Windkraftanlagen oberhalb von Tennenbronn im Bereich Benzebene/Windkapf. Foto: him

SCHRAMBERG (him) –  Nach wie vor beschäf­ti­gen Wind­kraft­an­la­gen die Men­schen. Geg­ner wie Befür­wor­ter. In Arti­keln und Leser­brief­spal­ten prall­ten im ver­gan­ge­nen Herbst die Mei­nun­gen auf­ein­an­der. Das könn­te nun wie­der los gehen. Für den Bau von zwei wei­te­ren Anla­gen im Bereich Fal­ken­hö­he auf Lau­ter­ba­cher und Schram­ber­ger Gemar­kung hat das Land­rats­amt näm­lich eine immis­si­ons­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gung erteilt, doch dage­gen sind Wider­sprü­che ein­ge­gan­gen.

Johan­nes Haug bei einem Pres­se­ge­spräch in Schram­berg. Foto: him

Für den Diplom-Inge­nieur und lei­den­schaft­li­chen Ver­fech­ter des Aus­baus erneu­er­ba­rer Ener­gi­en, Johan­nes Haug, ist die gegen­wär­ti­ge Lage schlimm: „Zum Schau­fens­ter raus wird Kli­ma­schutz aus­ge­legt, und im Hin­ter­zim­mer wer­den die erneu­er­ba­ren Ener­gi­en abge­dreht“, empört sich der Rott­wei­ler und belegt es mit Zah­len: Im ers­ten Halb­jahr 2019 sei­en die Inves­ti­tio­nen in Wind­kraft und Pho­to­vol­ta­ik im Ver­gleich zum Vor­jahr um 41 Pro­zent zurück­ge­gan­gen. In Baden-Würt­tem­berg sei nur ein Wind­rad neu in Betrieb gegan­gen, das sei der nied­rigs­te Stand seit 2000.

Bau einer Wind­kraft­an­la­ge bei Ten­nen­bronn im Herbst 2016. Archiv-Foto: him

„Seit 2017 sind in der Wind­bran­che 26.000 Arbeits­plät­ze ver­lo­ren gegan­gen – und nie­mand redet dar­über.“ Dage­gen wür­den Mil­li­ar­den auf­ge­wandt, um den Abbau von 20.000 Arbeits­plät­zen bei der Braun­koh­le über die nächs­ten zehn Jah­re abzu­fe­dern.

Alles ganz fried­lich: Johan­nes Haug, Mar­tin Stai­ger und Son­ja Rajsp aus Lau­ter­bach, die eben­falls an dem Gespräch zur Wind­kraft im März teil­ge­nom­men hat­te. Foto: sra

Haug, einer der Mit­be­grün­der des Arbeits­krei­ses Kli­ma­schutz der Loka­len Agen­da in Rott­weil, hat­te sich in die Dis­kus­si­on um die Wind­rä­der auf dem Höhen­zug zwi­schen Horn­berg, Lau­ter­bach und Ten­nen­bronn ein­ge­schal­tet. Er hat­te  eine Nacht im „Deut­schen Jäger“ von Mar­tin Stai­ger über­nach­tet. Die­ser hat­te Wind­kraft­be­für­wor­ter ein­ge­la­den, bei ihm eine Nacht zu ver­brin­gen, woll­te sie aber mit einem Spann­gurt ans Bett schnal­len, damit sie wegen der Wind­ge­räu­sche nicht davon lau­fen. Er habe ruhig geschla­fen, auch ohne Gur­te, berich­te­te Haug spä­ter der NRWZ. Zwei weg­fah­ren­de Autos hät­ten ihn mehr gestört.

Windkraftgegner verweigert Gespräch

Stär­ker ärger­ten ihn immer wie­der auf­tau­chen­de Zita­te und Leser­brie­fe des ehe­ma­li­gen Förs­ters Chris­toph Leinß. Mit ihm ver­such­te Haug seit Herbst des ver­gan­ge­nen Jah­res elf­mal per Mail ins Gespräch zu kom­men. Ver­ge­bens. Kei­ne Ant­wort.

In einer län­ge­ren Mail vom ver­gan­ge­nen Frei­tag dann lehnt der pro­mo­vier­te Forst­wis­sen­schaft­ler Leinß ein Gespräch ab.  „Ich habe es auf­ge­ge­ben, Per­so­nen davon über­zeu­gen zu wol­len, dass unse­re Gesell­schaft von ideo­lo­gisch-grü­nen Strö­mun­gen an die Wand gefah­ren wird. Dage­gen set­ze ich mich ein, jeden Tag meist bis spät in die Nacht“, schreibt Leinß und behaup­tet, die Kli­ma­er­wär­mung käme nicht vom CO2. „CO2 kann die Atmo­sphä­re phy­si­ka­lisch nicht auf­hei­zen“, so Leinß und fügt an, dazu gäbe es dut­zen­de wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen, er nennt aber kei­ne.

