Hohe Dunkelziffer bei Corona-Infektionen

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„Influenza ist im Kommen“, so warnte Dr. Heinz-Joachim Adam. Nicht nur landesweit steige die Zahl an Infektionen, sondern auch im Landkreis: Habe es im dritten Quartal 2020 keinen einzigen Fall gegeben, im Jahr 2021 fünf, so seien es bis jetzt schon 20.

„Es ist eine schwere Erkrankung mit hohem Fieber“, warnte der Chef des Gesundheitsamts. Der Virus treffe auf eine „nicht gewohnte Gruppe von Menschen“, der sich verbreite, wenn die Menschen wieder mehr in geschlossenen Räumen zusammen sitzen. Er befürchtet einen raschen Anstieg der Fallzahlen und empfahl eine Schutzimpfung.

Verlauf der Ansteckungszahlen seit 2020-

Derweil ist die Herbst-Welle von Corona wieder im Gang. Die Inzidenz-Spitze von über 750 ist wieder am Abklingen. Aber die Inzidenz sei „nicht mehr das Maß aller Dinge“, sagte Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel beim telefonischen Pressegespräch des Amts. Auch weil wesentlich mehr Menschen angesteckt seien, als die Zahlen aussagen. Das liege zum einen daran, dass bei den milden Verläufen der gerade herrschenden BA-Varianten des Virus viele Menschen gar nicht mitbekommen, dass sie infiziert seien. Und zum anderen sei die Pflicht zum PCR-Test entfallen, wenn jemand einen positiven Schnelltest hatte. Und in die Statistik würde nur aufgenommen, wenn ein PCR-Test den Virus nachgewiesen habe. Er schätzt, dass doppelt so viele Menschen angesteckt seien wie gemeldet.

Auffällig sei, so berichtete Adam, dass kaum mehr Kinder angesteckt würden (64 im Oktober bis Montag). Die am meisten betroffene Altersgruppe sei die zwischen 50 und 59 mit 740 Ansteckungen im gleichen Zeitraum.

Altersstruktur der Covid-Ansteckungen im Oktober.

Die Krankenhäuser seien wieder voll, so berichtete Adam. Es gebe dort aber weniger Corona-Fälle als ein Jahr zuvor, trotz höherer Infektionszahlen. Die Krankenhäuser seien aber durch den krankheitsbedingten Ausfall beim Personal belastet. In den Intensivstationen der beiden Krankenhäuser seien derzeit zwei Personen.

Flüchtlings-Situation

Die gute Nachricht vorweg: Die Kreissporthalle in Rottweil wurde bislang nicht mit Flüchtlingen belegt. Noch sind die anderen Quartiere ausreichend. Landrat Michel berichtete auch, dass das Amt die Zahl an unterzubringenden Flüchtlingen beobachte. Wenn sich abzeichne, dass die Halle für vier bis sechs Wochen nicht gebraucht werde, dann würde sie für diese Zeit für Schul- und Vereinssport freigegeben werden. Allerdings brauche er dazu verlässliche Prognosen. Montags die Halle für den Sport öffnen und am Tag darauf wieder schließen, das sei nicht sinnvoll.

Im Kreis Rottweil sind 2885 geflüchtete Personen untergebracht, berichtete Sozialdezernentin Angela Jetter den nicht ganz aktuellen Stand. Davon seien 2088 aus der Ukraine Ob sich die Zahl nach den Bombardierungen deutlich erhöhen werde, sei noch nicht abzusehen, sagte sie. 797 Asylbewerber kämen derzeit „in großer Zahl aus aller Welt.“ 144 Plätze seien noch frei. Zuweisungen aus den LEA kämen derzeit nicht in den Kreis, aber viele Menschen kämen aus eigenem Antrieb in den Landkreis. Landrat Michel wies darauf hin, dass schon mehr Personen im Kreis aufgenommen worden seien als im Flüchtlingsjahr 2015.

Im Ankunfts-Center in der Marienstraße seien jetzt zwei „muttersprachliche Medizinerinnen“ beschäftigt, die sich mit den Menschen aus der Ukraine besser verständigen könnten. Seither habe die Zahl an Impfungen zugenommen. Monatlich würden jetzt etwa 100 Kinder gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft und etwa 140 gegen Corona.

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Wolf-Dieter Bojus
... war 2004 Mitbegründer der NRWZ und deren erster Redakteur. Mehr über ihn auf unserer Autoren-Seite.