Was passiert denn da unten? Was sich viele fragen, wenn sie über die Rottweiler Stadtmauer Richtung zukünftiger Landesgartenschau blicken, bekamen am Donnerstag drei Dutzend Menschen auf Einladung der Grünen von Bürgermeisterin und LGS-Geschäftsführerin Ines Gaehn gezeigt.
Los gings am Musikpavillon, der bereits fast fertig saniert ist und mit einem Kiosk ergänzt wird, der bei Veranstaltungen wie dem Bouleturnier für die Bewirtung genutzt werden kann. Gaehn erklärte auch, warum alles bis zum Start im Frühsommer 2028 eingezäunt bleiben muss: Das hat mit den Vorschriften und der Umsatzsteuer zu tun. Deshalb werde man auch den Spielplatz im Stadtgraben erst ganz zum Schluss sanieren.
Die Hochmaiengasse wird bis dahin durchgepflastert, die Parkplätze davor kommen weg, und weiter runter Richtung Stadtgraben wird jetzt schon ganz viel gebaut: Der Rampenweg dient der Barrierefreiheit, die in Rottweil eine echte Herausforderung ist. Zwar wird es auch einen Aufzug geben, der von der Hochbrücke hinunter zur Gartenschaubrücke führt und mit dem man mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Fahrrad runterkommt, aber wenn der mal ausfällt, muss eine Alternative da sein. Der eine oder andere Baum wurde dafür gefällt, ein besonders mächtiger bleibt stehen und wird vom Weg umrundet. „Wir haben uns jeden einzelnen Baum genau angeschaut“, betonte Ines Gaehn.
Wenn es nach dem Denkmalamt gegangen wäre, wären viele mehr gefällt worden, berichtete sie: Die Denkmalschützer hätten den Festungscharakter der alten Stadtmauer gerne hervorgehoben. Andere Vorschriften waren ebenfalls nicht einfach zu erfüllen und werden es auch nicht. So überwindet die Brücke mit acht Prozent Gefälle den großen Höhenunterschied zwischen Stadt und Neckar. Das sei eigentlich etwas zu viel, aber auf der anderen Seite müssen in der Suppen- und Glükhergasse ganze zwölf Prozent Steigung überwunden werden. Entlang der Stadtmauer gibt es nicht nur den Bonifatiusweg, der saniert wird, sondern unterhalb vom Kameralamtsgarten ein Mauergärtlein, das vor gut 100 Jahren der Rottweiler Verschönerungsverein angelegt hat.
Auch das wird wiederbelebt, weiter unten entsteht der Sozialgarten, den verschiedene Organisationen gemeinsam anlegen und in dem es um Themen wie Demenz, Alter, Hören und Sehen gehen wird. Auch ein kleiner Skulpturenpark wird hier entstehen, ebenso ein Garten der Teilorte. Ines Gaehn wies auf die insgesamt 13 Eingänge für die Schau hin, für die man entsprechend viel Personal braucht. Ehrenamtliches Personal, und das funktioniere auch, es gebe viele Leute, die mitmachen wollen, manche sparten extra ihren Urlaub dafür auf.
Insgesamt entstehen sechs Kilometer neue Radwege, neben der Brücke vom Stadtgraben zum LGS-Gelände eine weitere, die Radfahrer und Fußgänger über den Neckar und die Bahngleise führt. Überhaupt profitiere die Stadt schon jetzt von der Schau: Viele Zuschüsse fließen deshalb nach Rottweil, unter anderem die Million für den Neubau der ABG-Sporthalle. „Das ist ein riesiges Infrastrukturprojekt“, betonte Ingeborg Gekle-Maier, Grünen-Stadträtin und Organisatorin des Rundgangs.
Der Neckar ist schon weitestgehend renaturiert, allerdings macht der Biber Probleme. Ein Biberbau sei so nah an der alten Betoneinfassung des Neckars, dass man diese an der Stelle nicht wegmachen kann. Zudem müssen die jungen Weiden, die zur Uferbefestigung gepflanzt wurden, mit einem Elektrozaun geschützt werden, denn die seien, so Ines Gaehn, ein echtes „All-you-can-eat-Buffet“ für den Nager. Man habe es sogar mit Ablenkfütterungen versucht, doch das habe ihn nicht interessiert. Über die alte Brücke gings dann zu den Streuobstwiesen, die das Zentrum der Schau sein werden und wo auch die Kirchen ihren Platz haben werden. Hier wird eine „Chapelle“ entstehen, die derzeit von Konstanzer Architekturstudenten geplant und dann von Zimmerleuten aus der Schweiz gebaut wird, als Zeichen der Verbundenheit von Rottweil mit der Schweiz.
Die große Veranstaltungsbühne steht auf einer Betonplatte über dem vom alten Gaswerk verseuchten Boden. Hier habe man zwar vieles ausgehoben, so die Bürgermeisterin, doch nicht alles, das werde mit der Zeit durchs Grundwasser ausgeschwemmt. Die Betonplatte müsse daher auch draufbleiben. Auf der sich dann verwirklichen kann, wer Lust dazu hat: Mit Geschichten erzählen, Vortanzen oder was auch immer. Denn schließlich dauert die Landesgartenschau 180 Tage, und keineswegs an allen gibt es ein offizielles Veranstaltungsprogramm.
Noch steht dort am Neckar auch der alte Hochwasserpegel, Ines Gaehn erklärte, warum: Der neue weiter flussaufwärts ist bereits im Betrieb, muss aber mit dem alten abgeglichen werden, bis alles stimmt. Verschwunden ist hier die alte Kabelbrücke, die Leitungen wurden unter dem Fluss verlegt. Dafür bekommt der Neckar eine Furt, durch die man auf die andere Seite gelangen kann. Und dann ist da noch die alte Schindelbrücke, die zukünftig nur noch für Radfahrer und Fußgänger da ist, denn Autos und vor allem Lastwagen fahren demnächst über die neue Betonbrücke gleich nebenan. Neben der Brücke steht ein frisch eingepflanzter Baum, der am Nägelesgraben weichen musste und nun hier unten Wurzeln schlagen darf.
Wer übrigens von der unteren Innenstadt ganz schnell und nicht barrierefrei zur Landesgartenschau runter möchte, für den gibt es eine kleine Treppe beim Spital, die direkt auf den Bonifatiusweg führt. So kann dann, wer sportlich genug ist, für seine Mittagspause schnell mal runter an den Neckar. Und noch eine Info, die Ines Gaehn gerne weitergab: Aufzug, Brücken und Wege bleiben auch nach der Landesgartenschau, und sind dann sogar kostenlos.
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