Photovoltaik Schuld an Klimaerwärmung?

Die Kli­ma­er­wär­mung käme durch Bau­tä­tig­keit, vom Ver­kehr, der Wald­ro­dung für Wind­kraft­an­la­gen, der Hei­zung „und viel­leicht sogar durch das Auf­stel­len von mas­sen­haf­ten Solar­mo­du­len in der Land­schaft“, heißt es wei­ter. Über sei­ne The­sen dis­ku­tie­ren aller­dings will Leinß nicht. Er kön­ne sich nicht vor­stel­len, „dass dabei etwas sinn­vol­les her­aus­kommt, da unse­re Stand­punk­te zu weit aus­ein­an­der­lie­gen“.

Johan­nes Haug mit zwei Gra­fi­ken, die den dra­ma­ti­schen Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmo­sphä­re bele­gen. Foto: him

Die­ses Ver­hal­ten sei „sym­pto­ma­tisch für die Wind­kraft­geg­ner“, glaubt Haug, „ihre Argu­men­te ste­hen auf höl­zer­nen Füs­sen.“ Des­halb ver­wei­ger­ten sie sich der Dis­kus­si­on. Für ihn ist klar, dass die Ener­gie­wen­de nur mit Wind und Pho­to­vol­ta­ik zu schaf­fen sein wird. „Wenn das so ist, dann muss man eben auch mit Wind­kraft­an­la­gen auf Schwarz­wald­hö­hen wie dem Wind­kapf leben.“

OB: Tennenbronn hat signifikanten Beitrag geleistet

In Schram­berg wird wei­ter an einer „Punk­tu­el­len Ände­rung” des Flä­chen­nut­zungs­plans gear­bei­tet. Der Gemein­de­rat hat­te mit knap­per Mehr­heit eine Pla­nung der Stadt­ver­wal­tung abge­lehnt, weil dar­in zwei wei­te­re mög­li­che Stand­or­te nicht vor­ge­se­hen waren: Eine Anla­ge, die die Stadt in Abspra­che  mit Horn­berg gestri­chen hat­te und eine zwei­te, die auf Wunsch des Ten­nen­bron­ner Ort­schafts­rats ent­fal­len soll­te.

Der­zeit erar­bei­te die Ver­wal­tung einen neu­en Vor­schlag, so Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog auf Nach­fra­ge der NRWZ. „Dann muss der Gemein­de­rat ent­schei­den.“ Aus sei­ner Sicht soll­te es beim bis­he­ri­gen Vor­schlag blei­ben und die bei­den Stand­or­te aus der Pla­nung genom­men wer­den. „Das ist Stand heu­te.“ Wie sei­ne Nach­fol­ge­rin das sieht, wis­se er nicht. Aber: „Ich fin­de, Ten­nen­bronn hat in Sachen Wind­kraft einen signi­fi­kan­ten Bei­trag geleis­tet.“

Falkenhöhe: Kompromiss in Sicht?

Blick von Rei­chen­bach-Säge Rich­tung Wind­kapf mit zwei Wind­rä­dern. Foto: him

Klar ist indes­sen, dass die bei­den Anla­gen, die die Fir­ma Wind­kraft Scho­nach (WKS) errich­ten will, kom­men wer­den. Das Land­rats­amt habe den sofor­ti­gen Voll­zug ange­ord­net, die Fir­ma könn­te also  los­le­gen. Sie ris­kie­re dann aber Regress­an­sprü­che, soll­te dem Wider­spruch statt­ge­ge­ben wer­den, so Andre­as Bihl vom Land­rats­amt Rott­weil. Es könn­te aber einen Kom­pro­miss geben: Mög­li­cher­wei­se wür­de ein Ver­zicht auf eine wei­te­re bis­her bean­trag­te Anla­ge, die den Anlie­gern beson­ders miss­fällt, dazu füh­ren, dass auch der Wider­spruch zurück genom­men wird, so Bihl.

Die NRWZ hat auch die Bau­her­rin WKS um eine Stel­lung­nah­me gebe­ten, die wir, sobald sie uns vor­liegt, ein­fü­gen wer­den.