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Schießscharte wird Friedenszeichen

Wo einst Feinde im Visier waren, setzt der Künstler Tom Grimm mit Kerzen, Blumen und Brot ein stilles Zeichen für Frieden, Hoffnung und Menschlichkeit.

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Setzt an der Rottweiler Stadtmauer für einige Tage ein kleines, leises Denk-Zeichen für Verbindendes: Tom Grimm. Foto: privat

Kriege und Trennendes prägen die Gegenwart. Wo findet sich da Verbindendes? Der Künstler Tom Grimm macht mit einer Intervention an der Rottweiler Stadtmauer ein Angebot.

Rottweil – Von weitem ist es ein kleiner Farbtupfer im wuchtigen Gemäuer. Gelb, Rot und Goldgelb blitzen auf inmitten der wuchtigen Buckelquader unterhalb der Flöttlintorstraße, die zur Stauferzeit übereinander getürmt wurden, um die Stadt zu schützen.

Tritt man näher heran, sieht man besser, was da in einer schmalen Nische gerade ins Auge sticht: Zwei Kerzen, Sonnenblumen-Blüten und vergoldetes Brot liegen seit Freitag in etwa vier Metern Höhe auf einem schmalen Gesims.

Kerzen, Blumen, Brot: Die Intervention „Himmel und Erde“ von Tom Grimm. Foto: privat

Dieses kleine Plätzchen hat es Tom Grimm angetan: „Es ist eine zugemauerte Schießscharte“, erläutert er im Gespräch mit der NRWZ. Angesichts der derzeit bedrückenden Weltlage ließ ihn der Gedanke nicht los, gerade dort ein kreatives Zeichen zu setzen: klein, schlicht, poetisch – und zum Nachdenken anregend.

„Ich wollte etwas Sakrales machen“, erzählt Grimm, etwas, das den Horizont zum Himmel hin öffnet. Deshalb suchte er einfache Zeichen, die in verschiedenen Religionen als verbindend verstanden werden. Grimm entschied sich für Blumen als Symbol für die Ausrichtung zum Himmel hin, eine weiße Kerze als Zeichen für Leben und eine Grabkerze als Symbol für Vergänglichkeit und Gedenken.

Sowie nicht zuletzt für Brot, das alle Menschen brauchen, das nährt, das man teilen kann – und das nicht zuletzt in der Eucharistie, die diese Woche an Fronleichnam mit großer Feierlichkeit im Mittelpunkt steht, für Erlösungshoffnung steht.

An einem Ort, von dem früher mit engem Blick auf Feinde geschaut und Waffen abgefeuert wurden, setzt Grimm damit einen Kontrapunkt. Für ein paar Tage postiert er dort – nach Absprache mit Stadtverwaltung und Denkmalschutz – einen kleinen, feinen Hingucker. Macht die Stadtmauer, die einst trennte, zu einem zum Podest für Verbindendes, macht eine Schießscharte zum Friedenszeichen.

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