Die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG hat sich nach eigenen Angaben im schwierigen Geschäftsjahr 2025 besser entwickelt als zunächst erwartet. Trotz schwacher Nachfrage im Inland konnte der Werkzeugmaschinenhersteller aus Gosheim den Auftragseingang steigern und den Umsatz leicht erhöhen. Ausschlaggebend dafür waren vor allem neue Großaufträge aus dem Ausland sowie eine wachsende Nachfrage nach Automationslösungen.
Auslandsnachfrage gleicht schwaches Inlandsgeschäft aus
Der Auftragseingang des Hermle-Konzerns stieg 2025 um 5,9 Prozent auf 483,8 Millionen Euro. Während die Bestellungen aus Deutschland deutlich zurückgingen, legten die Aufträge aus dem Ausland kräftig zu. Besonders im zweiten Halbjahr erhielt das Unternehmen größere Bestellungen aus internationalen Märkten, teils auch von Start-up-Unternehmen.
Der Umsatz erhöhte sich leicht um 0,7 Prozent auf 491,9 Millionen Euro. Der Exportanteil stieg dabei deutlich auf mehr als 71 Prozent. Damit bestätigt sich ein Trend, der viele Industrieunternehmen im Südwesten derzeit prägt: Die Nachfrage im Inland bleibt verhalten, während internationale Märkte teilweise stabiler laufen.
Auch der Service- und Dienstleistungsbereich entwickelte sich positiv. Hintergrund ist die zunehmende Zahl komplexer Automationslösungen, die Hermle bei Kunden installiert und anschließend betreut.
Ergebnis unter Vorjahr – aber besser als befürchtet
Trotz der stabileren Umsatzentwicklung musste das Unternehmen beim Ergebnis Rückgänge hinnehmen. Das Betriebsergebnis sank von 85,3 auf 69,2 Millionen Euro. Als Belastungsfaktoren nennt das Unternehmen unter anderem steigende Personal- und Energiekosten, zunehmenden Wettbewerbsdruck sowie bürokratischen Aufwand.
Dennoch fiel das Ergebnis besser aus als ursprünglich prognostiziert. Im zweiten Halbjahr sorgten mehrere Großaufträge zeitweise für eine gute Auslastung der Produktion in Gosheim. In anderen Monaten setzte Hermle allerdings erneut auf Kurzarbeit und sogenannte Bremstage.
Unter dem Strich erzielte der Konzern einen Jahresüberschuss von 51,4 Millionen Euro nach 65,9 Millionen Euro im Vorjahr. Die Eigenkapitalquote blieb mit 72,5 Prozent weiterhin hoch.
Neues Anwendungszentrum entsteht in Gosheim
Investiert hat das Gosheimer Unternehmen unter anderem in ein neues Anwendungszentrum am Stammsitz in Gosheim. Der Neubau mit angeschlossener Kantine soll 2027 eröffnet werden und künftig auch die bekannte Hausausstellung beherbergen.
Bei der jüngsten Hausausstellung präsentierte das Unternehmen neue Entwicklungen aus den Bereichen Automation, Digitalisierung und Komplettbearbeitung. Dazu zählen unter anderem neue Bearbeitungszentren der sogenannten GEN2-Reihe, Robotersysteme und digitale Anwendungen wie ein „Digital Twin“.
Mehr Auszubildende und gezielte Neueinstellungen
Zum Jahresende 2025 beschäftigte Hermle konzernweit 1.639 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und damit etwas mehr als im Vorjahr. Besonders die Zahl der Auszubildenden und dual Studierenden nahm zu. Zudem stellte das Unternehmen gezielt Fachkräfte in den Bereichen Automation, IT, Entwicklung und internationaler Service ein.
Vorsichtiger Ausblick auf 2026
Für 2026 bleibt der Ausblick vorsichtig. Hermle rechnet im besten Fall mit einem Umsatzplus von rund zehn Prozent. Bei ungünstiger Entwicklung seien allerdings auch Rückgänge möglich. Als Risiken nennt das Unternehmen unter anderem geopolitische Unsicherheiten, steigende Kosten sowie Folgen des aktuellen Iran-Kriegs, die derzeit kaum kalkulierbar seien.
Mittelfristig sieht das Unternehmen jedoch weiterhin gute Chancen. Vor allem der weltweit steigende Bedarf an Automationslösungen und hochpräzisen Werkzeugmaschinen könnte dem Unternehmen zugutekommen.
