Ein frisch gestrichener Brunnen in der Rottweiler Innenstadt fällt derzeit durch eine ungewöhnlich kräftige Innenfarbe auf. Während die Stadt auf einen optischen Effekt mit Wasser setzt, reagieren einige Bürger irritiert – und stellen Fragen zum Umgang mit historischer Substanz.
Rottweil – Ein leuchtendes Blau im Inneren des Apostelbrunnens in der Oberen Hauptstraße, direkt beim Alten Rathaus, sorgt aktuell für Gesprächsstoff in der Rottweiler Innenstadt. Noch ohne Wasser wirkte die Farbgebung besonders intensiv – und stieß bei manchen Passanten auf Unverständnis.
„Passt aus meiner Sicht nicht zu diesem schönen Brunnen“, schreibt ein Leser an die NRWZ. Viele, die vorbeilaufen, würden „den Kopf schütteln“. Kritisch wird dabei auch gefragt, ob ein solcher Eingriff mit den üblichen Vorgaben zum Denkmalschutz vereinbar ist.
„Effekt wird sich abschwächen“
Die Stadt sieht die Situation differenzierter. Auf Anfrage erklärt Pressereferent Tobias Hermann: Mit eingefülltem Wasser habe sich die Wirkung deutlich relativiert. „Wir gehen davon aus, dass sich der Effekt dadurch abschwächt.“ Zudem werde die Farbe mit der Zeit verblassen. Man darf auch erwähnen, dass es sich bei dem Brunnen um eine historisierende Rekonstruktion mit älteren Vorbildern handelt.
Bei dem frisch gestrichenen Bauwerk handelt es sich um den Apostelbrunnen. Über ihn weiß „Rottweiler Bilder“ zu berichten:
Der Apostelbrunnen wurde im Jahr 1984 aufgestellt, nachdem sich der Rottweiler Geschichts- und Altertumsverein dafür eingesetzt hatte. Die Brunnensäule des Apostelbrunnens ist eine Kopie des ehemaligen Rösslebrunnens, der bis zum Jahr 1871 in der Waldtorstraße gestanden hat. Der achteckige Brunnenkasten wurde anhand des Salzbrunnens auf der Pürschgerichtskarte nachgebildet. Schon für das Jahr 1323 lässt sich ein Brunnen vor dem alten Rathaus nachweisen, der Gramansbrunnen, der später Salzbrunnen genannt wurde, nach dem benachbarten reichsstädtischen Salzmagazin.
Brunnen aus den 1980ern
Das bedeutet: Der heutige Brunnen ist keine mittelalterliche Originalanlage, sondern eine Neuschöpfung von 1984 – allerdings mit starkem historischen Bezug. So ist die Brunnensäule ist eine Kopie des früheren „Rösslebrunnens“. Der achteckige Brunnenkasten orientiert sich an alten Darstellungen. Und schon 1323 ist an dieser Stelle ein Brunnen belegt. Der Standort hat also eine über 700 Jahre alte Brunnen-Tradition, auch wenn die heutige Form neu ist.
„Beim nächsten Mal eine weniger intensive Farbe …“
Gleichzeitig zeigt sich die Verwaltung offen für die Kritik: Man nehme die Rückmeldungen zum Anlass, „beim nächsten Brunnenanstrich eine etwas weniger intensive Farbe auszuwählen“.
Tatsächlich ist der Effekt kein Zufall: Helle oder bläuliche Beschichtungen werden gezielt eingesetzt, um Wasser klarer und frischer wirken zu lassen – ein Prinzip, das etwa aus Schwimmbädern bekannt ist. Bei historischen Brunnen kann eine solche Gestaltung jedoch schnell als Stilbruch wahrgenommen werden.
Ob sich die Kritik mit gefülltem Becken legt, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen.

Denkmalschutz in Rottweil – klare Regeln für historische Substanz
Rottweil zählt zu den Städten mit besonders gut erhaltener historischer Bausubstanz in Baden-Württemberg. Entsprechend streng sind die Vorgaben, wenn es um Veränderungen an denkmalgeschützten Gebäuden und Anlagen geht.
Grundlage ist das Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg. Eingriffe – dazu zählen auch Farbänderungen, Materialien oder sichtbare Umbauten – müssen in der Regel mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden.
Ziel ist es, das historische Erscheinungsbild möglichst originalgetreu zu bewahren. Dazu gehören:
- Erhalt von Material und Struktur
- Verwendung passender, historisch verträglicher Farben
- Vermeidung moderner, auffälliger Veränderungen
Auch private Eigentümer sind an diese Vorgaben gebunden. Selbst Details wie Fassadenfarben, Fenster oder Beschichtungen können genehmigungspflichtig sein.
In der Praxis bedeutet das:
Was im Stadtbild sichtbar ist, wird besonders kritisch geprüft – gerade in der historischen Innenstadt.
Warum wirkt Wasser durch Farbe plötzlich blau?
Dass Wasser in einem Brunnen „blauer“ erscheint, hat oft weniger mit dem Wasser selbst zu tun als mit dem Untergrund. Helle oder gezielt bläulich gestrichene Flächen verstärken optisch die Farbwirkung.
Der Effekt dahinter:
- Licht wird reflektiert – helle Flächen werfen mehr Licht zurück
- Blautöne verstärken die Wahrnehmung von Frische und Klarheit
- Wasser wirkt tiefer und sauberer, als es tatsächlich ist
Dieses Prinzip wird bewusst eingesetzt:
- in Schwimmbädern
- bei modernen Zierbrunnen
- in der Gartengestaltung
Wichtig ist: Der Effekt ist am stärksten, wenn noch kein Wasser im Becken ist oder die Oberfläche ruhig bleibt. Mit zunehmender Nutzung, Verschmutzung oder Verblassen der Farbe nimmt die Wirkung meist wieder ab.
Gerade bei historischen Brunnen oder welchen in historischem Umfeld kann eine solche optische Veränderung allerdings ungewohnt wirken – weil sie nicht dem ursprünglichen Erscheinungsbild entspricht.
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