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Sonntag, 5. Juli 2020
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    „Die Villa“ soll im März 2020 eröffnen

    ‍Die Unterschrift ist drunter: Am Mittwoch hat Marco Koch, Inhaber der „Waldschenke“ in Schömberg, als künftiger Pächter den gastronomischen Mietvertrag für die „Villa Duttenhofer“ in Rottweil unterschrieben. Er geht damit ein hohes finanzielles Risiko ein und bindet sich für wenigstens zwölf Jahre. Aber er freut sich riesig auf die Aufgabe. Immerhin hatte ihm seine Mutter schon zugeraten.

    Bei der Unterzeichnung: Dörflinger (links) und Koch. Foto: gg

    • Gastronomischer Mietvertrag unterzeichnet
    • Laufzeit: Zwölf Jahre mit Option auf 15 weitere
    • Waldschenke-Wirt steigt ein, behält aber sein bisheriges Restaurant
    • „Die Villa“ soll ganztägiges gastronomische Angebot haben
    • Personal wird jetzt intensiv gesucht 

    Anfang 2018 muss das gewesen sein. Da riet Marco Kochs Mutter dem damals 31-Jährigen, er solle sich doch mal die „Villa Duttenhofer“ in Rottweil anschauen. Wusste die Dame doch, dass ihr Sohn mehr wollte, als „nur“ die „Waldschenke“ betreiben. „Größer werden“, wie er es in einem Pressegespräch am Mittwoch nannte. Wachsen und damit aber auch konkurrenzfähig bleiben. 

    Dann begannen intensive Verhandlungen. Der Herr Koch sei einer, „der ganz genau weiß, was er will.“ Das sagte sein Verhandlungspartner, Frank Dörflinger, Geschäftsführer der Activ Immobilien GmbH, im Rahmen dieses Pressegesprächs. Miteinander haben sie einen Vertrag ausgehandelt, dessen mehrfache Ausfertigung auszudrucken 60 Minuten gedauert haben soll, der rund drei Zentimeter dick ist und der den Sitz jeder Steckdose in der Villa regelt. Und die Zuständigkeit. 

    So soll sie dann auch heißen, ab März 2020, wenn sie offiziell eröffnet wird: einfach „Die Villa.“ Das Berliner Architekturbüro „unit-berlin“ ist mit dem Umbau beauftragt worden, mit der Einrichtung der Gastronomie. Rottweil darf sich auf ein großstädtisches Ding freuen mit Servicebereich für den eiligen Espressotrinker, mit Bar, Diner, Lounge für Langzeitgäste und allem Schnick-Schnack. Nicht mal eben eingerichtet, sondern nachhaltig und mit dem Blick auf den jahrelangen Bestand, so Architekt Hinnerk Dedecke, Geschäftsführer der „unit-berlin“.

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    Dedecke zeigte wunderschöne Bilder. Diese wollten wir, die NRWZ, natürlich auch unseren Lesern zeigen. Und fragten nach. Dedeckes verständliche Antwort: „Die gezeigten Bilder sind Mood-Bilder, die beispielhaft stehen für eine Richtung des Interieurs. Die Erfahrung zeigt, dass die Veröffentlichung solcher Mood-Bilder oft zu Irritationen führt, da sie als konkrete Entwürfe gewertet werden.“ Der Architekt gibt die Bilder also nicht frei. Aber er ergänzt: „Unser Bemühen ist es jedoch, die Öffentlichkeit zeitnah über die Fortschritte des Bauvorhabens zu informieren. Wir werden also, sobald es belastbare Bilder gibt, diese gerne zur Verfügung stellen.“

    Beim Pressegespräch. Foto: gg

    Es ist ein Mehrere-Millionen-Euro-Projekt, rechnete Dörflinger lächelnd vor. Der Gesamtinvest liege bei 4,2 Millionen Euro. Und darauf komme noch die Küche und die Einrichtung, für zusammen eine Million. Betreiber Koch habe da ganz genaue Vorstellungen.

    Wie hoch seine monatliche Pacht, ob sie fünfstellig sein wird, das wollte am Mittwoch niemand sagen. Die Herren – etwa auch Oberbürgermeister Ralf Broß und Bürgermeister Dr. Christian Ruf, aber auch Projektmanager Walter Möck auf Seiten des Investors und Koch als Pächter – verwiesen darauf, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für kritische oder allzu detaillierte Fragen sei. Jetzt wolle man doch nach vorne schauen, durchstarten, sich freuen. 

