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Zwischen Rosen und Waffen: Rottweiler Filmprojekt bei der Biennale in Venedig

Ein Film aus Rottweil schafft es nach Venedig – und erzählt von einer Welt zwischen Rosenfeldern und Rüstungsindustrie.

Sophia Schiller und Marie Falke sind demnächst bei der Biennale in Venedig, um ihren gemeinsamen Film zu präsentieren. Foto: Moni Marcel
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Lesezeit 4 Min.

Rottweil/Venedig. Ein Film mit Wurzeln in Rottweil schafft es auf eine der wichtigsten Bühnen der internationalen Kunstwelt: Der Dokumentarfilm „Geography Is Destiny“ wird 2026 im bulgarischen Pavillon der Biennale in Venedig gezeigt. Produziert wurde er unter anderem von der Rottweiler Filmemacherin Sophia Schiller.

Filmemachen wollte Sophia Schiller schon als Kind. Aufgewachsen in einem musikalischen Umfeld – ihre Eltern betreiben eine Musikschule in Rottweil – schien zunächst ein Musikstudium naheliegend. Doch dieser Weg erwies sich für sie als nicht passend. Nach einem Umweg über ein Psychologiestudium entdeckte sie die Möglichkeit, Film zu studieren – und ging dafür nach Karlsruhe.

Dort lernte sie auch Marie Falke kennen. Gemeinsam gründeten sie das Filmwerk Kalliope, ein Filmkollektiv, das sich auf künstlerische Dokumentar- und Spielfilmprojekte konzentriert.

Nun ist eines ihrer Projekte auf internationaler Bühne angekommen: „Geography Is Destiny“, ein Dokumentarfilm der bulgarischen Regisseurin Rayna Teneva. Schiller ist als Produzentin beteiligt, Marie Falke verantwortet den Schnitt.

„Geography Is Destiny“

  • Dokumentarfilm (2026)
  • Regie: Rayna Teneva
  • Produktion: Filmwerk Kalliope (u. a. Sophia Schiller)
  • Schnitt: Marie Falke
  • Drehort: Kazanlak (Bulgarien)
  • Thema: Leben zwischen Rosenanbau und Waffenproduktion

Der Film führt in die Stadt Kazanlak in Bulgarien – bekannt für ihre Rosenfelder und zugleich für ihre Rüstungsindustrie. „Waffen und Rosen“: So beschreiben viele die Region. Diese Gegensätze prägen den Alltag der Menschen vor Ort.

Regisseurin Teneva kehrt für den Film in ihre Heimatstadt zurück. Da Dreharbeiten in der Waffenfabrik nicht möglich waren, suchte sie selbst Arbeit dort, um Einblicke zu gewinnen. Gleichzeitig beginnt die Rosenernte – zwei Welten, die sich zeitlich überschneiden. Weil sie nicht beides gleichzeitig filmen kann, überlässt sie ihre Kamera zeitweise den Arbeiterinnen und Arbeitern auf den Feldern.

Der Film zeigt damit nicht nur starke soziale und wirtschaftliche Gegensätze, sondern auch, wie eng beide Bereiche miteinander verwoben sind – und wie politische Entwicklungen darauf wirken. So änderten sich die Produktionsbedingungen mit Beginn des Ukrainekriegs grundlegend.

Auf die Frage, wofür Kazanlak steht, antworten die meisten Menschen: Waffen und Rosen. Diese Symbole für Liebe und Hass, für Gut und Böse sind der Alltag vieler Menschen Kazanlaks, der Heimatstadt der Regisseurin, die wegen der Dreharbeiten für ihren Film dorthin zurückkehrt. Da es unmöglich ist in der Fabrik zu filmen, sucht sie nach Arbeit in der Fabrik. Als sie endlich einen Job bekommt, beginnt schon die Rosenernte. Da sie keine Zeit an beiden Orten gleichzeitig zu filmen, beschließt sie, ihre Kamera den Arbeitern auf dem Feld zu geben.

Aus der Filmbeschreibung

Dass „Geography Is Destiny“ nun im bulgarischen Pavillon der Biennale gezeigt wird, ist für das Filmwerk Kalliope ein wichtiger Schritt: Die Biennale zählt zu den bedeutendsten internationalen Plattformen für Kunst und Film.

Auch in Rottweil soll der rund 70- bis 80-minütige Dokumentarfilm später zu sehen sein. Zunächst ist jedoch eine Auswertung auf Festivals geplant, bevor er regulär aufgeführt wird.

Parallel arbeiten Schiller und Falke an weiteren Projekten. Darunter ein neues Filmvorhaben mit Bezug zu Rottweil sowie der Ausbau ihres „Studio29“ in der Krankenhausstraße. Dort entsteht unter anderem eine sogenannte Schnittresidenz: Filmemacherinnen und Filmemacher sollen in der Endphase ihrer Projekte Unterstützung bei Montage und Dramaturgie erhalten.

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