Paukenschlag mit Signalwirkung: Das Autokennzeichen „RW“ ist nicht länger dem Landkreis Rottweil vorbehalten. In Nordrhein-Westfalen werden bereits die ersten Schilder ausgegeben – und im Kreis Rottweil wächst die Sorge über ein mögliches Versäumnis der eigenen Verwaltung.
Rottweil / Rheda-Wiedenbrück. Was undenkbar schien, ist offenbar Realität geworden: Das Kürzel „RW“, bislang fest mit dem Landkreis Rottweil verbunden, wird nun auch im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück ausgegeben. Die ersten Kennzeichen sind bereits im Umlauf – sehr zum Stolz der örtlichen Bevölkerung. Bislang mussten sich die Leute dort mit „GT“ für Gütersloh zufriedengeben.
Zuerst berichtete die in Rheda-Wiedenbrück erscheinende „Glocke“. Der NRWZ wurde am Dienstagabend eine Vorabversion der Printausgabe der Lokalzeitung vom heutigen Mittwoch zugespielt. Demnach wurden die ersten „RW“-Kennzeichen bereits ausgegeben und öffentlichkeitswirksam montiert. Die Einführung wird als identitätsstiftender Schritt für die Doppelstadt gefeiert. Gleichzeitig legt der Bericht nahe, dass die Vergabe des Kürzels nicht mehr exklusiv an den Landkreis Rottweil gebunden ist – ein Umstand, der dort für wachsende Irritationen sorgen wird.

Der Autor der „Glocke“, Rainer Stephan, erklärt die Hintergründe des Wechsels mit einer Mischung aus politischer Entwicklung und regionalem Anspruch: „Dass das Kürzel ‚RW‘ nun auch in Rheda-Wiedenbrück ausgegeben wird, ist Ergebnis einer längeren Diskussion um Identität und Sichtbarkeit der Stadt. Nach der Freigabe alter und neuer Kennzeichen durch die Landespolitik habe sich hier eine Gelegenheit ergeben, die man vor Ort entschlossen genutzt hat.“ Zugleich deutet Stephan an, dass die Entscheidung auch von übergeordneten Verwaltungsprozessen beeinflusst worden sein könnte, die andernorts – etwa in Baden-Württemberg – offenbar nicht mit der gleichen Konsequenz begleitet worden seien. Autor Stephan vermutet ein bestehendes Machtvakuum in der Landeshauptstadt Stuttgart.
Das erste „RW“-Kennzeichen in Nordrhein-Westfalen wurde nach Angaben der „Glocke“ demonstrativ an einem besonderen Fahrzeug montiert: an einem liebevoll restaurierten Mercedes-Oldtimer vom Typ 180 DB aus dem Jahr 1960. Angebracht wurde es von seinem Besitzer, Professor Ernst Albien, der sich bewusst die erste Kombination sichern wollte und das Schild gemeinsam mit Vertretern der örtlichen Heimatvereine öffentlichkeitswirksam präsentierte.
Als erste Kombination wurde das Kennzeichen „RW – GL 2026“ gewählt. Die Buchstabenfolge „GL“ ist dabei kein Zufall: Sie steht für die Herkunft des Halters aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis, der das Kennzeichen GL für Bergisch Gladbach trägt, und wurde bewusst als persönliche Note integriert. Angeblich steht „GL“ für „Gottes Lieblinge“. Die Zahl „2026“ verweist zugleich symbolisch auf das Einführungsjahr des neuen Kennzeichens.
Machtvakuum auch im Landkreis?
Während in Ostwestfalen also offenbar gefeiert wird, sorgt die Entwicklung im Landkreis Rottweil für Stirnrunzeln. Beobachter sprechen von einem „Desaster“, das möglicherweise auch mit personellen Veränderungen an der Spitze des Landratsamts zusammenhängen könnte.
Denn: Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel steht kurz vor dem Ruhestand, ein Nachfolger ist bereits gewählt. In einer Phase des Übergangs könnten wichtige Weichenstellungen möglicherweise nicht mit der nötigen Konsequenz verfolgt worden sein. Ob dies dazu beigetragen hat, dass das traditionsreiche „RW“-Kennzeichen nicht ausreichend verteidigt wurde, bleibt derzeit offen – wird aber hinter vorgehaltener Hand diskutiert.
Identitätsstiftendes „RW“ – ab jetzt geteilt
Besonders brisant: Das Kürzel „RW“ hat für den Landkreis Rottweil nicht nur praktische Bedeutung, sondern auch identitätsstiftenden Charakter. „RW“ steht seit jeher für die Stadt Rottweil – der ältesten Stadt Baden-Württembergs mit Wurzeln bis in die Römerzeit – und ist damit weit mehr als nur ein Verwaltungsmerkmal. Es fungiert zugleich als geografischer Marker, historisches Symbol und identitätsstiftender Anker für die gesamte Region. Für viele Menschen im Landkreis ist „RW“ eng mit dem eigenen Heimatgefühl verbunden: Wer dieses Kennzeichen führt, zeigt Zugehörigkeit, grenzt sich bewusst ab und bringt lokalen Stolz zum Ausdruck. Gerade im ländlichen Raum hat diese Form der Identifikation großes Gewicht – und während vielerorts alte Kennzeichen neu eingeführt oder verändert werden, galt „RW“ bislang als verlässliches Zeichen einer konstanten regionalen Identität.
Verständlich, dass die Einwohnerinnen und Einwohner von Rheda-Wiedenbrück diese Identität nun für sich erreichen wollen. Dort wurde das Kennzeichen mit großer Symbolkraft eingeführt. Dort spricht man von einem wichtigen Schritt für die lokale Identität und das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Im Landkreis Rottweil dürfte die Entwicklung nun Fragen aufwerfen: Wie konnte es dazu kommen, dass ein so prägendes Kürzel offenbar doppelt vergeben wird? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Zukunft?
Eine offizielle Stellungnahme aus dem Landratsamt Rottweil liegt bislang nicht vor.
Info: Die Glocke berichtet hier aus Rheda-Wiedenbrück.










