen sich durchweg für das Projekt aus. Thomas Brantner (CDU) sagt, dass im Gegensatz zu früheren Planungen eines solchen Waldkindergartens, dieses Mal seine gesamte Fraktion hinter der Elterninitiative und dem Projekt stehe. Auch die Vorsitzende der Fraktion SPD/Buntspecht, Tanja Witowski, freut sich, dass es in Schramberg endlich einen Waldkindergarten geben wird. “Wir freuen uns über die Initiative mit tollen pädagogischen Überlegungen und hätten ein solches Projekt auch damals schon begrüßt”, so Witowski.

Sicherheit und Finanzen

In der anschließenden Diskussion wurden Sicherheitsbedenken ausgeräumt. Für die insgesamt 4,5 Hektar Gelände, das im Besitz der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist, soll ein Pachtvertrag beziehungsweise eine Nutzungsvereinbarung mit der Stadt unterzeichnet werden. Als Trägerin des Waldkindergartens ist die Stadt dann auch verantwortlich für die Verkehrssicherungspflicht. Hierzu laufen bereits Gespräche mit den Waldbesitzern, so OB Eisenlohr. Außerdem bestehe eine gute Zusammenarbeit mit dem Feriendorf Eckenhof, das sogar seinen Kinderraum als Notunterkunft für Extremstwetterlagen anbot.

Auch für die nötige Schutzhütte auf der Wiesenfläche liegen schon Pläne vor. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 55.000 Euro, wobei aufgrund der schwer kalkulierbaren Schwankungen im Baugewerbe 10 Prozent Puffer eingerechnet wurden, so Flaig. Zusätzlich müssen 20.300 Euro für Sanitäranlagen eingerechnet werden. Für die laufenden Kosten schlagen vor allem Personalkosten für die neu geplanten 2,2 Stellen und eine mögliche FSJ-Stelle für den Waldkindergarten zubuche. Kleinere Posten belegen Versicherungen, Baumkontrolle für die Verkehrssicherungspflicht und Materialien. Insgesamt sind die laufenden Kosten für dieses alternative Kinderbetreuungskonzept allerdings deutlich geringer als für traditionelle Angebote.

Daher betont zum Beispiel Brantner (CDU), dass die rund 76.000 Euro wohl problemlos gedeckt werden sollten. Zwar sind diese nicht in der aktuellen Haushaltsplanung gelistet, doch handle es sich hier im Vergleich zu anderen Ausgaben für Kindertagesstätten doch um ein “Nasenwasser”, so der Gemeinderat.

Elterninitiative ist bereit

Dementsprechend liegt auch die positive Beschlussvorlage vor. Es wird erwartet, dass in der nächsten Gemeinderatssitzung am 01. Juli der Einrichtung des Waldkindergartens in städtischer Trägerschaft zugestimmt wird.

“Sobald der positive Beschluss vorliegt, legen wir los und gründen direkt den Förderverein. Die Satzung steht, wir stehen in den Startlöchern,” freut sich Riemann. OB Eisenlohr bedankte sich zum Schluss nochmals für das große und professionelle Engagement der Elterninitiative. Von dieser waren viele Vertreterinnen und Vertreter bei der öffentlichen Sitzung anwesend. Sie hoffen nun auf einen erfolgreichen Start ihres Waldkindergartens Eckenhof im Herbst.

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