    Zuletzt, die vergangenen Monate, hatte die Activ Group nur noch mit Koch verhandelt. Weil man ihn als ernsthaften Interessenten wahrgenommen habe, der wisse, was er wolle, der den nötigen beruflichen, aber auch offenbar den finanziellen Background hat. Koch hat seine Karriere in München begonnen, fuhr als Steward zur See, war Supervisor im „Baur au Lac“ in Zürich. 

    Sein größtes Problem: gutes Personal zu finden. Sechs Köche werde er brauchen, rechnete Koch vor, dazu etwa eben so viele Servicekräfte. Er wirbt für sein Projekt, es sei ein „attraktiver Arbeitsplatz mit attraktiven Arbeitszeiten“ – durch die geplante ganztägigen Öffnungszeiten sollen diese flexibel gestaltet werden können.

    Einen Küchenchef hat Koch schon engagiert – er heißt Andreas Görgmayr und kommt aus München. Unter seiner Leitung soll „Die Villa“ bieten: „Frühstück, Mittagessen, Businesslunch, kleine Nachmittagskarte, Kaffee & Kuchen, Abendessen, Barfeeling, After Work Drinks“, so Kochs Aufzählung. Dazu kommt die Möglichkeit, „Die Villa“ für eigene Veranstaltungen zu mieten, Hochzeiten, Geburtstage, Taufen, Feiern. Koch will zudem eigene Veranstaltungen anbieten. Das übrigens schon in der Zeit vor der offiziellen Eröffnung. Man darf sich also auf Baustellenpartys freuen. Es wird die Villa an sich geben, den Pavillon mit verschiedenen Zonen und einen Außenbereich.

    Die „Waldschenke“ am Schömberger Stausee will Koch weiter betreiben – mit dem „gleichen Elan wie bisher. Die Vorteile beider Häuser sollen vereint werden“, sagte er. Zudem will er die Risiken minimieren – wie saisonale Schwankungen und Personalprobleme. 

    „Die Villa“ soll derweil ein Haus für alle Rottweiler werden. „Jeder soll sich in der Villa willkommen und angesprochen fühlen“, und zwar jederzeit tagsüber und abends.

    Koch hat sich mit der Unterschrift unter den Mietvertrag am Mittwoch auf satte zwölf Jahre gebunden. Der Vertrag kann danach dreimal noch um je fünf Jahre verlängert werden. Gilt also bis 2032. Eine Kündigungsklausel gibt es laut Projektleiter Möck nicht.

    Der Vertrag, dessen kleinster Teil offenbar das Mietverhältnis an sich regelt, ist höchst detailliert. „Wir hatten schwierige und harte, aber immer spannende und ehrliche Verhandlungen“, so Koch. Die Stadt hatte das Gebäude Anfang 2015 an die Activ Group übergeben, deren Umbaupläne der Gemeinderat im Oktober 2016 genehmigte. Zuvor hatte die Stadt versucht, selbst einen Pächter zu finden, aber bald gemerkt, dass sie nicht selbst  würde Verpächter sein können, „die Anforderungen sind so groß, dass wir das als Stadt nicht stemmen könnten“, so Broß.

    Für die Activ Group, hinter der der Investor Andreas Dünkel steht, ist das Projekt bis zum heutigen Tage ein hohes Risiko gewesen. „Es ist unüblich, dass ein Investor ein Gebäude saniert, ohne einen Pächter zu haben“, sagte Frank Dörflinger. Diesen hat sie ja jetzt.

    Allerdings fließt trotz der erfolgten Unterschrift nicht bereits ab dem heutigen Tag seitens des Pächters, seitens Koch auch Geld. „Er hat noch einen Vorlauf und wird erst ab dem kommenden Jahr die Miete bezahlen müssen“, so Investor Dörflinger gegenüber der NRWZ. Allerdings habe Koch auch jetzt bereits Ausgaben, etwa für die Personalsuche.

    Darüber freuen sich jetzt alle „riesig“, wie etwa Dörflinger sagte. Die Stadt sei „der Hammer“, ergänzte Koch, gebürtiger Rottweiler und heute 32 Jahre alt. Der Testturm, die künftige Hängebrücke, die Landesgartenschau 2028 – angesichts dieser „tollen Projekte“ wolle er „die Stadt noch spannender machen.

     

     

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